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05. August 2009 06:58 Uhr

Europa-Park im Gespräch

Der SC Freiburg will ein neues Stadion – in Rust?

Die Führung des Sportclubs Freiburg macht sich ernsthaft Gedanken um einen möglichen Stadion-Neubau. In einer Machbarkeitsstudie sollen Standorte geprüft werden – auch außerhalb von Freiburg.

  1. Individuell, aber für die Fußball-Bundesliga nicht unbedingt der passende Ort: das Freiburger Badenova-Stadion Foto: Brigitte Sasse

  2. Europa-Park-Chef Roland Mack ist zurzeit im Urlaub – lässt aber mitteilen: Stillstand gebe es im Europa-Park nie. Foto: dpa

  3. Abklatschen im Badenova-Stadion – wie lange noch? Foto: dpa

  4. SC-Präsident Achim Stocker: Stadion-Neubau erst in fünf bis zehn Jahren? Foto: Patrick Seeger

Noch hält der SC Freiburg Platz 17. Denn der FSV Mainz 05 liegt derzeit noch hinter den Breisgauern in der Tabelle der Stadion-Bundesliga. Aber nicht mehr lange. Wenn in Mainz die neue Coface-Arena fertig ist, trägt Freiburg endgültig die rote Laterne des bundesligauntauglichsten Stadions. Doch beim Standortnachteil soll es nicht bleiben. Die Debatte um einen Stadionneubau ist eröffnet. Nicht ausgeschlossen, dass der SC mit den Achterbahnspezialisten aus Rust ins Geschäft kommt – und der SC vielleicht einmal nahe dem Europa-Park kickt.

Doch bis dahin ist es ein weiter, weiter Weg. SC-Vorsitzender Achim Stocker rechnet damit, dass das Thema Stadionneubau sich erst in fünf bis zehn Jahren umsetzen lässt. Stocker, seit 37 Jahren an der Vereinsspitze, ist bekanntlich einer der das Geld am liebsten zusammen hält, "Wir müssen erst einmal schauen, wie wir abschneiden", sagt er. Und der Verein könne nur an ein neues Stadion denken, wenn dies zu Konditionen zu bekommen sei, die auch bezahlbar wären. Grundsätzlich lehnt er eine Kooperation mit einem Privatunternehmen wie dem Europa-Park nicht ab: "So schlecht ist die Idee nicht, die spielen schließlich Champions League, wir nur Bundesliga", sagt er. Die bestehenden Gedankenspiele sollen durch eine Machbarkeitsstudie geprüft werden.

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EUROPA-PARK IMMER IN BEWEGUNG

Der Europa-Park bestätigt Gespräche mit dem SC Freiburg, will aber sonst keinen Kommentar abgeben. "Im Europa-Park gibt es niemals Stillstand", lässt sich Roland Mack, der derzeit urlaubende Chef des Familienunternehmens, zitieren.

In einem interkommunalen Gewerbegebiet direkt an der Autobahnausfahrt bei Ringsheim und nahe Rust sollen auf rund 80 Hektar unter anderem Hotels und ein Spaßbad entstehen. Die Fläche würde wohl auch für eine Multifunktionsarena reichen. Ein Fassungsvermögen von 30 000 bis 35 000 Zuschauer wird als Richtgröße gelten. In der fußballfreien Zeit könnte der Freizeitpark die Arena mit Konzerten bespielen – Synergieeffekte nennt man das.

KEINE FREUDE IM RIESELFELD

Im Herbst will sich dann der SC-Vorstand des Sportclubs mit Visionen und Standorten beschäftigen. Natürlich gibt es auch in Freiburg ernsthafte Optionen. Etwa im Bereich Mundenhof und Rieselfeld, nahe von Autobahn und Autobahnzubringer. Für diesen Standort und einen Stadionneubau hatte sich der Freiburger Gemeinderat anno 1999 schon einmal entschieden – den Beschluss aber später wieder einkassiert, nachdem es Proteste von Anwohnern gehagelt hatte.

Zehn Jahre später startet ein neuer Suchlauf, nachdem der Verein mit dem Badenova-Stadion wirtschaftlich mit der Konkurrenz in der ersten Liga nicht mithalten kann. Und selbst in Liga zwei würde es der SC mit seiner Stadionkapazität derzeit nur auf einen Mittelfeldplatz schaffen. Die Krux ist: An der Schwarzwaldstraße, wo der SC seit 1954 im Dreisam- und später Badenova-Stadion Fußball spielt, sind die Möglichkeiten bis auf Miniverbesserungen ausgeschöpft. Für die am Sonntag beginnende Bundesligasaison etwa hat der SC die Mixed Zone, der Bereich in dem sich Presse und Fußballspieler zu Interviews treffen, ausgebaut und ein neues VIP-Zelt vors Stadion gepflanzt. "Wir nehmen da immer viel Geld in die Hand und trotzdem erzielen wir keine optimalen Lösungen", bilanziert SC-Vize Fritz Keller.

UNTERSTÜTZUNG VON STADT UND LAND?

Hinzu kommt schwierige Verkehrssituation, die Staus bei An- und Abfahrt der Besucher in der Enge des Freiburger Ostens und die direkte Nähe zu den Wohnstraßen – steter Quell für Frust und Ärger: "Das kann man eigentlich Fans und Anwohnern nicht mehr zumuten", so Keller. Der Vorstand, meint er, habe nicht nur Verantwortung für das Jetzt, sondern auch für die Zukunft: "Es gibt da verschiedene Möglichkeiten, über die wir nachdenken". SC-Schatzmeister Heinrich Breit hat jüngst im Interview mit der Stadionzeitung Heimspiel auch die Variante einer Doppellösung ins Spiel gebracht: Erst werde die letzte Möglichkeit eines Ausbaus des Badenova-Stadions genutzt und danach ein Neubau ins Visier angenommen. Breit baut offenbar weniger auf die Hilfe eines Privatunternehmens, als vielmehr auf den klassischen Weg: die Unterstützung von Stadt und Land, "wie es jetzt beispielsweise auch in Mainz umgesetzt wurde".

Dass Rust als möglicher Standort überhaupt untersucht wird, kommt im Freiburger Rathaus nicht gut an: "Dann soll sich der Verein in SC Rust umbenennen – ich werde dann nicht mehr zu den Spielen kommen", sagte Oberbürgermeister Dieter Salomon auf BZ-Anfrage.Der Rathauschef warnt vor einem Ausverkauf des Freiburger Fußballs.

Autor: Joachim Röderer