Bundeswehr

3500 Cyber-Angriffe pro Tag auf deutsche Streitkräfte

Bärbel Krauß

Von Bärbel Krauß

Di, 04. April 2017

Deutschland

Gefahren aus dem Internet machen der Bundeswehr zu schaffen / Cyber-Einheit tritt Dienst an.

BERLIN. Bedrohungen aus dem Internet und Personalsorgen: Das sind nach Auffassung des Verteidigungsministeriums aktuell die größten Problemfelder der Bundeswehr. Das erklärte Verteidigungsstaatssekretärin Katrin Suder bei einer Veranstaltung über Deutschlands Cyber-Sicherheit in Berlin.

Täglich würden etwa 3500 substanziellere Angriffe auf Rechner, Netze und die Infrastruktur der deutschen Streitkräfte registriert, sagte Suder. Hinzu kämen komplexe und länger andauernde Angriffe. In den ersten neun Wochen dieses Jahres hat allein die Truppe offenbar bereits 284 000 Angriffsversuche aus dem Netz registriert. Diese Zahlen nannte Generalleutnant Ludwig Leinhos, der Chef der neu aufgebauten Cyber-Einheit der Bundeswehr, die an diesem Mittwoch offiziell in Dienst gestellt wird.

Hacker- und Cyber-Angriffe auf öffentliche und private Computer und Netze gehören inzwischen zum Alltag. Experten gehen davon aus, dass es in Deutschland mehr als 62 Millionen Hackerangriffe pro Jahr gibt, davon neun Millionen der ernsthafteren Sorte. "Es ist keinerlei Science-Fiction mehr, sondern bittere Realität", erklärte Staatssekretärin Suder. "Wenn man Informationstechnologie, Digitalisierung, und damit eben auch deren Schutz hinkriegen will, muss man IT-Architektur aus einer Hand designen, sie zukunftssicher und festmachen und auch gegen Attacken schützen." Nach ihrer Einschätzung wird die Bundeswehr in diesem Bereich eine Vorreiterrolle einnehmen. Allerdings sind die deutschen Streitkräfte nicht die ersten in Europa, die eine eigene Truppe für die Cybersicherheit aufstellen. Laut Thomas Wrießnig, dem Vizepräsidenten der Bundesakademie für Sicherheitspolitik, haben Briten und Franzosen bereits solche Militäreinheiten auf den Weg gebracht.

Bisher konnte die Bundeswehr Attacken aus dem Internet offenbar gut abwehren. "Wir sind erstaunlich robust", sagte die Staatssekretärin, die Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) in ihr Haus geholt hat. "Ich bin darüber auch selbst überrascht, weil diese Gefährdungen mich wirklich nervös machen." Ein Hacker-Angriff, wie er im vergangenen Jahr auf den Bundestag erfolgt ist, ist nach ihren Worten auch bei der Bundeswehr probiert worden. "Aber das hat bei uns nicht geklappt." Dennoch bezeichnete die Staatssekretärin die Situation als ernst: "Wir sehen die ganze Bandbreite von Attacken, die im Cyber-Raum möglich sind."

Am Mittwoch wird das Kommando Cyber- und Informationsraum (CIR) mit einem Stab von 260 Mitarbeitern in Dienst gestellt. Bis zum 1. Juli werden ihm 13 500 bereits vorhandene Mitarbeiter der Bundeswehr unterstellt. Weil er weiter ausgebaut werden soll, sucht die Bundeswehr händeringend Fachpersonal.