Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
07. November 2010 12:23 Uhr
Atommüll
Castor-Transport rollt weiter – erste Krawalle
Der Castor-Transport nähert sich seinem Ziel Dannenberg. Demonstranten konnten den Ablauf jedoch um mehrere Stunden verzögern. Allerdings ist es auch zu ersten Auseinandersetzungen gekommen.
Nach einem knapp zweistündigen Zwischenstopp in Lehrte bei Hannover rollt der Castor-Transport mit hoch radioaktivem Atommüll weiter in Richtung Wendland. Die vorab eingeplante Pause des Zuges, bei der am Sonntagvormittag Personal und Lokomotive ausgetauscht wurden, verlief nach Angaben der Polizei ohne Zwischenfälle. "Es war alles ruhig", sagte eine Sprecherin. Gegen 10.45 Uhr setzte der Zug seinen Weg nach Lüneburg fort. Von dort aus sollte er nach Dannenberg weiterfahren, wo die elf Castoren für die letzten 20 Kilometer ins Zwischenlager Gorleben auf Lastwagen verladen werden.
Entlang dieser Strecke kam es zu ersten Krawallen. Augenzeugen berichteten, dass Demonstranten ein panzerähnliches Räumfahrzeug der Polizei an dem Transportweg nahe Hitzacker an der Elbe mit Teer übergossen und anzündeten. "Die Situation ist noch nicht unter Kontrolle", sagte ein Polizeisprecher zur unübersichtlichen Lage im Wald bei Leitstade, wenige Kilometer vor der Umladestation in Dannenberg.
Gegen eine sogenannte "Schotter-Aktion" von Atomkraftgegnern war die Polizei westlich von Leitstade (Landkreis Lüchow-Dannenberg) vorgegangen. Auf einer Strecke von sechs Metern Länge hätten rund 250 Menschen die Steine aus den Gleisbetten entfernt, um den Transport zu behindern, sagte der Sprecher des Castor-Einsatzes der Polizei in Dannenberg, Markus Scharf. Die Polizei habe Schlagstöcke und Pfefferspray gegen die Gruppe angewendet. Die Aktivisten hätten ihrerseits die Polizeibeamten mit Signalmunition und Pyrotechnik angegriffen.
Werbung
Der Sprecher der Aktion "Castor Schottern", Christoph Kleine, gab an, dass die Polizei auch mit Tränengas und Wasserwerfern gegen die Aktivisten vorgegangen sei. Der ganze Wald rings um die Bahnstrecke sei "voll mit Tränengas eingenebelt" worden. Die Polizeiaktion sei eine "direkte Wiederholung der Ereignisse von Stuttgart", sagte Kleine mit Blick auf das harte Vorgehen der Polizei Ende September bei den Protesten gegen das Bahnhofsprojekt "Stuttgart 21", bei dem zahlreiche Demonstranten teilweise schwer verletzt worden waren.
Zu möglichen Verletzten in Leitstade lagen zunächst keine Angaben vor. Mit dem Unterhöhlen der am Sonntag nur für den Zug mit den Castor-Behältern freigegebenen Bahngleise wollen die Atomkraftgegner die Durchfahrt des Transports in Richtung Atommüllzwischenlager Gorleben verhindern.
- Erklär's mir: Was ist ein Castor?
- Atommüll: Proteste begleiten Castor-Transport
Autor: afp, dpa


