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20. Februar 2017 15:49 Uhr

Kirchliche Krankenhäuser

Klinikreform ändert nichts an der Unterfinanzierung des Krankenhaussektors

Der Geschäftsführer des Regionalverbunds kirchlicher Krankenhäuser in Freiburg mahnt Änderungen an, damit der Zugang zu guter Medizin erhalten bleibe. Mit Fey sprach Bernhard Walker.

  1. Bernd Fey Foto: privat

BERLIN. Die schwarz-rote Klinikreform ändert nach Einschätzung von Bernd Fey nichts an der Unterfinanzierung des Krankenhaussektors. Der Geschäftsführer des Regionalverbunds kirchlicher Krankenhäuser in Freiburg mahnt Änderungen an, damit der Zugang zu guter Medizin erhalten bleibe. Mit Fey sprach Bernhard Walker.
BZ: Die schwarz-rote Klinikreform bringt laut Kassen den Kliniken Zusatzeinnahmen von zehn Milliarden Euro. Wie wirkt sich das auf das RKK Klinikum aus?
Fey: Das neue Gesetz wirkt sich für uns sehr negativ aus. Die Behauptung, dass in die stationäre Versorgung zusätzliche Milliarden Euro fließen sollen, ist eine Mär. In der Bilanz meines Hauses finde ich davon nichts.
BZ: Warum nicht?
Fey: Weil die stationäre Krankenversorgung seit langem unterfinanziert ist und dieses Gesetz daran nichts ändert. Der wichtige Landesbasisfallwert ist im bundesweiten Vergleich hier der zweitniedrigste überhaupt. Und das, obwohl wir deutlich höhere Ausgaben zum Beispiel für Personalkosten haben. Die machen rund 65 Prozent unserer Kosten aus.

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BZ: Warum ist der Fallwert im Südwesten nicht höher? Darüber verhandeln ja die Krankenhausgesellschaft und die Kassen.
Fey: Bei Verhandlungen erreicht man leider nicht immer das sachlich Gebotene. Der Fallwert im Südwesten ist in 2016 um nur 1,4 Prozent gestiegen, die Tarife unserer Mitarbeiter aber um 2,4 Prozent. Bei den Preisen unterliegen wir einem Preisdiktat, wie man es von einer Planwirtschaft kennt. Bei den Ausgaben dagegen stehen wir voll im Markt und zahlen die Personal- und Sachkosten, die sich dort eben bilden.
BZ: Damit die Kliniken steigende Löhne und Gehälter ihrer Mitarbeiter bezahlen können, gibt es eine Extrazahlung, den so genannten Orientierungswert.
Fey: Der Orientierungswert ist der gescheiterte Versuch die tatsächlichen Kostenentwicklungen in den Kliniken abzubilden. Er hat nichts am Problem der Unterfinanzierung geändert. Das rührt – Stichwort Planwirtschaft – auch daher, dass der Preis nur für eine bestimmte, mit den Kassen vereinbarte Menge gilt. Wenn ein Krankenhaus eine OP öfter durchführt, als es vereinbart war, weil es sich darauf spezialisiert hat, wird für diese OP ein niedrigerer Preis bezahlt – es gibt dann einen Abschlag.
BZ: Damit wollen die Kassen verhindern, dass Krankenhäuser Eingriffe oder Behandlungen vornehmen, die medizinisch nicht induziert sind.
Fey: Dass dieser Verdacht immer wieder erhoben wird, ist eine Zumutung. Denn was besagt er? Dass Ärzte aus reinem Umsatzstreben überflüssige medizinische Behandlungen vornehmen. Diese Unterstellung weise ich entschieden zurück: Im RKK Klinikum gibt es so etwas nicht. Der Vorwurf wird ja gerne an angeblich vorschnell durchgeführten Knie- oder Hüft-OPs festgemacht. Diese Operationen machen unsere Ärzte nicht ohne medizinische Indikation und ganz bestimmt nicht, weil ich sie aus betriebswirtschaftlicher Sicht dazu drängte.
BZ: Sondern?
Fey: Sondern, weil Patienten lange versuchen, mit einer konservativen Therapie zu einer Verbesserung zu kommen. Aber wenn die nicht mehr anschlägt und Menschen starke Schmerzen haben, braucht es ein künstliches Gelenk. Wir hören von unseren Patienten oft: "Wäre ich doch schon früher gekommen, um mich operieren zu lassen."
BZ: Sie sagen, dass es im RKK Klinikum keine Übertherapie gibt. In anderen Häusern mag das anders sein, worauf die Krankenkassen dann aus ihrem Interesse heraus reagieren.
Fey: Wer behauptet, dass Ärzte Patienten unnötigerweise operieren, soll Namen nennen. Mit diesen Pauschalvorwürfen wird einer ganzen Branche strafbares Verhalten unterstellt. Das ist unerhört.
BZ: Wäre es sinnvoll, die Zahl der Kliniken zu senken und die Mittel auf weniger Häuser zu konzentrieren?
Fey: Das geschieht längst. Beispiel: In Freiburg wird ein neues Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin gebaut. Wenn es fertig ist, wird das RKK Klinikum die Kinderheilkunde abgeben. Wir akzeptieren sinnvolle strukturelle Veränderungen und brauchen nicht mittels chronischer Unterfinanzierung gezwungen werden.
BZ: Dieser Strukturwandel findet aber nicht überall statt.
Fey: Wenn es zu viele Kliniken gibt, müssen die politisch Verantwortlichen tätig werden. Nur eines geht nicht: Dass wegen Versäumnissen der Politik, viele Kliniken unterfinanziert sind. Doch genau das geschieht: In Baden-Württemberg schreibt jedes zweite Haus rote Zahlen, womit es dann auch unmöglich wird, Eigenmittel aufzubringen, die das Land bei geförderten Investitionsmaßnahmen voraussetzt.
BZ: Wie sieht die Zukunft des RKK Klinikums aus?
Fey: Wir sind neben dem Universitätsklinikum und dem Diakoniekrankenhaus ein großer Versorger im Raum Freiburg. Alle drei werden gebraucht. Ich setze mich weiter dafür ein, dass die Politik solide Finanzgrundlagen schafft. Das von Herrn Minister Gröhe vielgelobte Krankenhausstrukturgesetz hat für uns unter dem Strich große Nachteile gebracht. Wenn wir nicht wollen, dass der Zugang zu guter Medizin eingeschränkt wird, muss dringend gegengesteuert werden.

Bernd Fey (52) ist Geschäftsführer des RKK Klinikums. Zu dem Verbund gehören das St. Josefs- und das Lorettokrankenhaus sowie das Hospiz Karl-Josef in Freiburg. Außerhalb der Stadt gehört das Bruder-Klaus- Krankenhaus in Waldkirch zum Verbund.

Autor: bwa