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10. Januar 2013

Es geht auch anders

Die Aufarbeitung von Missbrauch im Kloster Ettal funktioniert / Das Erzbistum München-Freising unterstützte die Aufklärung.

  1. Das Kloster Ettal Foto: dpa

"Wolfgang F. nimmt sich das Leben." Der Eintrag auf der Internetseite des Vereins "Ettaler Misshandlungs- und Missbrauchsopfer" ist vom 4. Oktober 2012. F. war demnach ein anerkanntes Opfer, das durch das Publikwerden der unseligen Vergangenheit des Klosters Anfang 2010 erneut traumatisiert wurde. Solche Nachrichten sind Rückschläge in der Aufarbeitung des Skandals in der oberbayerischen Benediktinerabtei. Doch insgesamt gilt das Vorgehen des Ordens als gelungenes Beispiel im Umgang mit einer heiklen Problematik.

"Abt Barnabas Bögle hat sich dem Aufklärungskurs verschrieben und zieht ihn durch", sagt Opfervereins-Vorsitzender Robert Köhler. Köhler sorgte mit dafür, dass man mit dem Missbrauch an ihm und seinen Leidensgenossen heute mehr verbindet als nur Zahlen. Nach Bekanntwerden der jahrzehntelang anhaltenden Übergriffe in Internat und Schule der Abtei gründeten die Betroffenen einen Verein. Ein zäher, aber erfolgreicher Kampf um Anerkennung begann. Zwei Jahre, die zu Lasten der Familie gingen, so Köhler.

In der Anfangsphase war es das Erzbistum München-Freising, das die Ettaler Benediktiner geradezu nötigte, die Vorwürfe aufzuklären. Die Schicksale der Opfer trug im Februar 2010 ein von der Erzdiözese eingesetzter Sonderermittler zusammen, dann beschäftigte sich ein weiterer Jurist mit den Fällen. Im November 2010 holte das Kloster Hans-Joachim Jentsch. Der Ex-Bundesverfassungsrichter sollte die Aufklärungsarbeit erneut überprüfen. Der Opferverein reagierte anfänglich verhalten. Doch der damals 73-jährige Jurist gewann das Vertrauen beider Seiten.

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Die Benediktiner stimmten einem Täter-Opfer-Ausgleich zu, Mediatoren wurden eingeschaltet. Es gab Entschädigungszahlungen, insgesamt 700 000 Euro an 70 Betroffene. Auch die wissenschaftliche Aufarbeitung war ein Wunsch der Opfer. Das Kloster stimmte zu, erteilte dem Institut für Praxisforschung und Projektberatung (IPP) in München den Auftrag und ließ auf seine Kosten forschen. Der Opferverein hatte das IPP ausgesucht. Zwei Jahre lang, bis Oktober 2012, dauerte die empirische Arbeit, sagt IPP-Geschäftsführer Florian Straus. Der promovierte Sozialpsychologe sagt, es habe viel Zeit gebraucht, um Vertrauen aufzubauen. Die Kooperation von Opferverein und Kloster sei stets gegeben gewesen. Angeforderte Unterlagen wurden zur Verfügung gestellt, wie Straus betont.

Die Frage nach den Personalakten stellte sich jedoch im Gegensatz zu der geplanten Studie der Bischofskonferenz nicht, erläutert Köhler. Schließlich seien die Täter bekannt.

Ende März sollen die Endergebnisse der externen Studie vorliegen. Sowohl Kloster als auch Opferverein dürften dann noch Anmerkungen machen, berichtet Köhler. Die Erkenntnisse sollen in das Präventionskonzept der Benediktiner einfließen. Bleibt die Frage, ob der Bericht veröffentlicht wird. Für den Verein gibt es nur eine Antwort: Ja.

Autor: KNA