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09. Dezember 2016 17:20 Uhr

Gesichtserkennung

Offenburger Spielcasino kontrolliert mit Face-Check

Jugendschutz und Zutrittskontrolle: Die Offenburger Casino Merkur Spielothek arbeitet jetzt mit Gesichtserkennung. Gesperrte und zu junge Spieler werden vom Glücksspiel ausgeschlossen.

  1. Rot, gelb oder grün? Mario Hoffmeister und David Schnabel wissen jetzt besser, wer ihre Spielothek in Offenburg betritt. Foto: Christoph Breithaupt

Die Offenburger Casino Merkur Spielothek ist eine Automatenspielhalle. Hier können sich die Besucher selbst beim Betreten des Casinos beobachten. Ein Monitor im Eingangsbereich liefert um drei Sekunden zeitversetzte Bilder des Gastes. Er ist durch ein blinkendes Ampelsystem, das im Takt von Rot auf Gelb auf Grün und wieder auf Rot springt, erkennbar gemacht und nicht zu übersehen.

Face-Check (Gesichtsprüfung) nennt sich dieses Kontrollsystem. Entwickelt wurde es von der Dresdner Firma Cognitec GmbH, Weltmarktführer in Sachen Gesichtserkennungssysteme, und dem Spielothekenbetreiber Gauselmann AG mit Sitz in Nordrhein-Westfalen. Gauselmann betreibt deutschlandweit 260 Spielotheken, davon 18 in Baden-Württemberg. Hintergrund für die Einführung einer derartigen Kontrolle ist eine Novelle des Landesglücksspielgesetzes vom Herbst 2015. Es verpflichtet Spielhallenbetreiber, gesperrte Spieler vom Glücksspiel auszuschließen.

Die erfassten Gesichtsdaten werden nach 30 Sekunden wieder gelöscht

Bei den Casino Merkur Spielotheken in Baden-Württemberg sind derzeit 161 gesperrte Spieler gemeldet, sagen Mario Hoffmeister, Prokurist bei der Gauselmann AG, und der Spielerschutzbeauftragten der Firma, David Schnabel. Eine Sperrung erfolgt dabei immer auf persönlichen Antrag, der Grund ist in der Regel eine Suchtgefährdung. Betritt eine dieser Personen nun beispielsweise die Offenburger Spielothek, springt die Ampel auf den mobilen Endgeräten des dortigen Personals auf Rot. Die betreffende Person wird angesprochen, notfalls werden die Daten erneut abgeglichen. Handelt es sich tatsächlich um den gesperrten Spieler, wird der Gast des Hauses verwiesen.

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Der Datenschutzbeauftragte des Landes Nordrhein-Westfalen hat Face-Check die Zustimmung erteilt. Das System muss in dem Bundesland geprüft werden, in dem der Hauptgeschäftssitz des Betreibers liegt. Das Prüfungsergebnis für Baden-Württemberg steht noch aus. "Wir erwarten einen positiven Bescheid", sagt Hoffmeister. Seine Gründe: Diese Art der Zutrittskontrolle sei für das Personal wenig aufwändig, es behellige nicht die zutrittsberechtigten Kunden und gehe sparsam mit Daten um. So würden die erfassten Gesichtsdaten nach Ablauf von 30 Sekunden wieder gelöscht. Die Gesichtserkennungsdaten der gesperrten Personen seien zwar im System hinterlegt, jedoch auf eine Weise, die das optische Bild nicht rekonstruierbar mache. Dass Fotos dieser Personen etwa nach einem Hackerangriff dem System entnommen und veröffentlicht werden, hält Hoffmeister deshalb für ausgeschlossen. Er verweist hier auf das technische Know-how der Cognitec GmbH, deren Systeme unter anderem auch auf Flughäfen eingesetzt werden.

Auch auf Spielautomaten soll das System funktionieren

Auch beim Jugendschutz lässt sich Face-Check einsetzen. Jugendlichen unter 18 Jahren ist der Zutritt zu Casinos verboten. Anhand der biometrischen Gesichtsdaten lasse sich auch das Alter einer Person einschätzen, sagt David Schnabel. Dabei kann das System die Gesichter nur Altersgruppen zuordnen; zum Beispiel von 14 bis 17 Jahren, von 15 bis 18 Jahren und so weiter. Die Grenze liegt bei der Altersgruppe 23 bis 25 Jahren. Bis zu diesem Alter werden die Personen dann überprüft: Die mobilen Endgeräte an der Theke respektive auf dem Serviertablett des Personals zeigen dann die Farbe "gelb" an und die Gäste müssen ihren Ausweis vorzeigen.

Die Gauselmann AG will dieses System jetzt in allen ihren Spielotheken bundesweit einführen. Das Unternehmen will es gegen eine Entwicklungsgebühr mit anderen Spielothekenbetreibern teilen. Somit würde ein gesperrter Spieler automatisch in allen Spielotheken Baden-Württembergs und irgendwann sogar in ganz Deutschland vom Betreten dieser Häuser ausgeschlossen sein.

Noch dazu soll Face-Check auch auf Spielautomaten in Gaststätten übertragen werden. Eine in das Geräte installierte Kamera soll nicht spielberechtigte Spieler automatisch vom Spiel ausschließen, indem das Gerät sich sperrt. Diejenigen, die aus Altersgründen überprüft werden, müssen ihren Ausweis zudem durch einen Scanner am Spielgerät ziehen. Damit man nicht den Ausweis des älteren Bruders scannt, wird das Gesicht des Spieler noch einmal kontrolliert. Diese Entwicklung, auch in Zusammenarbeit mit Cognitec, ist weit vorangeschritten. In absehbarer Zeit sollen die Geräte dem TÜV zur Prüfung vorgelegt werden.

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Autor: Robert Ullmann