"Die A-3-Trasse ist vom Tisch"

Helmut Seller

Von Helmut Seller

Sa, 22. Januar 2011

Offenburg

Offenburg feiert nach Planungsstopp des Regierungspräsidiums ein fröhliches Bahnprotest-Fest.

OFFENBURG. Freude über den Offenburger Etappensieg bei der Bahnplanung und gegenseitiges Schulterklopfen waren gestern zur Mittagszeit unter den Pagoden angesagt: "Das haben wir gut gemacht!", begrüßte eine bestens gelaunte Oberbürgermeisterin Edith Schreiner die ebenfalls strahlende stellvertretende BI-Vorsitzende Mutter Martina Merkle. Und gleich nebenan schüttelte Bürgermeister Christoph Jopen dem BI-Chef Wahl kräftig die Hand: "Gratulation!" Viele Mitglieder der Bürgerinitiative Bahntrasse, dazu einige Stadträte und Rathausmitarbeiter waren der Einladung der Oberbürgermeisterin zum Sektumtrunk vor dem Rathaus gefolgt, der zu einem fröhlichen Bahnprotest-Fest wurde. Auch eine Abordnung der Stadtkapelle Offenburg sorgte dafür, dass das gemeinsame Singen des "Badner Bahnprotestliedes" klangvoll begleitet wurde.

Als "wegweisende Entscheidung" würdigte Edith Schreiner die Ablehnung der Bahnplanung im Abschnitt Offenburg durch das Regierungspräsidium. Die Freiburger Behörde hatte bekanntlich das Anhörungsverfahren gestoppt und die Unterlagen der Bahn als unvollständig, fehlerhaft und nicht genehmigungsfähig zurückgewiesen. "Seit Mittwoch wissen wir: D ie A 3-Trasse ist vom Tisch", so die Oberbürgermeisterin unter Bravo-Rufen und Beifall. Wenn ein solches Ziel erreicht sei, dürfe man auch einmal innehalten und feiern, sagte Schreiner. Sie habe deshalb gerne den Anstoß von BI-Chef Wahl aufgenommen, dies doch "in großer Runde" zu tun. Schreiner lobte alle am Bahnerfolg Beteiligten: die Bürgerinitiative, die städtischen Mitarbeiter (allen voran Tiefbauchef Günter Häberle), die Medien und den Gemeinderat. Offenburg habe mehr als eine Million für Gutachten in die Hand genommen und 700 Seiten mit Argumenten nach Freiburg geschickt: "Wir haben immer gehofft, dass wir Erfolg haben, aber nie eine so eindeutige Absage erwartet", so Schreiner. Jetzt dürften nicht wieder alle möglich Varianten diskutiert werden, sondern müsse gemeinsam für einen Güterzugtunnel mit möglichst geringen Beeinträchtigungen gekämpft werden: "Ich hoffe, die Bahn hat verstanden, dass gegen Offenburg nicht geplant werden kann."

Dass die Zusammenarbeit der Beteiligten, insbesondere aber auch innerhalb des Vorstandes der BI "die reine Freude war", hob Manfred Wahl hervor und fügte schmunzelnd an: "Eigentlich ist’s schade, wenn’s aufhört..." Der frühere evangelische Dekan schlug den Bogen von der 1848er- Revolution über die in Offenburger unterzeichnete Vereinbarung gegen ein Kernkraftwerk in Wyhl bis zum 18. Januar 2011, der ebenfalls in die Stadtgeschichte eingehen werde. Auch die Bahnplaner, denen Wahl eine weiterhin konstruktive Zusammenarbeit anbot, hätten nun eine neue Freiheit gewonnen: "Wir haben der Bahn die Chance gegeben, besser planen zu können." Als keineswegs gefährdet sieht der BI-Vorsitzende den Güterzugtunnel, wie es ein Kommentator des OT gemutmaßt hatte: "Lassen Sie sich nicht ins Bockshorn jagen", so Wahl in die Runde. Höchste Zeit ist es aus Sicht des BI-Vorsitzenden, dass auch Bundesverkehrsminister Ramsauer endlich nach Offenburg und an die Brennpunkte am Oberrhein kommt.