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02. September 2013 13:49 Uhr

TV-Duell

Pkw-Maut spaltet CDU/CSU – Spott von der SPD

Kräftemessen zwischen CDU und CSU mitten im Wahlkampf: Kanzlerin Angela Merkel lehnte im TV-Duell eine Pkw-Maut kategorisch ab, CSU-Chef Seehofer besteht darauf – und die SPD spottet.

Am Tag nach dem TV-Duell waren Union und SPD darum bemüht, den Sieg für sich zu beanspruchen. Die Umfragen ergaben nach der 90-minütigen Redeschlacht jedoch keinen klaren Gewinner oder Verlierer. Auch die meisten Zeitungskommentare urteilten: unentschieden. Für reichlich Diskussionsstoff sorgte am Montag die klare Absage von Kanzlerin Angela Merkel an die Pläne von CSU-Chef Horst Seehofer, eine Pkw-Maut für Ausländer einzuführen. Dieser hatte für diesen Fall gar ein "Nein" zu einem gemeinsamen Koalitionsvertrag angekündigt. Führende CDU-Mitglieder rechneten am Montag in Berlin aber nicht damit, dass Seehofer eine gemeinsame Koalition ablehnen könnte.

CDU-Chefin Merkel hatte im TV-Duell mit SPD-Herausforderer Peer Steinbrück am Sonntagabend erklärt: "Mit mir wird es keine Pkw-Maut geben." Zuvor hatte SPD-Herausforderer Peer Steinbrück darauf hingewiesen, das eine, wie von Seehofer vorgeschlagene Pkw-Maut nur für Ausländer sei nach europäischem Recht gar nicht möglich sei.

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Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) bleibt trotzdem bei seinen Plänen, Ausländer künftig zur Kasse zu bitten. Wenn der Bund weder neue Schulden machen noch Steuern erhöhen wolle, sei das die einzige Lösung, sagte Seehofer im bayerischen Abensberg. Über Merkel sagte er: "Wir arbeiten sehr gut zusammen, und so wird’s bei der Maut auch laufen. Seien Sie unbesorgt."

FDP stellt sich hinter Merkel

Vor einigen Wochen hatte Seehofer hingegen klar gestellt, dass er als CSU-Vorsitzender nur einen Koalitionsvertrag unterschreiben werde, in dem die Einführung der Pkw-Maut für ausländische Autofahrer steht. Für deutsche Autofahrer solle die Maut mit der Kfz-Steuer abgegolten sein. Über Merkels Absage an die Pkw-Maut spottete SPD-Parteichef Sigmar Gabriel: "Selten hat jemand eine Koalition so eindeutig ausgeschlossen wie die beiden."
FDP-Spitzenkandidat Rainer Brüderle stellte sich hinter die Kanzlerin. "Der deutsche Autofahrer ist schon die Melkkuh der Nation. Da noch draufzusatteln, das ist nicht realistisch", sagte er im ZDF. Eine Pkw-Maut nur für Ausländer sei europarechtlich höchst bedenklich. Die Differenzen mit der CSU seien aber "Petitessen".

Diskussionen um Stefan Raab

Am Fernseher wurde die Debatte von mehr als 17,6 Millionen Zuschauern verfolgt. Damit sah sich jeder Zweite, der am Sonntagabend vor dem Bildschirm saß, Merkel und Steinbrück an. Die höchste Quote erzielte das Erste, wo nach Senderangaben 10,1 Millionen Zuschauer das Duell sahen.

Der Sender ProSieben, der den Moderator Stefan Raab für das Duell abgestellt hatte, verwies darauf, dass insgesamt 1,8 Millionen Zuschauer unter 30 Jahren das Duell eingeschaltet hätten. Am Tag danach spaltet die Diskussion um die Leistung des Entertainers beim TV-Duell die Fernsehnation. Der Novize im Moderatoren-Quartett brachte etwas Leben in die Bude, wenngleich der ProSieben-Entertainer die starren Regeln der Redeschlacht auch nicht sprengen konnte.

"Er war DIE Überraschung des TV-Duells!", urteilte zum Beispiel "Bild.de". "Mit Anne Will bildete Raab das präsentere Moderatorenduo", kommentierte die "Süddeutsche.de". Zwar sei es nett, wenn Journalisten mit frechen Fragen glänzten, meinte "Spiegel Online". "Und streckenweise sogar lustig, Stefan Raab in einer ungewohnten Rolle zu sehen. Doch ein TV-Duell soll nicht nett und lustig sein. Es kann für die Zuschauer nur einen einzigen Zweck haben: Es soll ihnen helfen, sich zu entscheiden, wen sie wählen wollen."
"Das Format konnte er aber selbstverständlich ebensowenig prägen wie sprengen", ananalysierte der Medienwissenschaftler und frühere Leiter des Grimme-Instituts, Bernd Gäbler gleich nach der Sendung. "Auch ihm gelang es nicht, den Disputierenden auch nur eine einzige überraschende Antwort zu entlocken. Der Super-Polit-Journalist der Zukunft ist er sicher nicht." Raabs Kollegen Will, Illner und Kloeppel ging es jedoch auch nicht besser. "Das absurde Missverhältnis von 4 Fragenden zu 2 Antwortenden wurde im diesjährigen TV-Duell besonders deutlich", so Gäbler.

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Autor: dpa