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23. Mai 2012

Der singende Regisseur

Vom Barock bis zur Moderne – inklusive Oper: Die Pfingstfestspiele Baden-Baden laden zum Besuch.

  1. Der „Liebestrank“ im Wilden Westen Foto: Andrea Kremper

Noble Konzerte mit Programmen von Bach bis Wolfgang Rihm und dazu italienische Oper des 19. Jahrhunderts, wobei Startenor Rolando Villazón singt und gleichzeitig Regie führt: Das und noch mehr gibt es in diesem Jahr bei den Pfingstfestspielen im Festspielhaus Baden-Baden.


Am meisten gespannt ist man aufs Opernprojekt beim Baden-Badener Pfingstunternehmen: Startenor Rolando Villazón (40) wird Gaetano Donizettis "L’elisir d’amore" (Der Liebestrank) im Festspielhaus auf die Bühne bringen. Jenes 1832 in Mailand aus der Taufe gehobene Erfolgswerk, für das einst Felice Romani, der beste italienische Operntextdichter der Donizetti-Zeit, das Libretto geliefert hatte (auf der Basis von Eugène Scribe). "Wir im Festspielhaus misstrauen dem aktualisierend-belehrenden Regietheater und folgen der Maxime: Am wichtigsten sind Libretto und Musik. Die Regie dient Sängern und Werk", kommen deutliche Worte vom Ort des Geschehens, wo der gebürtige Mexikaner Villazón Regiehand anlegt und die Partie des verliebten Bauern Nemorino singen wird.

Die Stimmung bei den Proben, soll, wie vorab zu erfahren war, schon mal ganz lustig sein. Und dass ein Sänger inszeniert, ist ja beileibe nicht ehrenrührig. Zumal sich ihm dann ein genrenahes Betätigungsfeld für den Fall auftut, dass es mit der eigenen Stimme nicht mehr so trefflich stehen sollte. Auch Freiburg ist bei diesem "Liebestrank" beteiligt: mit Thomas Hengelbrocks Balthasar-Neumann-Chor und -Ensemble. Die musikalische Leitung hat Pablo Heras-Casado. Mit dem Neumann-Ensemble wird sich zudem die Sopranistin Simone Kermes am ersten Junitag dem italienischen Belcanto widmen (bei Kostproben von Rossini, Bellini, Donizetti und Meyerbeer).

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Wenn von den Stars der Pfingstfestspiele 2012 die Rede ist, muss unbedingt der Name von Anne-Sophie Mutter fallen. Mit dem Kammerorchester Wien–Berlin präsentiert die Weltklasse-Geigerin viel Mozart und dazu ein Opus des diesjährigen Musikjubilars Wolfgang Rihm: "Lichtes Spiel", jenes ihr gewidmete Sommerstück für Violine und kleines Orchester aus dem Jahr 2009 (bei Rihm dirigiert Michael Francis). Man erlebt eine Geigerin, die sich dem Neuen nie verweigert. Eine Interpretin, bei der sich Klassik und Modernes ergänzen.

Bei Vokalmusik von Johann Sebastian Bach sind sie ja längst zu Experten geworden: Das Bach-Collegium Japan unter Masaaki Suzuki hat sich – man denke da nur ans Kantaten-Œuvre – eine Kompetenz erworben, die man auch in deutschen Bach-Landen nicht mehr ignorieren kann. In Baden-Baden bieten sie jetzt eines der Bach’schen Spitzenwerke: die h-Moll-Messe. Und zum Ausklang kredenzt der große russische Pianist Grigory Sokolov Kompositionen von Jean-Philippe Rameau, Mozart und Brahms. Merke: Die Vielfalt der Pfingstfestspiele ist beträchtlich und das Niveau allenthalben hoch. Man kann sich gut und gern darauf einlassen.

PFINGSTFESTSPIELE

Baden-Baden, Festspielhaus
Anne-Sophie Mutter
(Violine), 25. Mai, 20 Uhr;
Martin Grubinger (Percussion), 26. Mai, 19 Uhr;
Bach-Collegium Japan mit Bachs h-Moll-Messe, 27. Mai,18 Uhr;

Musikal. Morgenerwachen, 28. Mai, 9 Uhr (Museum Frieder Burda);
"L’elisir d’amore"
(Der Liebestrank), 28. Mai, 18 Uhr, 31. Mai,
20 Uhr, und 3. Juni, 18 Uhr;
Patricia Kopatchinskaja (Violine & Moderation), 30. Mai, 20 Uhr;

Simone Kermes (Sopran) & Balth.-Neumann-Ensemble, 1. Juni, 20 Uhr;
Grigory Sokolov (Klavier), 2. Juni, 19 Uhr;
Info: 07221/3013101

Weitere Infos unter      http://www.festspielhaus.de
 

Autor: bz

Autor: Johannes Adam