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27. Juni 2012

Bischof rügt Caritas wegen Betreuungsgeld

Kritik sei "unangebracht".

BERLIN (KNA). Der Streit um das Betreuungsgeld erreicht jetzt auch die katholische Kirche. Wie die Bild-Zeitung am Dienstag berichtete, greift der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke den Deutschen Caritasverband wegen seiner kritischen Position zu der geplanten Familienleistung scharf an. "Ich finde es beschämend, dass ausgerechnet ein Verband der römisch-katholischen Kirche sich gegen eine wie auch immer geartete Anerkennung und damit Hochschätzung elterlicher Erziehungsleistungen ausspricht", zitiert Bild aus einem Brief Hankes an Caritas-Präsident Peter Neher. Die Caritas solle den Eindruck vermeiden, als Anwalt in eigener Sache aufzutreten und eigenes wirtschaftliches Interesse als Trägerin zahlreicher Kinderkrippen vor das Kindeswohl zu stellen.

Hanke betonte, die erzieherische Eigenverantwortung sei ein "unaufgebbares Prinzip unserer katholischen Soziallehre". Unterschiedliche Stellungnahmen innerhalb der katholischen Kirche dazu seien deshalb unangebracht. Es sei zudem durch Studien belegt, dass Kinder durch ein Leben in der Kinderkrippe möglicherweise psychische Störungen erlitten, die Auswirkungen auf ihr künftiges Leben haben könnten.

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Am Donnerstag zweiter Anlauf im Parlament

Neher hatte mehrfach erklärt, die Koppelung des Betreuungsgelds an die Nicht-Nutzung eines Kita-Platzes sei fragwürdig. Damit würden Familien benachteiligt, in denen aufgrund des geringeren Einkommens beide Eltern erwerbstätig sein müssten und die daher auf einen Kita-Platz angewiesen seien. Zudem bestehe die Gefahr, dass Eltern aus bildungsfernen Schichten ihre Kinder nicht in die Kitas schickten, wenn sie stattdessen 100 oder 150 Euro erhielten. Die Caritas sprach sich dafür aus, statt des Betreuungsgeldes das Elterngeld in Höhe des Sockelbetrags von 300 Euro auch nach dem ersten Lebensjahr des Kindes weiterzuzahlen und diese Leistung bei Hartz-IV-Empfängern nicht anzurechnen. Am Donnerstag nimmt der Gesetzentwurf zum Betreuungsgeld den zweiten Anlauf im Parlament. Vor zwei Wochen hatte die Opposition die umstrittene Regelung mit einem Verfahrenstrick blockiert.

Autor: kna