Umweltschutz

Im Freiburger Gewerbekanal soll der "Plastikmensch" Passanten aufrütteln

Daniela Frahm

Von Daniela Frahm

Do, 13. September 2018 um 07:09 Uhr

Freiburg

Eine Skulptur aus Müll steht seit dieser Woche im Gewerbekanal in der Gerberau. Das Kunstwerk von Thomas Rees kommt einer Freiburger Initiative gegen Plastikmüll im Meer zugute.

Eine Skulptur aus Müll steht seit dieser Woche als Mahnmal im Gewerbekanal in der Gerberau. Aufgestellt wurde der von Thomas Rees geschaffene "Plastikmensch" durch den regionalen Energieversorger Badenova. Das Kunstwerk soll vor allem aufrütteln. "Es ist eine traurige Tatsache, dass wir unseren Planeten zunehmend vermüllen", sagte Badenova-Vorstand Mathias Nikolay, "dass es 2050 wohl mehr Müll als Fische im Meer geben wird, lässt mich erschaudern."

Normalerweise arbeitet Rees bei seinen Skulpturen mit Holz, und so lautete auch der ursprüngliche Auftrag, den die Wirtschaftsjunioren Freiburg ihm im Rahmen ihrer "Clean-Up-Week" im Juli erteilt hatten. Anschließend sollte das Kunstwerk versteigert werden. "Ich kam sehr schnell zu dem Schluss, dass das nicht zusammenpasst", erklärte Rees. Er entschied sich dafür, Plastikmüll zu verarbeiten und war erstaunt, wie viel davon sich allein im eigenen Haushalt innerhalb einer Woche ansammelt. Außerdem wollte er nicht, dass die Skulptur anschließend im Hinterhof einer Firma verschwindet.

Sein Traum wäre es gewesen, dass der dreieinhalb Meter hohe Müllriese auf seinem eine Tonne schweren Sockel irgendwann mal im Nil steht oder in Indonesien, wo besonders viel Plastikmüll im Meer landet. "Jetzt wird er immerhin hier auf Reisen gehen", freute sich Rees. Badenova plant, den "Plastikmenschen" an verschiedenen Orten aufzustellen, um möglichst viele Menschen zu erreicht.

Wohin das schwere Kunstwerk nach den ersten zwei Monaten in der Gerberau verfrachtet wird, verrät Nikolay noch nicht. Sein Unternehmen hat die Skulptur für 5000 Euro gekauft, der Erlös ging an die Organisation Making Oceans Plastic Free, die es sich zum Ziel gesetzt hat, die Verschmutzung der Weltmeere zu reduzieren.

"Wir können von Freiburg aus zwar nicht die Welt retten, aber wir möchten in unserer Region etwas bewegen", sagte Jana Weitze von den Wirtschaftsjunioren zum Engagement ihres Verbands. Innerhalb von zwei Wochen hatte Rees seine Skulptur um ein Grundgerüst aus Stahl fertiggestellt. Nun steht sie im Schlamm des durch den heißen Sommer ausgetrockneten Gewerbekanals, soll sich aber eigentlich nach der Intention des Künstlers mit ihrem mahnenden Speer "gegen den Strom stellen, als Zeichen, dass wir die Natur beeinflussen".

Rees könnte sich deshalb auch die Dreisam als einen der nächsten Ausstellungsorte vorstellen. Bis in zwei Monaten würde der Sockel dort wahrscheinlich auch umflutet werden, so dass der "Plastikmensch", wie ursprünglich geplant, aus dem Wasser ragen würde. Für Nikolay passen das Kunstwerk und die Mahnung gut zu seinem Unternehmen, das nicht nur Energieversorger sei. "Ein Großteil unseres Geschäftsmodells besteht aus Umweltdienstleistungen und dem Thema Abfallvermeidung und -verwertung", sagte der Badenova-Vorstand. Es werde gerade an einem konkreten Leitfaden gearbeitet, der für alle Geschäftsfelder und -partner bindend sein soll.

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