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23. Februar 2012
Vilshofen
Politischer Aschermittwoch: SPD träumt von der Macht
So viel Optimismus war selten bei der SPD am Aschermittwoch – und so viele Besucher gab es nie: Mit 3500 SPD-Fans kamen zu Gabriel, Ude & Co. fast so viele wie zur CSU. Die Ansage ist klar.
Früher fanden mal 500, mal 800 Besucher den Weg in den Wolferstetter Keller. Diesmal hat die Parteispitze ein großes weiß-blaues Zelt auf dem Volksfestplatz angemietet, nahe der Donau. Erst war es für 2000 Besucher geplant, dann wurde es für 3000 erweitert – schließlich fanden gar 3500 Platz. Viel mehr dürften es bei der CSU im nahen Passau auch nicht gewesen sein. Die neue Hoffnung der Bayern-SPD hat einen Namen. Er ist auf Bierdeckel gedruckt. Und er steht auf einem Plakat der SPD Main-Spessart: "Ude muss in die Bude." Gemeint sind die bayerische Staatskanzlei und der SPD-Spitzenkandidat Christian Ude, derzeit noch Oberbürgermeister von München.
Zumindest die Besucher in Vilshofen werden nicht enttäuscht. Hunderte rote SPD-Fähnchen werden geschwenkt, als die Parteiprominenz einmarschiert – neben dem 64-jährigen Ude auch der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel sowie Landeschef Florian Pronold. "Auf geht’s", ruft Generalsekretärin Natascha Kohnen, sie hat durchaus Einheizer-Qualitäten. Florian Pronold wiederum gibt die sozialdemokratische Grundmelodie für den Wahlkampf bis zur Landtagswahl im Herbst 2013 vor: "Bayern ist zu schön, um es der CSU zu überlassen." Und: "Wir sind die Bayern-Partei von morgen."
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Hohn und Spott ernten die Christsozialen für ihre Entscheidung, den einstigen Regierungschef Edmund Stoiber als zweiten Hauptredner für ihre Veranstaltung auszugraben, wie das Pronold nennt. SPD-Chef Gabriel – wohlwissend, dass sich der bayerische Ministerpräsident als amtierendes Staatsoberhaupt nach dem Wulff-Rücktritt rhetorisch zurückhalten muss – behauptet, einen ganz anderen Grund zu kennen: "Der Seehofer scheut doch das direkte Aschermittwochsduell mit Christian Ude."
Der SPD-Herausforderer selbst wird stehend und frenetisch beklatscht. Im dunkelgrauen Janker betritt er die Bühne, sagt, dass er schon seit 45 Jahren für die SPD aktiv ist: "Aber eine solche Veranstaltung habe ich noch nie erlebt". Er mokiert sich über die CSU, die in Passau die SPD als Scherbenhaufen bezeichnet hat und lacht: "Das ist der schönste Scherbenhaufen, den es gibt."
Für das OB-Amt kann er aus Altersgründen nicht mehr antreten, nun kommt er als Retter, als Grandseigneur in die Landespolitik. Die bayerische Opposition will bei der kommenden Wahl im Herbst 2013 die schwarz-gelbe Regierung kippen, mit einem Bündnis aus SPD, Grünen und den Freien Wählern (FW). Die neueste Umfrage von Infratest-Dimap sieht die CSU bei 44 Prozent, die FDP bei zwei und das Oppositionsbündnis bei 43 Prozent (SPD: 21, Grüne: 14, FW: 8). Die Piraten würden mit vier Prozent nicht in den Landtag einziehen.
In Vilshofen erinnert Ude daran, dass im Freistaat nur die SPD auf eine 120-jährige Geschichte blicken kann. Er beschwört den Sozialisten Kurt Eisner, der nach dem Ersten Weltkrieg den Freistaat ausgerufen hatte. "Wir Sozialdemokraten", ruft Ude, "können mit erhobenem Haupt durch die Säulengänge des Freistaates wandeln."
Autor: Patrick Guyton
