Der Spaß am großen Gestus

Sarah Nöltner

Von Sarah Nöltner

Fr, 08. Dezember 2017

Klassik

Die Geigerin Liv Migdal und der Pianist Jonagdo An beim Freiburger Kammermusikabend von Albert-Konzerten und Studium generale.

Als ein harmonisches Duo, das sich auch blind musikalisch versteht, präsentierten sich Liv Migdal (Violine) und Jonagdo An (Flügel) in der Aula der Freiburger Universität im Rahmen der Kooperation von Albert-Konzerten und Studium generale.

Heinrich Ignaz Franz Biber von Biberns Passacaglia in g-Moll bestach durch Midgals kontrastreiche Interpretation: zart und schlicht stellte sie das Thema vor, kostete die Mehrstimmigkeiten bei den zahlreichen Variationen aus, verzierte rasant und fand immer wieder in die zurückgenommene Nachdenklichkeit des piano Themas zurück. Über den manchmal im Pianissimo leicht zittrigen Bogen hörte man gern hinweg, angesichts der musikalischen Ausdruckskraft und der Variabilität ihres Spiels.

Das "Allegro de Sonate g-Moll op. 2" der Brüdern Henryk & Józef Wieniawski, das die beiden im Alter von 9 (Józef, Klavier) und 13 (Henryk, Violine) Jahren 1848 komponierten, begann Migdal energisch. Romantisch spielerisch, jugendlich ausgelassen und virtuos spielten An und Migdal das Allegro, mit sichtlichem Spaß am großen Gestus und an der auskomponierten Effekthascherei. Der souveräne Arpeggien-Show-Down und die rasanten Läufe der beiden Musiker begeisterten. Mit der "Sonate für Violine solo g-Moll" (1951) des in München geborenen und 1933 nach Tel Aviv emigrierten Paul Ben-Haim umspielte Migdal das Freiburger Publikum mit melancholischer Intensität. Ausdrucksstark und souverän gestaltete die junge Geigerin das Werk, gab den klingenden Reminiszenzen an osteuropäische (1. Satz) und orientalische (2. Satz) Musik großen Raum.

Die genussvollen Glissandi im unruhig drängenden 3. Satz ließen schmunzeln. Migdals Interpretation wirkte tief empfunden und dadurch mitreißend. Bei der anspruchsvollen "Sonate für Violine und Klavier A-Dur FWV 8" von César Franck zeigten sich An und Migdal als technisch versierte und musikalisch überzeugende Interpreten.

Anmutig und elegant klang Jonagdo Ans Klavierspiel, einfühlsam und wach im Zusammenspiel mit Liv Migdal, dabei immer um eigene Akzentsetzungen bemüht. Den jungen Musikern gelang eine von hörender Aufmerksamkeit geprägte Interpretation, mit einer faszinierenden Harmonie der Klangfarben auf ihren doch ganz unterschiedlichen Instrumenten.