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11. Februar 2012 16:13 Uhr
Fussball-Bundesliga
Der SC Freiburg spielt auf Augenhöhe mit Wolfsburg - und verliert
SC Freiburg tritt in der Fußball-Bundesliga weiter auf der (letzten) Stelle. Beim 2:3 (2:2) in Wolfsburg zeigten die Breisgauer zwar eine gute Leistung, unter anderem eine Fehlentscheidung des Schiedsrichtergespanns brachte sie aber um einen Punktgewinn, der verdient gewesen wäre.
Felix Magath gilt nicht gerade als Sympathieträger. Auch hält sich sein Mitgefühl für andere Beteiligte am Fußballgeschäft in deutlich überschaubaren Grenzen. Härte und Unnachgiebigkeit des Ex-Nationalspielers sind in der Branche berüchtigt. Eins ist Magath aber auch: Ehrlich. Deutliche Worte scheut er nicht. Als sich Magath noch gewohnt genüsslich der Zubereitung seines After-Work-Tees widmet, muss zunächst Christian Streich den neuerlichen Misserfolg erklären. "Es gibt Dinge, die sind beeinflussbar und andere, die sind es nicht. Das müssen wir akzeptieren." Nicht alle können dem Trainer des SC Freiburg in diesem Moment folgen. Doch selbst mehrfache Nachfragen sind zwecklos. Streich hält schützend beide Hände vor sich, wehrt auch verbal ab: "Mehr kann ich nicht sagen." Magath versteht, lässt Tee Tee sein, stellt das Umrühren ein und ergreift das Wort. Er übersetzt Streichs Schweigen, sodass es für jedermann verständlich wird: "Der Kollege redet von Fehlentscheidungen, die mehr oder meistens die kleinen Vereine treffen."
Nicht nur Magath war in der 14. Minute der Partie aufgefallen, was weder der eigentlich bestens postierte Linienrichter noch sein pfeifender Chef erkannt hatten: Nach einer Wolfsburger Hereingabe von der rechten Seite standen sowohl Giovanni Sio, der den Ball weiterleitete, als auch Torschütze Marcel Schäfer abseits. Der Sportclub musste wieder einem Rückstand hinterherlaufen, nachdem er gerade das selbst verschuldete 0:1 (Jiracek/5.) durch Flum (11.) wett gemacht hatte. Und noch einmal fanden die engagierten Gäste zurück, glichen durch den auffällig guten Caligiuri erneut aus (38.), erarbeiteten und erspielten sich eine sichtbare Überlegenheit. Ein weitere defensive Unachtsamkeit und Jiraceks abgefälschter Schuss sorgten in Halbzeit zwei dann für die Entscheidung (61.) – die ohne den erwähnten Aussetzer der Unparteiischen keine gewesen wäre. Weil den umtriebigen Freiburgern die Kräfte schwanden und das mal wieder frisch zusammengestellte VfL-Ensemble (Magaths dunkle Seite) nicht harmonierte, wäre das logische und gerechte Ergebnis ein Remis gewesen.
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Magath weiß das. Deswegen beurteilt er auch die Leistung seiner Elf klar und unnachgiebig. "Wir können weder froh noch stolz sein", bekennt er. Es sei für ihn unerklärlich, wie sein Team die Partie nach der 1:0-Führung hergeschenkt habe. "Einige haben sich zurückgelehnt und keinen Einsatz gezeigt." Der direkte Vergleich mit dem Gegner belegt das. Der Sportclub lief als Mannschaft acht Kilometer mehr als der VfL, gewann mehr Zweikämpfe und hatte nahezu ebenso viel Ballbesitz wie die Gastgeber. Damit war Christian Streich zufrieden. Dass sein Team nach der Pause nicht mehr entscheidend zulegen konnte, nahm der SC-Coach ebenfalls nicht zum Anlass, Kritik zu üben. "Wir können doch bei einer Mannschaft wie Wolfsburg nicht 90 Minuten das Spiel bestimmen", argumentiert er. Dass seinen Spielern noch immer zu viele folgenschwere, individualtaktische Fehler unterlaufen, ist Streich aber sehr wohl bewusst. Deswegen nehme man das Geschehene (Fehlentscheidung inklusive) als Sportsleute hin, fahre nach Hause und übe weiter.
Felix Magath will die Breisgauer allerdings nicht einfach so in den weiteren Abstiegskampf entlassen. Auch ganz am Schluss hat er noch etwas zu sagen – nicht der Öffentlichkeit, sondern Christian Streich persönlich: "Gute Leistung, so kommt ihr da unten raus." Es ist durchaus ein wenig Balsam auf die geschundene Freiburger Fußballseele. Und es drängt sich der Gedanke auf: Kann der Mann vielleicht doch sympathisch sein?
- SC Freiburg gegen VfL Wolfsburg: Der Spielbericht
Autor: René Kübler
