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11. August 2010 00:04 Uhr
Studie
Urlaub, Einkauf, Haushalt – Kinder bestimmen mit
Eine Studie zeigt, dass in vielen Familien der Nachwuchs vom Einkauf bis zum Urlaubsort mitentscheiden darf – und: Wie sich die Vermögenslage der Kinder entwickelt hat und wohin ihre Interessen gehen.
Kinder nehmen immer häufiger Einfluss auf die Kaufentscheidungen der Eltern. Und zwar nicht nur bei der Wahl der Turnschuhe, des Spielgeräts oder des Computers, sondern auch bei komplexeren Familienentscheidungen. Das geht aus einer repräsentativen Studie hervor, die das Konsumverhalten von 6,2 Millionen deutschsprachigen Kindern im Alter von sechs bis 13 Jahren spiegelt. Auftraggeber der Studie ist der Egmont Ehapa Verlag, der seit 17 Jahren regelmäßig solche Erhebungen machen lässt.
Zehn Prozent der Kinder reden mittlerweile mit, wenn es um die Wahl des Familienautos geht, 46 Prozent beeinflussen die Wahl des Urlaubsortes, im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Plus von je drei Prozentpunkten. Es sei "immer wieder überraschend, wie stark die Kinder in den Haushalten mitregieren", sagte Ralf Bauer, Leiter der Markt- und Mediaforschung des Zeitschriftenverlags. Die Freiräume wüchsen weiter. 72 Prozent der Kinder dürfen sich kleiden, wie es ihnen gefällt, 63 Prozent frei über ihr Taschengeld und ebenso viele nach Belieben über die Einrichtung ihres Zimmers verfügen. Das sind im Vorjahresvergleich Zuwächse von bis zu zehn Prozentpunkten.
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Nicht nur das Markenbewusstsein wird immer ausgeprägter. Auch die Fähigkeit, sich bei der Wahl bei den Eltern durchzusetzen, nimmt zu. So sei es 53 Prozent der Kinder wichtig, einen bestimmten Sportschuh spazieren zu tragen. Deren Eltern sind in 47 Prozent der Fälle bereit, ihn dann auch zu kaufen.
Das Freizeitverhalten der Kinder wird zwar immer stärker von moderner Kommunikations- und Computertechnik geprägt. Allerdings kommt die "Kids-Verbraucherstudie" zu dem Schluss, dass dies die Leselust keineswegs dramatisch schmälert. Etwa 70 Prozent lesen regelmäßig – zwar nicht immer Bücher, aber doch wenigstens Kinderzeitschriften.
Dabei ist Lesen keineswegs eine Domäne der Mädchen, auch wenn die Lesekompetenz der Mädchen normalerweise höher eingeschätzt wird. Tatsächlich lesen die Geschlechter nahezu gleich häufig. Allerdings bestätigt die Studie einmal mehr, dass Leselust, Einkommen der Eltern und Bildungsumfeld zusammenhängen. Kinder wohlhabender Universitätsabsolventen lesen deutlich häufiger als gleichaltrige Kinder aus weniger privilegierten sozialen Schichten.
Eine deutliche Zunahme wurde bei der Computernutzung ausgemacht. 75 Prozent der Kinder können entweder den eigenen oder den Familiencomputer nutzen, 91 Prozent aller Zehn- bis 13-Jährigen, aber auch schon 58 Prozent der Sechs- bis Neunjährigen. Die Jüngeren holen hier deutlich auf. Auch die Zahl derer, die das Internet intensiv nutzen, also sich fast täglich ins virtuelle Netz begeben, steigt nach wie vor – bei den Älteren auf 36 Prozent, was einer Zunahme von zwölf Prozentpunkten entspricht.
dass in den Familien an den Kindern zuletzt gespart wird."
Ingo Höhn,
Geschäftsleiter Ehapa-Verlag
Das Spieleverhalten wird immer noch in erstaunlichem Maß von klassischen Spielgeräten wie Brettspiel, Baukasten oder Plüschtier geprägt. Allerdings ist deren Bedeutung für das Freizeitverhalten nahezu konstant. Sehr dynamisch entwickelt sich dagegen der Markt für Handys und für Computerspiele, die entweder mit Handspielgeräten oder an Konsolen gespielt werden. Auch hier legen vor allem die Jüngeren zu. 60 Prozent der Sechs- bis Neunjährigen verfügen mittlerweile über ein Handspielgerät. Das Vorurteil, nur Jungs hätten Gefallen an Konsolen oder Handspielgeräten, bewahrheitet sich nicht. Nach wie vor nutzen die Jungen solche Spiele aber deutlich häufiger und intensiver als Mädchen.
Zwar haben Kinder im vergangenen Jahr monatlich 23,04 Euro im Durchschnitt an Taschengeld erhalten; 16 Cent weniger als im Jahr zuvor. Auch die Höhe der Bargeschenke (im Schnitt 186 Euro im Jahr) ist leicht rückläufig. Einen Trend oder einen Zusammenhang mit der Wirtschaftskrise können die Marktforscher aber nicht erkennen. So übernähmen Eltern im Gegenzug immer häufiger komplett die Handyrechnungen ihrer Kinder.
"Wir haben den Eindruck, dass in den Familien an den Kindern wirklich zuletzt gespart wird", sagte Verlags-Geschäftsleiter Ingo Höhn. Insofern bilden die Konsumvorlieben von Kindern nach wie vor ein attraktives Marktsegment ab. Rechnet man die Zahlen für Taschengeld und Bargeschenke hoch, dann macht das im Jahr eine Summe von 2,87 Milliarden Euro aus, über die Kinder weitgehend frei verfügen können. Dahinter steckt natürlich auch ein riesiger Werbemarkt.
Autor: Thomas Maron
