Der Zugewandte

Alexander Dick

Von Alexander Dick

Sa, 13. Januar 2018

Klassik

Am Sonntag wird der Dirigent Mariss Jansons 75 Jahre alt.

Als Simon Rattle vor einiger Zeit gefragt wurde, welche Kollegen er ob ihrer Fachkompetenz besonders schätze, nannte er spontan und geradezu ergriffen den Namen Mariss Jansons. Das war kein Schmäh’... Jansons, der am 14. Januar 75 wird, gehört zu den wenigen Dirigenten, über deren Größe und Können absoluter Konsens besteht. Er, der aus einer lettischen Musikerfamilie stammt, hat wie viele Große seiner Zunft die Wiener Dirigierschule Hans Swarowskys durchlaufen und dort sein mustergültiges Handwerk erlernt. Nicht wenige sind überzeugt davon, dass der Ernst-von-Siemens-Musikpreisträger 2013 die beste Dirigiertechnik besitzt. Keine Garantie für Superlative, aber eine wichtige Voraussetzung. Musiker, die unter ihm gespielt haben, rühmen einhellig seine Zugewandtheit, seine unbedingte Verpflichtung der Musik gegenüber. Jansons gebe nicht nach, wenn es darum geht, seine Vorstellungen umzusetzen, er sei ein penibler Arbeiter. Aber kein Tyrann.

Genau aus dieser Mischung ist die Dirigentenlegende entstanden. Nach seinen Anfängen als Kapellmeister bei den damaligen Leningrader Philharmonikern hatte er 1979 bis 2000 seine erste Chefdirigentenposition bei den Osloer Philharmonikern inne; eine lange Phase, innerhalb derer Dirigent und Orchester sich an die Weltspitze spielten. Parallel dazu kamen erste Posten beim London Philharmonic, in Pittsburgh und schließlich 2003 beim Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks sowie zusätzlich 2004 beim Concertgebouw Orchester Amsterdam.

Die enorme körperliche Belastung blieb nicht ohne Folgen: Herzinfarkt und weitere Erkrankungen. Gesundheit ist Jansons somit zum Geburtstag besonders zu wünschen. Seine Geschenke an das Publikum haben gleichwohl etwas Überdauerndes: Interpretationen, die einem die Großen wie etwa Beethoven, Tschaikowsky, Brahms, Bruckner und Mahler immer wieder ganz neu nahegebracht haben.