Der teure Pfleger kommt mit dem Flieger

skk

Von skk

Sa, 23. Dezember 2017

Kreis Waldshut

Nach Kündigungen beschäftigt das Pflegeheim des Landkreises erstmals eine teure Honorarkraft.

KREIS WALDSHUT/JESTETTEN (hjh). Die Kündigung von Altenpflegepersonal, das in der nahen Schweiz weit besser bezahlt wird, ist in den Pflegeheimen am Hochrhein seit Jahren ein Thema. Die Beschäftigung von Honorarkräften, mangels angestelltem Personal, bereitet auch der Spitäler-Gesellschaft in Bad Säckingen und Waldshut-Tiengen große finanzielle Sorgen. Auch im Kreispflegeheim in Jestetten wird im nächsten Jahr die Rechnung höher ausfallen als zunächst veranschlagt. Nach weiteren Kündigungen im Herbst arbeitet das Heim erstmals mit einer (freiberuflichen und besser bezahlten) Honorarkraft, um die 85 Pflegebetten weiter belegen zu können. Der Wirtschaftsplan für das nächste Jahr wird sich auch deshalb auf 4,04 Millionen Euro im Aufwand erhöhen. Positiv berichtete Heimleiterin Diane Grönow dem Sozialausschuss des Kreistags, dass nach dem neuen Pflegestärkungsgesetz mit fünf Pflegegraden die Pflegesätze für das Heim erfolgreich neu verhandelt werden konnten. Der Landkreis wird 2018 271 000 Euro zuschießen müssen.
Die Beschäftigung der ersten Honorarkraft, eines Slowaken, der jeweils bei Bedarf herfliegt, doppelte Schichten arbeitet und für das Heim doppelt so teuer ist wie eine angestellte Pflegekraft, kritisierte Kreisrätin Sylvia Döbele. "Da wäre jeder andere blöd, der sich fest anstellen lässt", empörte sich die Sozialdemokratin. "Wir sollten diese Tür nicht aufmachen."

Das Heim hätte nach den Kündigungen als Alternative einen Aufnahmestopp verfügen müssen, begründete der fürs Personal zuständige Finanzdezernent Klaus Stein die "nicht ideale Situation". Die Rechnung könnte trotzdem aufgehen, wenn die Kostenträger bei vielen Bewohnern hohe Pflegegrade anerkennen würden.