Der Weg von Wien nach Bleibach war ihm nie zu weit

gb/go/fa.

Von Gabriele Babeck-Reinsch, Gerda Oswald & fa.

Fr, 07. September 2018

Gutach im Breisgau

IN MEMORIAM: Im 50. Jahr seiner Priesterweihe ist Pater Clemens Willi Wehrle mit 78 Jahren gestorben / Requiem am Sonntag.

GUTACH-BLEIBACH. Trauer, nicht nur in Bleibach: Im 50. Jahr seiner Priesterweihe ist Pater Clemens Willi Wehrle im Alter von 78 Jahren gestorben. Die Beisetzung erfolgte am vergangenen Montag in der Ordensgruft der Dominikaner in Wien. Heute, Freitag, 7. September, wird in Clemens Wehrles Bleibacher Heimatgemeinde in der Pfarrkirche St. Georg der Rosenkranz für den Verstorbenen gebetet und am kommenden Sonntag, 9. September, findet dort das Requiem statt.

"Er könnte ohne Weiteres auch ein eloquenter Wissenschaftler sein, wirkt auf Anhieb vertrauenswürdig, besonnen und klug, mit lebendigen Augen und ruhiger Gestik. Er ist jemand, der sich selbst zurücknehmen kann und sich für die Sorgen der Menschen Zeit nimmt", so beschrieb ihn in der BZ Gerda Oswald vor zehn Jahren, als Clemens Wehrle 40 Jahre Priester war und dieses Jubiläum natürlich auch im Heimatort feierte.

Clemens Wehrle ist in Bleibach geboren und aufgewachsen. Nach der Volksschule ging er aufs Gymnasium, erst in Waldkirch, dann in Freiburg (Keplergymnasium). Die Eltern sparten sich als einfache Leute das Geld für den Schulbesuch vom Mund ab. In Freiburg knüpfte er Kontakt zu den Dominikanern, die ihm bohrende Fragen beantworten können. Gleich nach dem Abitur 1960 folgte im Herbst der Eintritt als Novize beim Dominikanerorden, dann sechs Jahre Studium der Theologie, als ihn am Ende zeitweilig Zweifel befallen. Doch am 14. Dezember 1968 wird er zum Priester geweiht.

Schon zuvor geht er in den Dominikanerkonvent nach Wien. Dort ist Pater Clemens zunächst Religionslehrer, bis er 1972 als Kaplan nach München geschickt wird. Er hat Erfolg, ist beliebt und arbeitet mit Hingabe für die Menschen. Die Pfarrei blüht auf. 1984 kehrt er nach Wien zurück, begleitet als Magister die Studenten der süddeutsch-österreichischen Dominikanerprovinz und arbeitet parallel als Seelsorger mit jungen Menschen, die genauso von Fragen geplagt werden, wie er sie früher hatte. 1993 kehrt er abermals nach Wien zurück, wird Exerzitienleiter in Ausbildung. "Ich hatte endlich meine Berufung als Begleiter gefunden". Die Bibel ist für ihn nun endgültig das Buch der Liebe Gottes: "Das Evangelium ist eine frohe Botschaft, zu unserem Heil und Leben geschrieben. Es ist Tun und Tat, alles andere ist bloßes Reden."

Seinem Heimatort blieb er immer verbunden: "Die Beziehung zu Bleibach ist mir wichtig. Deshalb versuche ich, einmal im Jahr herzukommen, um mit der Bevölkerung Kontakt zu halten. In Bleibach ist mein Wurzelboden, den ich nicht verlieren möchte, auch wohnen dort meine Verwandten, bei denen ich gerne bin", sagt er einmal zu BZ-Mitarbeiter Günter Bank. In Bleibach spielte er vom 10. bis 18. Lebensjahr auch Trompete im Musikverein, wo sein Vater – der später sogar Bürgermeister wurde – Dirigent war. Nun trauern um Clemens Wehrle viele Freunde und Bekannte, voran seine Schwester Agnes mit Familie und Verwandten. Die 50-jährige Priesterweihe hat Pater Clemens nicht mehr erleben dürfen. Aber tröstlich, was er "seinen" Bleibachern, von der BZ befragt, 2011 wünschte: "Dass ihr Glaube lebendig bleibt. Glaube ist eine Sache des Herzens, nicht des Verstands. Und, dass sie den Boden unter den Füßen nicht verlieren, dazu Gesundheit und Frohsinn".