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22. Februar 2010 21:02 Uhr

Bischofskonferenz in Freiburg

Zollitsch stellt Missbrauch in den Mittelpunkt seiner Predigt

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, hat in Freiburg eine intensive Beschäftigung mit den Missbrauchsfällen angekündigt. Das Thema prägte auch Zollitschs Predigt beim Eröffnungsgottesdienst.

  1. Robert Zollitsch beim feierlichen Eröffnungsgottesdienst der Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz im Freiburger Münster. Foto: Ingo Schneider

Beim feierlichen Pontifikalamt im Münster ging er auf die "menschliche und dunkle Seite der Kirche" ein. "Wir sind erschüttert über das Verhalten von Kirchenvertretern und Erziehern. Wir leiden mit den Opfern, die wir um Verzeihung bitten."

In den Fürbitten beteten die Gläubigen um Kraft für die Opfer. Vor dem Münster hielten Mitglieder der Laieninitiative "Wir sind Kirche" eine Mahnwache ab.

Zum Auftakt der ersten Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Freiburg entschuldigte sich Zollitsch im Rahmen einer Pressekonferenzbei den Opfern des aktuellen Missbrauchsskandals. "Missbrauch ist nicht nur ein abscheuliches Verbrechen, er ist auch eine schwere Sünde", sagte Zollitsch.

Von Montag bis Donnerstag treffen sich 65 Bischöfe aus den 27 deutschen Diözesen im Breisgau zu ihrer traditionellen Frühjahrsvollversammlung. Die seit Januar bekannt gewordenen Missbrauchsfälle an Jesuitenschulen wie St. Blasien, aber auch an anderen katholischen Einrichtungen waren kurzfristig auf die Tagesordnung gesetzt worden. Dass Zollitsch im Gegensatz zu Kollegen mit einer Stellungnahme bis zur Konferenz gewartet hatte, hatte heftige Kritik provoziert.

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"Missbrauch hat nichts mit dem Zölibat und nichts mit der Sexuallehre zu tun, sondern das ist eine Frage, wie jemand veranlagt ist."

Robert Zollitsch
"Über die bekannt gewordenen Missbrauchsfälle bin ich zutiefst erschüttert", sagte der 71-Jährige. "Im Raum der Kirche wiegt er besonders schwer, weil es ein besonderes Vertrauen von Kindern und Jugendlichen in den Priester gibt." Zwar sei es falsch, der Kirche ein strukturelles Problem zu unterstellen. "Missbrauch hat nichts mit dem Zölibat und nichts mit der Sexuallehre zu tun, sondern das ist eine Frage, wie jemand veranlagt ist."

Die hohen moralischen Anforderungen der Kirche müssten aber auch zu der Erkenntnis führen: "Wenn es bei uns geschieht, ist es schlimmer. Es darf keinen Missbrauch geben – schon gar nicht im Raum der Kirche."

Zollitsch forderte transparente Aufklärung. "Ich begrüße, dass sich der Jesuitenorden seiner Verantwortung stellt." Die deutschen Bischöfe, so Zollitsch, hielten die seit 2002 geltenden Leitlinien für den Umgang mit Missbrauchsfällen für unverändert wichtig, sie würden auch von Fachleuten gutgeheißen. Staatliche Behörden müssten so schnell wie möglich eingeschaltet werden, die Staatsanwaltschaften alle möglichen Einblicke erhalten. Die Konferenz werde die Leitlinien zudem auf Verbesserungsmöglichkeiten prüfen.

Nachdenken über vorbeugende Maßnahmen

Auch über Fragen der Prävention solle gesprochen werden. "Unsere künftigen Priester müssen menschlich und damit auch in sexueller Hinsicht die Eignung und nötige Reife für ihr Amt haben. Dasselbe gilt für alle pastoralen und pädagogischen Mitarbeiter." Zollitsch kündigte an, Papst Benedikt XVI. auf das Thema anzusprechen.

Bei der Freiburger Tagung soll es auch um Fragen der demografischen Entwicklung, um den Afghanistaneinsatz der Bundeswehr und um den Stand der Hilfsmaßnahmen für Haiti gehen.

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Autor: Jens Schmitz