Zulassungsänderung

Medizin und Politik reagieren erleichtert auf Karlsruher Entscheidung

Bärbel Krauß

Von Bärbel Krauß

Mi, 20. Dezember 2017

Deutschland

Die Entscheidung vom Karlsruher Verwaltungsgericht, gegen das aktuelle Zulassungsverfahren zum Medizinstudium, hat in vielen Bereichen von Politik und Medizin Erleichterung ausgelöst.

Baden-Württembergs Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) reagierte mit Gelassenheit auf den Richterspruch aus Karlsruhe. "Wir sehen uns bestärkt auf dem baden-württembergischen Weg, bei der Zulassung zu NC-Studiengängen, insbesondere zum Medizinstudium, nicht nur die Abiturnote heranzuziehen", teilte sie mit. "Unsere Hochschulen berücksichtigen bereits seit zehn Jahren bei der Zulassung verstärkt die fachliche Eignung der Bewerber anhand weiterer Kriterien, wie dem Medizinertest und einschlägiger praktischer Erfahrungen."

Erleichterung ist in der Reaktion der Kultusministerkonferenz ablesbar. Sie sieht "grundsätzlich den Numerus clausus mit dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Studienplatzvergabe für das Fach Humanmedizin bestätigt, in dem es feststellt, dass das Recht auf chancengleichen Zugang zum Hochschulstudium nur im Rahmen der tatsächlich bestehenden Ausbildungskapazitäten besteht". Änderungsbedarf habe Karlsruhe "nur im Detail" geltend gemacht. "Die Abiturdurchschnittsnote wird beim bundesweiten Auswahlverfahren als auch bei den Auswahlverfahren der Hochschulen als Eignungskriterium bestätigt."

Auch die Hochschulrektorenkonferenz äußerte sich zufrieden. "Das Urteil entspricht unserer in der Anhörung des Gerichts vorgetragenen Auffassung, dass die Abiturnote mit entsprechenden Landesquoten ein sachgerechtes Auswahlkriterium ist", sagte HRK-Chef Horst Hippler.

"Das Urteil ist eine Ohrfeige für die CDU-Minister Hermann Gröhe und Johanna Wanka", meint der SPD-Abgeordnete Hubertus Heil. "Erst im Frühjahr dieses Jahres haben sie ihren Masterplan Medizinstudium durchgeboxt und dabei die Chance vertan, die Studienzulassung zu reformieren." Heil forderte ein bundesweit einheitliches Zulassungsverfahren und gleiche Standards für die Eingangstests der Hochschulen.

Nicole Gohlke, Wissenschafts- und Hochschulpolitikerin der Linken, dagegen kritisiert, dass die Karlsruher Richter den Numerus clausus bestätigt haben: "Im Urteil heißt es ausdrücklich, dass angehende Studentinnen und Studenten nur ein Recht auf einen Studienplatz im Rahmen der bestehenden Ausbildungskapazitäten hätten." Dabei seien die unzureichenden Kapazitäten die wesentlichen Hürden, an denen die Aufnahme eines Studiums für viele Schulabgängerinnen und -abgänger scheitere.

Auch in der Medizin hat das Karlsruher Urteil überwiegend positive Reaktionen ausgelöst. Die Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland fühlt sich bestätigt. "Es ist höchste Zeit, endlich auch andere Kriterien neben der Abiturdurchschnittsnote zu berücksichtigen. Ortspräferenzen haben als Zulassungskriterium ausgedient", sagte Verbandsvizepräsidentin Isabel Molwitz. Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts berücksichtige, "dass es neben einer guten Note auch weitere und andere Faktoren gibt, die zeigen, ob ein Studienplatzbewerber auch ein guter Arzt sein könnte", erklärte auch der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen. Dem Präsidenten der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery zufolge, ist das Urteil das richtige politische Signal, "bei der schleppenden Umsetzung der Reform des Medizinstudiums endlich Tempo zu machen".