Düsseldorf

300 Polizisten vollziehen eine Razzia im Maghreb-Viertel

Johannes Nitschmann

Von Johannes Nitschmann

Mo, 18. Januar 2016 um 00:01 Uhr

Deutschland

Fast 300 Polizeibeamte sind im sogenannten Maghreb-Viertel in der Düsseldorfer Altstadt gegen Nordafrikaner vorgegangen. Die Bilanz: 18 Lokale gefilzt, 294 Personen überprüft und fast 40 Männer vorläufig festgenommen.

Fast 300 Polizeibeamte sind am frühen Samstagabend im sogenannten Maghreb-Viertel in der Düsseldorfer Altstadt gegen Nordafrikaner vorgegangen. Bei der Razzia wurden Sisha-Bars, Cafes und Spielcasinos großräumig umstellt. Nach sechs Stunden haben die Fahnder 18 Lokale gefilzt, 294 Personen überprüft und fast 40 Männer vorläufig festgenommen.

In diesem Viertel in der Nähe des Bahnhofs, das der Düsseldorfer Volksmund wegen der vielen nordafrikanischen Migranten "Klein-Marokko" nennt, vermutet die Polizei einen Rückzugsraum für Straftäter, die im Verdacht stehen, serienweise Taschen- und Gepäckdiebstähle, aber auch Einbrüche, Straßenraub- und Drogendelikte zu begehen. Nach der Kriminal-Statistik schlägt alle dreieinhalb Stunden ein Täter aus dem Maghreb-Viertel in der Landeshauptstadt zu.

Zwei Wochen nach den gewalttätigen Übergriffen in der Kölner Silvesternacht scheint der nordrhein-westfälischen Polizei ein gezielter Schlag gegen das nordafrikanische Diebesnetzwerk gelungen zu sein. Von den Festnahmen in Düsseldorf versprechen sich die Fahnder auch Erkenntnisse über die Gewaltexzesse in der Silvesternacht in Köln, erklärt Kriminaldirektor Frank Kubicki.

Tatsächlich hat die Polizei das Maghreb-Viertel seit Mitte 2014 im Visier. Insgesamt 2244 tatverdächtige Nordafrikaner wurden in den vergangenen anderthalb Jahren registriert, ihnen werden 4392 Strafdelikte zugeschrieben: vom Taschendiebstahl über Rauschgiftdelikte bis zur Körperverletzung. Dies geht aus dem 18-seitigen Dossier des Auswerte- und Analyseprojekts "Casablanca" hervor, das unserer Zeitung vorliegt. Die von der Staatsanwaltschaft Düsseldorf verfolgten Straftäter kommen sämtlich aus den Maghreb-Staaten: Ägypten, Algerien, Libyen, Marokko, Mauretanien und Tunesien. Häufig werden sie gleich aus der U-Haft einem Richter zugeführt und im "beschleunigten Verfahren" verurteilt.

Haupttatort der nordafrikanischen Szene ist die Düsseldorfer Altstadt. In der drangvollen Enge des Vergnügungsviertels seien beschwipste Personen das "ideale Opfer", berichtet Kubicki. Tanzend ("Antänzer") oder dribbelnd ("Ronaldo-Trick") näherten sich die Täter und zögen Altstadt-Besuchern Smartphones oder Geldbörsen aus ihrer Tasche. Ein Drittel der überführten Nordafrikaner gab an, in Düsseldorf wohnhaft zu sein, der Rest wohnt in Flüchtlingsunterkünften im Umland. Für besorgniserregend hält der Düsseldorfer Kriminaldirektor vor allem die zunehmende Gewalttätigkeit. Opfer würden genauso aggressiv angegriffen wie Polizeibeamte. "Die Gruppe erscheint insgesamt unverschämt und respektlos", so eine Kriminalbeamtin.

Auch die Kölner Polizei hat in der Taschendiebszene etwa 1800 Personen aus Nordafrika im Visier. Bei ihren Raubzügen seien die Täter oftmals mit Messern und Totschlägern bewaffnete, berichtet der Kölner Chefermittler Günther Korn. Die Täter seien Polizei-resistent."Bei dieser Klientel handele es sich um "moderne Nomaden", sagt Rechtsanwalt Ingo Lindemann, der einen Tatverdächtigen der Kölner Silvesternacht verteidigt. "Sie sind keine Kriegsflüchtlinge, sondern große Straßenkinder, die mit dem Flüchtlingsstrom durch Europa ziehen."