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20. Dezember 2011 17:51 Uhr
Neu im Kino
Der zweite Sherlock-Holmes-Film von Guy Ritchie
"Sherlock Holmes – Spiel im Schatten" heißt der zweite Film von Regisseur Guy Ritchie um den britischen Meisterdetektiv des späten 19. Jahrhunderts. Am Donnerstag kommt er ins Kino.
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Ermitteln in Paris: Dr. Watson (Jude Law,l.), die mysteriöse Sim (Noomi Rapace) und Sherlock Holmes (Robert Downey Jr.) Foto: warner
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Mit Schrammen beim Empfang: Watson (Jude Law, l.) und Holmes (Robert Downey Jr.) Foto: Warner
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„Spiel im Schatten“ ist auch Actionkino. Foto: Warner
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Nach einem Bombenanschlag in Paris: Holmes (Robert Downey Jr.,l.), Sim (Noomi Rapace) und Watson (Jude Law) Foto: Warner
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Sherlock Holmes’ Gegenspieler: Professor James Moriarty (Jared Harris) Foto: Warner
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In Straßburg gedreht: Bombenanschlag auf das Münster Foto: Warner
1893 fuhr der britische Autor Arthur Conan Doyle mit seiner an Tuberkulose erkrankten Frau zur Kur in die Schweiz. Sie besichtigten dort den imposanten Reichenbachfall, eine 300 Meter hohe Wasserkaskade im Kanton Bern. Nach dem Besuch notierte Doyle in sein Tagebuch: "Killed Holmes". Er hatte den richtigen Schauplatz gefunden um Sherlock Holmes zu Tode kommen zu lassen, den Meisterdetektiv, den er sechs Jahre zuvor erfunden hatte und dessen literarischer Erfolg ihm lästig geworden war, weil er lieber historische Romane schreiben wollte. In der Story "Sein letztes Problem" ließ Doyle den Meisterdetektiv in den Reichenbachfall stürzen. Zusammen mit einem Meisterverbrecher, den er einzig dafür erfunden hatte, dass er Holmes beseitigt: Professor James Moriarty.
Auch in Guy Ritchies zweitem Sherlock-Holmes-Film heißt die Begegnung Holmes gegen Moriarty. Ähnlich wie Goldfinger gegen James Bond, Joker gegen Batman oder aktuell Kurt Hendricks gegen Ethan Hunt: der hinter allen möglichen Untaten steckende Verbrecher als Gegner des alles durchschauenden Verfolgers. Da schreibt sich die Story fast von selbst, bis zum Finale, in dem die Protagonisten sich gegenüberstehen. "Sein letztes Problem" war denn auch eine der schwächsten Detektivgeschichten von Arthur Conan Doyle. Guy Ritchies "Spiel im Schatten" ist dagegen der zweite grandiose Holmes-Streich des britischen Regisseurs. Er hat neben der Duell-Dramaturgie alles, was auch der erste Film hatte, und ist intelligentes Kinovergnügen.
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Da ist wieder die Beziehung Holmes- Watson, die der gute Doktor ja schon den ganzen ersten Film über beenden wollte. Dieses Mal nun heiratet er tatsächlich seine Mary. Doch als sie in die Flitterwochen fahren, taucht Holmes auf – und wirft die Braut aus dem Zug. Dann fordert er, verkleidet als Frau, Watson auch noch auf, sich zu ihm auf den Boden zu legen. Aber ein Schelm, wer dabei Arges denkt: Natürlich tut er das nur, weil gleich darauf Moriartys Schergen das Eisenbahnabteil mit dem Maschinengewehr zerlegen.
Moriarty ist im Original bei Doyle ein wegen dunkler Gerüchte gefeuerter Mathematikprofessor. Bei Guy Ritchie und seinen Drehbuchautoren Michele und Kieran Mulroney ist er noch in Amt und Würden – und zugleich verbrecherischer Investor. Er kauft eine deutsche Waffenfabrik und Firmen, die Verbandsmaterial herstellen. Mittels eines Attentats auf einen europäischen Herrscher will er einen Krieg auszulösen, um die Nachfrage für seine Produkte anzukurbeln.
Verwickelt in den Plan ist eine mysteriöse Roma, gespielt von der Schwedin Noomi Rapace, bekannt aus der "Millenium"-Trilogie nach Stieg Larsson. Sie ist eine von drei Schauspielerinnen, die Ritchie aktiv am Geschehen beteiligt. Rachel McAdams als die schöne Irene Adler wird leider von Moriarty (Jared Harris) beim Tee vergiftet. Dafür taucht Kelly Reilly als Mary Watson wieder auf, nachdem Holmes sie aus dem Zug geworfen hat – und hilft in London bei den Ermittlungen.
Ihr Mann und Holmes sind derweil unterwegs in Frankreich (wo Moriarty einen Bombenanschlag aufs Straßburger Münster verübt), in Deutschland und der Schweiz. Wie in Ritchies erstem Holmes-Film beeindruckt auch hier die digitale Erschaffung der Welt von damals: einer Welt im Wandel vom feudalen Glanz von Hotels und Opernhäusern hin zum rußigen Schmutz der Industrialisierung. Ritchies Film ist nostalgisches Kino, aber auch realistisches. In London wird die U-Bahn gebaut, in Deutschland entstehen Waffenschmieden.
Bei den Szenen dort kommen auch die neuen Maschinengewehre und Präszisionskanonen feuerspuckend zum Einsatz. "Spiel im Schatten" wird da zum Actionfilm. Zum Glück ist er aber auch wieder beste Komödie mit flotten Dialogen. Hier brillieren auch wieder die Hauptdarsteller: Robert Downey Jr. als überheblicher Holmes und Jude Law als dagegenhaltender Watson. Ein Dritter mischt sich aufs Süffisanteste ein: der britische Kultkomödiant Stephen Fry als Mycroft Holmes, Sherlocks Bruder.
Er ist Diplomat und schleust am Schluss Holmes und Watson in eine Gipfelkonferenz in den Schweizer Bergen ein. Dort kommt es zum Showdown mit Moriarty – und nochmal zum Einsatz jenes mit präzisem Geräuschdesign unterlegten Zeitlupen- und Zeitraffer-Kinos, mit dem Ritchie so beeindruckend zeigt, wie Holmes körperliche Auseinandersetzungen geistig vorwegnimmt. Dumm nur, dass auch sein Gegner das kann.
Schließlich sieht man Doktor Watson, der ja auch bei Arthur Conan Doyle der Ich-Erzähler ist, an seiner Schreibmaschine eben jene Geschichte "Sein letztes Problem" tippen. Zehn Jahre nach deren Veröffentlichung ließ Doyle übrigens seinen Helden wieder auferstehen. Der Ruf der Leser nach neuen Holmes-Geschichten war zu laut geworden, sein Verleger bot ihm fantastisches Honorar. Und auch Guy Ritchie wäre natürlich dumm, ließe er seinen erfolgreichen Detektiv im Wasserfall enden.
– "Sherlock Holmes – Spiel im Schatten" (Regie: Guy Ritchie) kommt am Donnerstag in die Kinos.
Autor: Thomas Steiner





