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07. Oktober 2010

Mobbing gegen deutsche Schüler in Berlin

Lehrer warnen: Kinder aus muslimischen Familien in Berlin feinden Lehrer und Mitschüler an. Nun will das Landesparlament das Thema aufgreifen.

  1. Nicht immer eine harmonische Einheit: Schüler in Berlin Foto: ddp

BERLIN. Die Berliner Schulverwaltung will mit Hilfe einer Statistik klären, ob deutsche Schüler an den Schulen der Stadt systematisch angefeindet werden. Die CDU-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus schlägt vor, das Thema heute in einer Aktuellen Stunde des Landesparlaments aufzugreifen.

Die Schulbehörde wie die CDU reagieren damit auf eine Debatte, die zwei Lehrkräfte einer Kreuzberger Gesamtschule angestoßen haben. Sie schildern in einem Artikel für die Mitgliederzeitung der Lehrergewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), dass sich unter vielen Schülern mit Migrationshintergrund eine Art von Deutschenfeindlichkeit verstärke: "Viele deutsche SchülerInnen empfinden sich als eine abgelehnte, provozierte, diskriminierte Minderheit..." In den Klassen komme es immer wieder zu Konflikten: Namen werden verballhornt, Schüler bedroht und gemobbt. "Deutschsprachige SchülerInnen werden durch die gezielte Benutzung des Türkischen in Gesprächen ausgeschlossen."

Für die Zunahme dieser Deutschenfeindlichkeit, so die Autoren, gebe es ein ganzes Bündel möglicher Gründe. So dürfte es sich "um die Rückgabe erlebter Vorurteile und erlittener Diskriminierungen" handeln. Auch seien viele nichtdeutsche Jugendliche frustriert, weil sie um ihre schlechten Berufschancen wüssten. Gleichzeitig stammten sie häufig, so die Analyse der Pädagogen, aus äußerst konservativen Familien, in denen es oft ein problematisches Deutschenbild gebe: "Vielfach werden Deutsche verachtet und das Land nur als Beutegesellschaft betrachtet, eine Integration abgelehnt."

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Aus Sicht der beiden Lehrkräfte ist Deutschenfeindlichkeit keine Wesenseigenschaft von Muslimen, Türken oder Arabern, sondern vielmehr eine Folge sozialer Bedingungen. Allerdings sprechen sie auch von einem "Kulturkonflikt zwischen westlichen und aus dem traditionellen Islam herrührenden Vorstellungen". Er sei mit eine Ursache dafür, dass es in der Hauptstadt "ethnisch segregierte Gebiete" gebe, also Bezirke mit sehr hohem Zuwandereranteil. Dass sich in Berlin eine Debatte über Deutschenfeindlichkeit an Schulen entzündet hat, ist aus Sicht des Bürgermeisters von Neukölln, Heinz Buschkowsky (SPD), nur zu begrüßen. Es sei wichtig, die vorhandene Ablehnung der deutschen Gesellschaft als Faktum zur Kenntnis zu nehmen. Diese Entwicklungen hätten sich zudem zuletzt verstärkt: "Es brodelt unter den Lehrern inzwischen wohl derart, dass selbst die GEW es nicht mehr unter der Decke halten kann."

Buschkowsky, der durch seine Wortbeiträge zum Thema Integrationspolitik bundesweit bekannt geworden ist, führt die Deutschenfeindlichkeit auf Bildungsferne und islamischen Fundamentalismus zurück. Es gebe muslimische Eltern, die ihre Kinder aufforderten, "sich von den Deutschen fernzuhalten, weil die ganze Gesellschaft sündig sei". Außerdem existierten immer mehr Koranschulen an Moscheen und in Hinterzimmern, in denen Kinder gedrillt würden: "Ich vermute schon, dass sich 20 bis 30 Prozent der muslimischen Migranten in Distanz zu Demokratie und Toleranz befinden." Sie pflegten fundamentalistisches Gedankengut und täten westliche Lebensart als Sünde ab. "Das ist durchaus ein kulturell-muslimisches Problem."

Der SPD-Politiker verlangt, dass muslimische Eltern ihre Kinder im Sinne unserer Werteordnung erziehen: "Wenn sie das nicht tun, muss der Staat an ihre Stelle treten – in Gestalt von Kinderkrippen, Kindergärten und Ganztagesschulen."

Autor: Bernhard Walker