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09. Januar 2010 00:08 Uhr
Schweiz
Deutscher Filz und ausländische Ellbögler
Die Schweizer Volkspartei hat ein neues Opfer für ihren Populismus: Deutsche Professoren, die in der Schweiz lehren. Dies hat eine heftige Reaktion hervorgerufen.
ZÜRICH. Ein Drittel der Professoren an den Schweizer Universitäten stammt aus Deutschland. Für die Schweizer Volkspartei (SVP) in Zürich ist das zu viel. In einer Anzeige, vor Weihnachten in der "Neuen Zürcher Zeitung" (NZZ) veröffentlicht, prangerte sie den "deutschen Filz", und "ausländische Ellbögler" in Zürcher Hochschulen und Krankenhäusern an. Dies hat eine heftige Reaktion hervorgerufen.
Ebenfalls in einer ganzseitigen Anzeige in der NZZ warfen 200 Zürcher Professoren, darunter mit Dieter Imboden auch der Präsident des Nationalen Forschungsrats des Schweizerischen Nationalfonds, der SVP eine "rassistische und fremdenfeindliche Rhetorik, Ideologie und Politik" vor. Auch der Präsident der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich, Ralph Eichler, wehrt sich auf der Internetseite seiner Hochschule gegen die Attacke: Die weltoffene Haltung in der Berufungspolitik der Universitäten komme vor allem den Schweizer Studenten zugute.
Nach dem Erfolg in der Minarettfrage verspricht sich die Zürcher SVP offenbar auch im anstehenden Wahlkampf fürs kantonale Parlament viel von polemischen Zuspitzungen mit fremdenfeindlichen Unterton. Sie hat sich – unter anderem – die Zürcher Hochschulen vorgeknöpft, die sich ihrer international ausgerichteten Professorenschaft rühmen. Solche Angriffe sind nicht neu: Hochschulintern haben Schweizer Professoren in der Vergangenheit immer wieder beklagt, dass sie den Netzwerken ihrer internationalen Kollegen, insbesondere der aus dem nördlichen Nachbarland, unterlegen seien – in Berufungen und in der Finanzausstattung.
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In der Tat stellen die Einheimischen gerade mal die Hälfte der Professoren. In den vergangenen zwei Jahren sind zudem sehr viele Deutsche berufen worden: Fast 40 Prozent der Lehrstühle gingen im Jahr 2008 an sie, weit mehr als an Schweizer. Das liegt zum Teil daran, dass es an eigenem wissenschaftlichen Nachwuchs fehlt. Gerade die Zürcher Universitäten haben deshalb entschlossen auf Internationalität gesetzt. An der ETH beispielsweise kommen 60 Prozent der Doktoranden und Professoren aus dem Ausland. Selbst in Basel sind 40 Prozent der Professoren Deutsche. Zum anderen aber sind viele Schweizer Professoren, der gemeinsamen Sprache und des ähnlichen Hochschulsystems wegen, an deutschen Universitäten beschäftigt.
"Immer mehr ausländische Arroganz! Mut zur Schweiz": Unter dieser Überschrift hatte die SVP in ihrer Anzeige Wissenschaftler und Ärzte, kriminelle Ausländer und Sozialhilfebetrüger gleichsam in einen Topf geworfen.
ETH-Präsident Eichler spricht von einer Diffamierung seiner Professoren, die sich oft gerade deshalb für Zürich entschieden hätten, weil sie hier ein weltoffenes soziales und kulturelles Umfeld vorfänden. Eichler: "Die Schweiz, wirtschaftlich global vernetzt und seit jeher auf Wissen und Leistung aus dem Ausland angewiesen, braucht den Mut, dieses Klima auch in politisch angespannten Zeiten zu bewahren." Sein Kollege von der Universität Zürich, Andreas Fischer, betont, dass die Frage der Nationalität bei Berufungen bisher keine Rolle spiele, sondern lediglich die Kompetenz und Eignung der Bewerber.
Die SVP lassen die deutlichen Reaktionen auch Schweizer Hochschullehrer völlig kalt. Insbesondere die Gegenanzeige der 200 Professoren in der NZZ sei doch lediglich die letztlich unverständliche Reaktion einer elitären Klasse.
Autor: Wulf Rüskamp
