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02. Juli 2009
"A Gschichtl drucken"
BZ-INTERVIEW: Ernst Molden singt heute beim ZMF seine wienerisch-amerikanischen Lieder.
Seine Sprache ist Wienerisch, seine Musik amerikanisch: Mit einer fünfköpfigen Band kommt der Sänger und Gitarrist Ernst Molden heute zum Freiburger ZMF. Mit dabei hat er sein neues Album "Ohne di", das in Österreich schon gefeiert, bei uns zu Lande erst Ende des Jahres veröffentlicht wird. Mit Molden (Jahrgang 1967) sprach Thomas Steiner.
BZ: Ernst Molden, sprechen wir erstmal über Ihre Heimatstadt. Was ist für Sie das Schöne an Wien?Ernst Molden: Viele Wiener behaupten ja, an Wien zu leiden, ich glaub’s ihnen aber nicht. Wien hat von allen europäischen Städten, die ich kenne, die höchste Lebensqualität und den nettesten Stadtgroove auf seine Art. Ich habe ja befürchtet, wie der Eiserne Vorhang sich gehoben hat, dass eintrifft, was alle gesagt haben, dass wir im Zentrum liegen und unwahrscheinlich pulsieren werden. Gott sei Dank hat sich überhaupt nichts verändert. Der Grundpuls der Stadt ist langsamer als überall, dadurch kommt man zur Ruhe und zu anderen Dingen auch noch.
BZ: Und was ist das Hässliche an Wien?
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BZ: Auf Ihrer CD "Foan" haben Sie lauter wienerische Coverversionen von angloamerikanischen Liedern gesungen. Wünschen Sie sich manchmal, Wien läge in den USA?
Molden: Nein, um Gotteswillen! Es sind meine Lieblingslieder aus 30 Jahren Musikhören. Man sagt immer über mich, ich hätte das Wiener Lied neu erfunden, das stimmt ja nicht. Höchstens auf der neuen Platte der Sound der Knöpferlharmonika dockt da vielleicht a bisserl an. Aber was wir spielen ist Country-Rock und Folk.
BZ: "Foan" war Ihre erste CD im Wiener Dialekt, auf "Ohne di" singen Sie auch darin, warum vorher nicht?
Molden: Von der Ursprungsprägung bin ich ja Schriftsteller, ich habe vier Romane und drei andere Bücher geschrieben, und da habe ich dieses Schönsprechen mit in die Songs genommen. Ich habe fünf Alben im Wienerischen Hochdeutsch gemacht – das übrigens, das merke ich immer bei Tourneen, in Deutschland auch als Ethno empfunden wird. Aber bei den Coverversionen habe ich gemerkt, dass ich mich unwahrscheinlich leicht tue mit dem Wienerischen. Es hat viel mehr Vokale, es ist eine biegsamere Sprache, per se viel melodischer. Nach der Schwerarbeit mit dem Standarddeutschen habe ich mir diese Leichtigkeit genehmigt.
BZ: Sie haben auch mal als Journalist gearbeitet, eine Zeit lang sogar als Polizeireporter, hat das auf Ihr Song-Schreiben abgefärbt?
Molden: Ich würde das ein bisschen weiter fassen: Alle meine Tätigkeiten sind das, was man in Wien "a Gschichtl drucken" nennt, Geschichten erzählen, diesseits und jenseits der Wahrheit – und manche Geschichten verlangen nach der Tageszeitung, andere nach dem Song, wo ich die Sachen ins Surreale heben kann.
BZ: Sie haben Liebeslieder geschrieben wie "Nach dem Regen", aber auch Suizid-Lieder wie "Hotel". Gehören Liebe und Tod für Sie zusammen?
Molden: Nick Cave hat einmal eine Songwriter-Klasse geleitet in Wien, ich danke dem Herrgott heute noch, dass ich daran teilnehmen durfte. Von ihm habe ich gelernt, dass Liebeslieder nur gut sind, wenn sie ein Alzerl Trauer in sich tragen...
BZ: ... ein was...?
Molden: ...einen kleinen Bestandteil. Selbst wenn die Liebe perfekt ist, steht am Ende der Tod. Aber dadurch, dass man ihn mitdenkt, wird das Leben auch schöner.
BZ: Sie singen auch gerne Sommerlieder wie das wunderbare "Wiesenliegen", auf fast jeder Ihrer CDs gibt es eines.
Molden: Das ist die beste Jahreszeit, mein Gral. Der Sommer in Wien, der Sommer am Fluss, ist das Beste am Leben.
BZ: Dann gehen Sie auch, wie jetzt, am liebsten auf Tour?
Molden: Noch lieber gehe ich baden...
– ZMF, Spiegelzelt, heute, 22 Uhr.
Autor: tst
