Ein Islam für Deutschland

Katja Bauer

Von Katja Bauer

Do, 29. November 2018

Deutschland

Der Bundesinnenminister fordert unabhängige Verbände / Kritik an der Nähe von Ditib zu Ankara.

BERLIN. Klare Worte und eine offene Debatte haben den Auftakt der 4. Deutschen Islamkonferenz am Mittwoch in Berlin geprägt. In einer Grundsatzrede umriss Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) seine Zielvorstellung eines hierzulande verwurzelten Islam, der "die Werte des Grundgesetzes teilt und die Lebensarten dieses Landes achtet". Als Formel benutzte der Innenminister die Formulierung eines "Islam in, aus und für Deutschland".

Seehofer richtete seinen Blick explizit auf die Flüchtlingsbewegung seit 2015. Dadurch sei die muslimische Bevölkerung stark gewachsen. Dies sei ein Grund, um über den Islam zu sprechen. Seehofer forderte die deutschen Islamverbände auf, sich von Geld und politischer Einflussnahme aus dem Ausland zu emanzipieren. Dies sei auch Voraussetzung für eine Kooperation mit dem deutschen Staat nach Religionsverfassungsrecht. Die Forderung nach hier ausgebildeten und nicht beispielsweise aus der Türkei entsandten Imamen mündete in einem ersten Konferenzergebnis. Seehofer machte klar, dass er zehn Jahre nach der Etablierung von universitärer theologischer Ausbildung hier die Moscheegemeinden und Verbände in der Pflicht sieht: "Das ist Eure Verantwortung. Warum dauert das so lange?"

Er forderte konkrete Schritte von dem mit auf dem Podium sitzenden Vorsitzenden des Zentralrats der Muslime, Ayman Mazyek innerhalb des kommenden Jahres. Nach einer etwas improvisierten Debatte wurde hieraus eine Abmachung: "24 Imame 2019", hielt Seehofer fest. Derzeit gibt es mehrere hundert deutschstämmige muslimische Theologen, die nach dem Studium nicht als Imame arbeiten können, weil die Praxisausbildung in Moscheegemeinden fehlt.

Eine zweite Hauptforderung ist die Einrichtung eines einheitlichen Ansprechpartners für den Staat nach dem Vorbild des Zentralrates der Juden, damit ein Dialog geführt werden könne. Die Frage eines in Deutschland heimischen Islams habe eine gesellschaftspolitische Dimension, so Seehofer. Es gehe um die Prävention von islamistischem Extremismus und Antisemitismus. In seiner Rede versuchte der Innenminister auch, sich von seiner harschen Aussage zu Beginn seiner Amtszeit zu lösen, als er mit dem Satz "Der Islam gehört nicht zu Deutschland" viele Muslime im Land verletzt hatte. "Muslime gehören zu Deutschland", sagte Seehofer. "Sie haben die gleichen Rechte und Pflichten wie alle anderen Bürger, daran kann wohl kein Zweifel bestehen."

Von einem "Experiment" sprach Seehofer mit Blick auf die neue Aufstellung der Islamkonferenz in dieser Legislaturperiode: Der Teilnehmerkreis ist dieses Mal breiter gefasst – nicht nur Verbandsvertreter kommen zu Wort, sondern auch bekanntere Einzelpersonen aus der muslimischen Zivilgesellschaft. Mit der Neuaufstellung wird der Kritik Rechnung getragen, dass die Verbände konservative Strömungen und nur einen Bruchteil der hier lebenden Muslime vertreten. Tatsächlich sorgte diese Neuausrichtung für eine überraschend offene kontroverse Debatte. So musste sich der Minister aus den Reihen der neu gegründeten Initiative Säkularer Islam die Frage gefallen lassen, weshalb die umstrittene, weil aus der Türkei finanzierte Vereinigung Ditib mit am Tisch sitze. Dies sei so entschieden worden "wissend, dass Pluralität anstrengend sein kann, aber den Dialog insgesamt am ehesten befördert", so Seehofer.