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23. Juni 2012
Bildungsstudie
Elternhaus bestimmt den Lernerfolg
Die Bildungsstudie warnt vor dem Betreuungsgeld und fordert die Konzentration auf den Ausbau der Kita-Plätze.
172,3 Milliarden Euro hat Deutschland im Jahr 2010 für Bildung ausgegeben, 2009 waren es noch 164,6 Milliarden. Die Investition lohnt sich: Der Bildungsbericht, der im Auftrag von Bund und Ländern von Wissenschaftlern unter Federführung des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische Forschung erstellt wurde, belegt viele Verbesserungen. Cornelia Quennet-Thielen, Staatssekretärin im Bildungsministerium, sagte, der Bericht belege "die hohe Priorität für Bildung in Deutschland und die deutlichen Verbesserungen".
Doch nicht alles ist bereits so wie gewünscht. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) forderte, die finanziell Schwächeren in der Gesellschaft besser zu fördern. Der Bildungsbericht zeige, dass "die Schere zwischen Bildungsgewinnern und Bildungsverlierern immer weiter auseinandergeht", sagte der GEW-Vorsitzende Ulrich Thöne. Der Präsident des Deutschen Studentenwerks, Dieter Timmermann, mahnte, der Bildungsweg eines Menschen hänge noch immer viel zu stark vom sozialen Hintergrund ab. Einige ausgewählte Ergebnisse des Berichts in der Übersicht:
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»Betreuungsgeld:
Das heikle Wort Betreuungsgeld kommt nur in einem, aber entscheidenden Satz des neuen Bildungsberichtes vor. Gewarnt wird, dass der Staat angesichts der noch nicht vollendeten Mammut-Aufgabe Kita-Ausbau sich nicht mit neuen Leistungen wie dem Betreuungsgeld finanziell übernehmen soll.
»Kitas:
Die Untersuchung ergab, dass Bund, Länder und Kommunen beim Ausbau der Kindertagesstätten für unter Dreijährige ihren Vorgaben weit hinterherhinken: Die Betreuungsquote beträgt derzeit etwa 25 Prozent, erreicht werden soll aber eine Quote von 35 Prozent. "Wir benötigen einen erheblichen Ausbau, damit der Rechtsanspruch auf Betreuung bis 2013 erfüllt werden kann", sagte Bildungsexperte Horst Weishaupt bei der Präsentation des Berichts. Die Studie ergab, dass nur 14 Prozent der Kinder aus Migrantenfamilien eine Kita besuchen. Sie unterstreicht besonders, dass mehr Kinder aus bildungsfernen Schichten in die Kita gehen sollen. Auch vor einem möglichen Mangel an qualifiziertem Personal für die Kleinkindbetreuung wird gewarnt.
»Kindergarten:
Obwohl die Teilnahme freiwillig ist, besuchen fast alle Kinder in Deutschland zwischen drei und sechs Jahren einen Kindergarten (94 Prozent). Auch Kinder mit Migrationshintergrund besuchen zu großen Teilen den Kindergarten.
»Förderschule:
Die Quote der Kinder, die bei der Einschulung direkt auf eine Förderschule geschickt werden – meist wegen Lernbehinderung – ist in Deutschland von drei Prozent (2003) auf 3,7 Prozent (2009) gestiegen, dann aber wieder auf 3,4 Prozent gefallen (2010). In Bayern und Baden-Württemberg sind dies sogar deutlich über vier Prozent. Obwohl sich der Anteil der früheren Sonderschüler in Integrationsklassen an normalen Schulen von 14 auf 29 Prozent verdoppelt hat, nimmt die Zahl der Schüler in separaten Förderschulen nur in wenigen Bundesländern ab.
»Schulabbrecher:
Die Zahl der Jugendlichen ohne Hauptschulabschluss ist von 7,4 Prozent (2008) auf 6,5 Prozent (2010) erneut gesunken.
»Lesekompetenz:
Trotz Verbesserungen können über 19 Prozent der 15-Jährigen nicht richtig lesen und Texte verstehen. Jugendliche mit Migrationshintergrund und mit niedrigem sozioökonomischem Status sind in dieser Gruppe besonders vertreten.
»Abitur:
Die Allgemeine Hochschulreife erwerben inzwischen 34 Prozent eines Jahrganges, die Fachhochschulreife 15 Prozent. 2006 waren dies erst 29,6 und 13,4 Prozent.
»Ausbildung:
Aufgrund des demografisch bedingten Rückgangs an Neubewerbern hat sich die Lage auf dem Ausbildungsmarkt entspannt. In einzelnen Branchen und Regionen gibt es große Nachwuchsengpässe. Allerdings gibt es in anderen Berufen weiterhin viele, die sich über Jahre bewerben. Es kommt zu langen Wartezeiten für viele Jugendliche ohne und mit Hauptschulabschluss. Der Bericht weist darauf hin, dass viele Vertragsauflösungen ein systemisches Problem signalisieren: Ausbildungsangebot und individuelle Anforderung passen oft nicht zusammen.
»Studium:
Über 515 000 junge Menschen starteten 2011 ins Studium. Ab 2015 wird mit einem leichten Rückgang gerechnet. Dann ist der Effekt der doppelten Abiturientenjahrgänge vorbei. Laut Prognose bleiben die Anfängerzahlen aber auf hohem Niveau. Die hohe Studienabbruchquote bleibt ein Problem des Hochschulsystems. Insbesondere in den ingenieur- und naturwissenschaftlichen Studiengängen ist sie sehr hoch. Die Studenten kritisieren vor allem die Studienorganisation.
»Kinder mit weniger Chancen:
Der schulische Lernerfolg eines Kindes ist weiterhin eng mit der Situation im Elternhaus verknüpft. 29 Prozent aller Kinder und Jugendlichen wachsen in einer Familie mit sogenannter Risikolage auf: Dazu zählen Bildungsferne der Eltern, Einkommen unter der Armutsgrenze oder dass kein Elternteil berufstätig ist. Von allen drei Risikolagen sind drei Prozent der Heranwachsenden betroffen. Allerdings gibt es dabei deutliche Unterschiede zwischen den Bundesländern (siehe Grafik).
»Migranten:
Der Anteil junger Menschen mit Migrationshintergrund nimmt stetig zu: Unter den 24-Jährigen sind es 23 Prozent, bei den Unter-Einjährigen bereits 35 Prozent.
»Entwicklung des Bildungsniveaus:
Von den 30- bis 35-Jährigen verfügen 41 Prozent über die Hochschulreife, von den 60- bis 65-Jährigen nur 20 Prozent. Die Erhöhung des Bildungsniveaus ist vornehmlich auf die Erfolge der Frauen zurückzuführen. Die 30- bis 35-jährigen Frauen weisen inzwischen mit 23 Prozent etwas häufiger einen Hochschulabschluss auf als Männer (22 Prozent).
»Bildungsertrag:
Die Erwerbsquote steigt bei höherem Abschluss, ebenso der Lohn. Das Risiko der Arbeitslosigkeit sinkt. Die meisten Hochschulabsolventen finden anschließend problemlos eine Anstellung.
Autor: Ines Fuchs und unseren Agenturen



