Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
08. Februar 2012
Online-Banking
Besser nicht mit dem Smartphone
Experten warnen: Wer mit dem Handy Bankgeschäfte tätigt, wird leicht Opfer von Betrügern.
BERLIN. Bankgeschäfte mit dem Handy sind offenbar nicht sonderlich sicher. "Derzeit würde ich nicht vom Smartphone aus Internetbanking praktizieren", warnt Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner. Die CSU-Politikerin sieht noch beträchtliche Lücken im Datenschutz bei den mobilen Geräten. Selbst der Chef des Branchenverbands Bitkom, Dieter Kempf, macht nach eigenen Angaben unterwegs allenfalls mit geringen Summen Geldtransfers.
Der Datenschutz bei der internetfähigen Handygeneration sorgt die Experten. Aigner sieht vor allem drei neue Probleme, die beim Surfen von zuhause aus nicht auftreten. Im Ministerium sind demnach zahlreiche Beschwerden über gar nicht gebuchte, aber in Rechnung gestellte Dienste eingegangen. Denn viele Hersteller von Smartphones erlauben es den Anbietern solcher Dienste, auf die Daten der Benutzer zurückzugreifen. So können sie gerechtfertigte oder vermeintliche Forderungen mit der Telefonrechnung eintreiben. Aigner fordert von der Industrie nun, dass die Datenweitergabe für Abrechnungen grundsätzlich gesperrt werden kann. Ein zweites Risiko sind die oft unverständlichen Geschäftsbedingungen und Datenschutzerklärungen. Mitunter bemerken die Nutzer gar nicht, dass sie gerade ein kostenpflichtiges Angebot annehmen. Das soll sich bald ändern. Ein neues Gesetz soll verlangen, dass entsprechende Dienste deutlich auf die damit verbundenen Kosten hinweisen und die Kunden den Vertrag ausdrücklich bestätigen müssen. Doch das Gesetz hängt derzeit im Vermittlungsausschuss von Bundestag und Bundesrat.Werbung
Schließlich ärgern die Ministerin die nach wie vor in Hinblick auf den Datenschutz lockeren Voreinstellungen der Hersteller und Diensteanbieter. Ein Beispiel dafür ist die Ortungsfunktion vieler Programme. Die Anbieter können auf diese Weise Bewegungsprofile der Nutzer erstellen. Die Funktion kann zwar deaktiviert werden, doch machen sich nur wenige Nutzer diese Mühe, zumal die Ortung mitunter sehr sinnvoll ist, etwa bei Navigationsprogrammen. So bringen auch kostenlose Offerten den dahinter stehenden Firmen etwas ein. "Sie zahlen für alles, was sie im Internet machen – im Zweifel mit ihren Daten", sagt Kempf. Denn die Informationen über einzelne Kunden sind bei den Werbetreibenden begehrt. Wie groß der Markt für die mobilen Dienste ist und welche Umsätze im Datenhandel erzielt werden, vermag der Verband nicht genau zu beziffern. Doch Smartphones sind auf dem Vormarsch. Fast jedes zweite in Deutschland verkaufte Handy ist internetfähig.
Bitkom erwartet im laufenden Jahr noch einmal einen Nachfrageschub von zehn Prozent. Der Verband wehrt sich gegen strengere Datenschutzregeln. Wenn Verbraucher grundsätzlich allen Programmschritten zustimmen müssten, würden die Dienste zu einem Hindernisparcour und unattraktiv, warnt Kempf. Aigner setzt dagegen auf europaweit einheitliche Regelungen. Denn momentan agieren große Anbieter wie Facebook aus Ländern heraus, deren Datenschutzrecht sehr locker ist. Facebook sitzt in Irland.
Die Verbraucher kennen die Missbrauchsgefahren mit ihren Daten. Trotzdem geben sie oft persönliche Informationen preis. Einer Bitkom-Umfrage zufolge haben vier von fünf Internetnutzer wenigstens einmal ein Profil im Netz erstellt. Meist offenbaren sich die Nutzer in sozialen Netzwerken. Aber auch bei Spieleanbietern oder in Singlebörsen werden häufig sensible Angaben hinterlassen.
Autor: Wolfgang Mulke
