Der Wald hat sich positiv verändert

Reiner Beschorner

Von Reiner Beschorner

Mo, 10. September 2018

Seelbach

Doch Springkraut, Eschensterben und Klimawandel bereiten im Forst Sorgen .

SEELBACH (rb). Der Wald rund um Seelbach hat sich in den vergangenen zehn Jahren durch die Eigendynamik der Natur und eine Ressourcen schonende Bewirtschaftung positiv verändert. Diesen Eindruck vermittelte Revierförster Hans-Jörg Fries den Teilnehmern einer Waldexkursion. Allerdings bereiteten Erderwärmung, Borkenkäfer, Pilzbefall und Indisches Springkraut immer mehr Probleme.

Zum zehnten Mal lud die Gemeinde Seelbach Einwohner und Feriengäste zu einer Waldbegehung ein und stießt damit auf reges Interesse. Bürgermeister Thomas Schäfer und Hans-Jörg Fries vermittelten einer 15-köpfigen Gruppe zunächst einen Überblick über die aktuelle Situation im Gemeinde- und im Privatwald, der als Wirtschafts-, Erholungswald und Wasserspeicher wesentliche Aufgaben erfüllt.

Dessen heutige Struktur sei – wie überall im Schwarzwald – von Menschenhand gemacht und entspreche nicht mehr dem ursprünglichen Bild des Mischwaldes, so Fries, der in Lichtungen wie die durch einen Gewittersturm entstandene Windwurffläche beim Schützenhaus Fluch und Segen zugleich sieht.

Dem Verlust noch nicht schlagreifer Nadelholzstämme stehe die Möglichkeit entgegen, die Kahlflächen mit wertvollen Baumarten aufzuforsten, die gegen klimatischen Veränderungen besser gewappnet sind. Fries zeigte sich überzeugt, dass die Fichte aufgrund ihrer Hitze- und Trockenempfindlichkeit in 250 Jahren ganz aus dem Schwarzwald verschwunden sein wird. Weil die Kiefernarten zwar Trockenheit, nicht aber anhaltend hohe Temperaturen vertragen, und deshalb nicht als Baum der Zukunft gelten können, sollen Kahlflächen mit Eichen aufgeforstet werden. Diesen Bäumen wird bei den zu erwartenden Klimaveränderungen eine höhere Überlebenschance zugeordnet. "Außerdem haben die Eichen mit ihrer Pfahlwurzel mehr Stabilität und können dem dahinter stehenden, sturmgefährdeten Nadelholz als Schutz dienen."

Anhand von Naturverjüngungen – von alleine aufgegangene Sämlinge von Waldbäumen – konnte der Revierleiter auf den ehemaligen Kahlflächen in den Gewannen Selmen und Herdle diese Eigendynamik der Natur verdeutlichen. An anderen Stellen wurde durch Aufforstung von Menschenhand ein moderner Mischwald geschaffen, der sich in zehn Jahren ebenfalls prächtig entwickelte.

Förstern und Waldbesitzern zeichnen Eschentriebsterben und Indisches Springkraut steile Sorgenfalten auf die Stirn. Das Eschentriebsterben wird durch den aus Russland eingeschleppten Pilz "Falsches weißes Stengelbecherchen" verursacht und hat einen Verlust von 98 Prozent der Eschen zur Folge. Das Indische Springkraut wurde von Imkern als Bienenweide aus dem Himalaja eingeführt und vermehrt sich explosionsartig. "Beides hat sich zu Problemen entwickelt, die wohl nicht mehr in den Griff zu bekommen sind", sagte Fries. Schon jetzt nicht mehr zu übersehen seien die Schäden durch den starken Borkenkäferbefall infolge der Trockenheit.

Am Ende der Exkursion gab es Vesper aus der Küche von Mutter Natur, die Lisa Himmelsbach auf dem Haagseppenhof zubereitete.