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15. August 2012 22:47 Uhr

Test-Länderspiel

DFB-Elf verliert gegen Argentinien 1:3

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft hat ihr erstes Spiel nach dem enttäuschenden Halbfinal-Aus bei der EM verloren. Gegen Argentinien unterlag das Team von Bundestrainer Joachim Löw 1:3.

Nach einem Platzverweis für Torwart Ron-Robert Zieler mussten die Deutschen allerdings mehr als eine Stunde lang in Unterzahl agieren. Es ist erstaunlich, welch enorme Anziehungskraft einer ausübt, den sie La Pulga nennen, den Floh. Doch dieser kleine Mann, der lediglich 1,69 Meter misst und dessen richtiger Name Lionel Messi ist, hat die Gabe, Großes zu leisten.

Auf dem Fußballplatz, da sind sich nahezu alle einig, gibt es keinen, der die Kunst des Spiels besser versteht als der Argentinier. Beeindruckende 73 Tore in 60 Pflichtspielen hat Messi in der vergangenen Saison für den FC Barcelona geschossen. Zuletzt schien auch seine langwierige Schaffenskrise in der Eliteauswahl seines Heimatlandes beendet. In den Partien gegen die Schweiz (3:1), Ecuador (4:0) und Brasilien (4:3) erzielte der 25-Jährige sieben der elf argentinischen Treffer. Trainer Alejandro Sabella erklärte das damit, dass Messi – wie in Barcelona – nun Teil eines funktionierenden Kollektivs ist. Außerdem müsse man den introvertierten Star als Coach einfach nur in Ruhe lassen.

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Die deutschen Spieler hatten andere Pläne. Nach intensiver Videoanalyse wisse man, wie Messi zu stoppen sei, verkündete Sami Khedira im Vorfeld der Partie selbstsicher. Und es gelang. Die Deutschen arbeiteten im defensiven Kollektiv derart aufmerksam, dass Messi lange kein Faktor des argentinischen Angriffsspiels sein konnte. Auch gelegentliche Unkonzentriertheiten, speziell von Jerome Boateng, änderten daran nichts.

Hätte der unglückliche Ron-Robert Zieler nicht gegen Sosa zur Notbremse gegriffen (30.), der beste Fußballer der Welt wäre in Halbzeit eins überhaupt nicht auffällig geworden. Aber Zieler sah Rot – und Messi durfte zum Elfmeter antreten. Wie er diesen schoss, zeigte, dass nicht nur Engländer und Bayern-Spieler bisweilen Mühe mit der vermeintlich einfachen Übung haben, sondern auch Genies. Dem eingewechselte Gladbacher Torwart Marc-André ter Stegen war’s egal. Nach seinem misslungen Debüt im Vorfeld der EM in der Schweiz (3:5) griff er bei Messis Schüsschen nur all zu gerne zu und bewahrte seinem Team das 0:0 (32.).

Daran, dass das Remis mehr als verdient war, gab es zu diesem Zeitpunkt keine Zweifel. Die Löw-Elf war aktiver und spielstärker als die Südamerikaner, die dynamischen Marco Reus und Lars Bender wirkten gemeinsam mit Sami Khedira als belebende Antreiber. Einzig ihre immer wieder sehenswerten Angriffe brachten die Gastgeber nicht zu einem guten Ende. Özil (12.), Müller (19.) und in Unterzahl Klose (42.) verpassten die Führung.

Ärgerlicher war jedoch, dass der Dortmunder Mats Hummels mit einer Halswirbelverletzung früh den Platz verlassen musste. Und dass die Argentinier nach einem Eckball trafen. Genauer gesagt waren es Sami Khedira und Benedikt Höwedes, die ter Stegen mit einer etwas ungelenken Eigentor-Co-Produktion überraschten.

Das deutsche Engagement wurde auch nach der Pause nicht belohnt. Reus’ abgefälschter Schuss landete am Pfosten, Özil stand bei seinem Treffer im Nachsetzen abseits (49.). Als dann Lionel Messi doch noch ein bisschen von seiner Fußballkunst vorführte, war die Begegnung entschieden. Higuains Rückpass verwandelte der Superstar direkt und technisch einwandfrei zum 2:0 für die Gäste (52.). Spektakulärer war allerdings das 3:0 – Angel di Maria traf mit einem gewaltigen Schuss aus mehr als 30 Metern (73.).

Für die deutsche Mannschaft und ihre Fans blieb letztlich Höwedes’ 1:3 (81.) und die Erkenntnis, dass man Spiele verlieren kann, ohne zu enttäuschen.

Deutschland: Zieler, Boateng, Hummels (25. Höwedes), Badstuber, Schmelzer, L. Bender (74. Götze), Khedira (69. Gündogan), Müller (32. ter Stegen), Özil (69. Kroos), Reus, Klose (62. Schürrle).
Argentinien: Romero, Zabaleta (66. Campagnaro), Fernández, Garay, Rojo, di María (73. Guiñazú), Mascherano (80. Braña), Gago, Sosa (46. Agüero), Messi, Higuaín.
Schiedsrichter: Eriksson (Schweden).
Tore: 0:1 Khedira (45.+1/Eigentor), 0:2 Messi (52.), 0:3 di María (73.), 1:3 Höwedes (82.).
Zuschauer: 48 808 (ausverkauft).
Rote Karte:
Zieler (30./Notbremse).
Gelbe Karten:
– / Zabaleta

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Autor: René Kübler