Ferienprogramm

Der Nachwuchs brettert über den See

Bettina Schaller

Von Bettina Schaller

Mo, 13. August 2018 um 17:45 Uhr

Lahr

Der Waldmattensee war am Samstag Mittelpunkt des Lahrer Sommerferienprogramms. Die DLRG-Ortsgruppe hatte Kinder und Jugendliche zum Schnupperkurs Lebensretter eingeladen.

Stilles Ertrinken nennt man den Tod im Wasser. Denn wer beim Schwimmen in Not gerät, schreit nicht um Hilfe. Der Grund: Wer Wasser einatmet, beginnt mit einer Schnappatmung, der Kehlkopf krampft, um die Luftröhre vor Eindringen des Wassers zu schützen und kein Laut geht mehr über die Lippen. Das ist die Situation, mit der die Ferienkinder am Samstag konfrontiert werden.

Was ist in solch einem Fall zu tun? Chiara, zwölf Jahre, weiß nach den ersten Übungseinheiten, dass zuerst der Notruf abgesetzt werden muss. "Nicht überaktiv werden, sondern überlegt handeln", fügt Anna, elf Jahre, hinzu. An diesem Samstag haben sie noch mehr gelernt. Neben der stabilen Seitenlage sind die ersten Hilfsmaßnahmen die Schockbekämpfung, die Reanimation durch Beatmung, die Herzdruckmassage oder der Einsatz eines automatisierten externen Defibrillators (AED).

Patrick Stippich ist Ausbildungsleiter bei der DLRG-Ortsgruppe Lahr und leitet federführend das Ferienprogramm. Ob dadurch Nachwuchs für die DLRG gefunden wird? Stippich: "Im Jugendbereich haben wir einen großen Zulauf, aber wir suchen Jugendliche ab 16 Jahren, die auch eingesetzt werden können." Hamzeh (16 Jahre) sitzt in der Wachstation und ist seit acht Monaten dabei. Sein Freund Yannis, der seit vier Jahren bei der DLRG-Ortsgruppe Lahr ist, habe ihn eines Tages mitgenommen. "Ich konnte nicht schwimmen", sagt Hamzeh. Das habe er bei der DLRG gelernt. Nun will er das bronzene Rettungsschwimmerabzeichen machen. Sein Freund Yannis hat das silberne Abzeichen im Blick.

Rettungsschwimmer oder doch lieber Pfarrer?

Und Chiara? "Ich wollte schon immer Rettungsschwimmerin werden", sagt sie. Den Erste-Hilfe-Kurs habe sie schon gemacht. Besonders cool finde sie die Fahrt mit dem Rettungsboot auf dem See und die Bretter, mit denen man in Not geratene Schwimmer retten könne. Chiara und Anna sind noch nicht sicher, ob es zur Feuerwehr, zum THW oder zur DLRG gehen soll. "Wir probieren alles aus und sehen dann", sagen die beiden Mädchen. "Vielleicht werde ich auch Bademeister und mache einen Ferienjob", so Chiara. Diese seien Mangelware, und das finden Chiara und Anna "schade". Für die beiden Mädchen ist gewiss: Ob Rettungsboje, Wurfsack oder Rettungsgurt – "wir wissen jetzt, was wann und wo eingesetzt werden muss."

Jakob ist elf Jahre alt und kommt aus Hugsweier. "Rettungsschwimmer will ich nicht werden, sondern Pfarrer wie mein Vater", sagt er. Als er erfährt, dass Rettungsschwimmer auch im Ehrenamt tätig sein können, fängt er an zu überlegen. Er sei mit seiner Familie jedes Jahr auf Borkum gewesen und habe die Rettungsschwimmer bewundert. Der CSG-Schüler hat schon das silberne Schwimmabzeichen und peilt das goldene an. "Im Schwimmsportverein Lahr bin ich schon."

"Ich bleibe dabei", ist Yannis überzeugt. "Ich bin im Wachdienst, darf Wachgänge machen und im Boot mitfahren." Und ihm gefallen auch die Aktionen außerhalb des Wassers. "Außerhalb der Ausbildung organisiere ich Kletterausflüge, Hüttenwochenenden und bin für den Spaßfaktor zuständig." Dieser Faktor ist auch am Samstag nicht zu kurz gekommen.