Der Ton ist reine Schwingung, er hat keinen Kern

Susanne Ramm-Weber

Von Susanne Ramm-Weber

Fr, 04. Juli 2014

Ettenheim

Das Duo Christa und Gerald Schönfeldinger mit Glasharmonika und Verrophon in Altdorf beim Ettenheimer Musiksommer.

ETTENHEIM-ALTDORF. Zu einem Konzert von besonderer Rarität haben die Musikfreunde Ettenheim in die Kunsthalle Altdorf eingeladen. Aus Österreich kam das Duo Christa und Gerald Schönfeldinger, die das seltene Spiel auf Glasharmonika, Verrophon und Gläsern zu ihrem Beruf gemacht haben.

Zwischen den einzelnen Stücken gibt Christa Schönfeldinger Erläuterungen zum Instrument und seiner Geschichte. Der Klang der Glasharmonika ist einzigartig, der Ton ist reine Schwingung, er hat keinen Kern. Klänge wie Feenhaar breiten sich sphärisch in der Kunsthalle aus. Erzeugt werden sie von Glasschalen, die auf einer Walze der Größe nach ineinander gesteckt sind, jede Schale für einen Halbton, goldene Bänder markieren die Halbtöne wie die schwarzen Tasten einer Klaviatur. So ergibt sich eine konische Form, die über ein Pedal in Rotation versetzt wird. Mit den mit Wasser benetzten Fingern zaubert Christa Schönfeldinger streichend die luziden zerbrechlichen Klänge hervor. Das Verrophon hingegen ist im Klang etwas stumpfer, deutlicher. Zunächst klingt für Glasharmonika ein weiches, ruhiges Siciliano von Carl Röllig (1754 bis 1804), dann folgt die Gnossienne Nr. 1 von Erik Satie (1866 bis 1925) und Steirische Tänze mit einer humoristischen Note von Joseph Lanner (1801 bis 1843). Bei Mozart (1756 bis 1791) geht es meditativer zu, wie überhaupt der magisch-mystische Klangbereich durch die weiteren Stücke großes Gewicht erhält. Wenige schärfere Töne lassen sich in Henrik Wieniawskis (1835 bis 1880) "Kujawiak" hören. Auf einem Gläserspiel, das aus einem Nachlass in London stammt und zuletzt 1888 gespielt worden war, klingt ein Tanz von Mozart berückend schön, der Ton ist stärker gefasst und kristallklar. Eine "Träumerei" von Richard Strauss (1864 bis 1949) aus dem frühen Klavierwerk lässt an sanfte, breite Wellen denken, während die Isländischen Tänze von Jon Leifs (1899 bis 1968) im Klang kräftiger und rustikaler sind.

Gerald Schönfeldinger (geboren 1960) hat auch selbst komponiert: Aglaopheme – Die Glanzstimmige. Hier mischt sich die Stimme seiner Frau Christa passend in den Klang hinein, wie eine Mitteilung aus Himmeln ruft der Kuckuck dazwischen. Arvo Pärt (geboren 1935), der eigentlich keine Bearbeitungen seiner Werke erlaubt, habe per Telefon die Genehmigung für die Umschreibung von "Da pacem Domine" erteilt, ein Werk, in dem die Zeit eine wichtige Rolle spielt, im Grundklang leichte Verschiebungen, darüber ein wenig Bewegung. Frech und spielerisch endet der Konzertabend mit dem Lied des Kobolds Smartrold von Edvard Grieg (1843 bis 1907), dessen Troll irgendwie verschmitzt aus seinem Versteck hervorlugt. Für den begeisterten Applaus bedankt sich das Duo mit der Pink Panther – Melodie.