Klassik

Die Badenweiler Musiktage verzaubern mit Jean-Efflam Bavouzet und dem Duo Grau-Schumacher am Klavier

Georg Rudiger

Von Georg Rudiger

Mo, 12. November 2018 um 18:59 Uhr

Klassik

Die Pianisten Jean-Efflam Bavouzet sowie Andreas Grau und Götz Schumacher sorgten für starke Herbstmusiktage in Badenweiler.

Querbezüge machen den Reiz einer guten Programmplanung aus. Bei den Badenweiler Musiktagen wimmelte es geradezu davon. Zum einen sorgten auch bei der Herbstausgabe die beiden Jubilare Claude Debussy (100. Todestag) und Bernd Alois Zimmermann (100. Geburtstag) für einen roten Faden. Zum anderen wies schon das Motto "Echos – ferne Erinnerungen" auf Verbindungen zwischen den ausgewählten Kompositionen hin.

Mit Jean-Efflam Bavouzet hatte Lotte Thaler für das Haydn/Debussy-Programm am Freitagabend einen feinsinnigen Pianisten engagiert, der sich bei der Festivalleiterin am Ende des umjubelten Konzertes mit Claude Debussys funkelndem Klavierstück "L’isle joyeuse" (Insel der Fröhlichkeit) bedankte. Ein letztes Mal konnte er seine große Klavierkunst zelebrieren mit technischer Meisterschaft, klarem Gestaltungswillen und vor allem mit Transparenz. Diese Klarheit prägt auch sein leichthändiges Haydn-Spiel. In der Es-Dur-Sonate (Hob XVI/49) ist sein Anschlag so trocken und federnd, als würde er auf einem Hammerklavier und nicht auf einem Steinway D-Flügel spielen. Behutsam entdeckt er die Abgründe im zarten Adagio e cantabile. Aus dem harmlosen Kinderstück wird mit den Moll-Einbrüchen eine kleine Appassionata. In der As-Dur-Sonate (Hob XVI/46) macht Bavouzet aus den Trillern kleine Störfeuer – die schnellen Läufe lässt er perlen. Mit Claude Debussys charmanter "Hommage à Haydn" gibt es eine direkte Schaltstelle zwischen beiden Komponisten. Auch bei Debussy verbindet Bavouzet leichtgängige Virtuosität mit höchst differenzierter Klanggebung. Die ausgewählten Etüden werden unter seinen Händen zu Charakterstudien, ehe er im zweiten Buch der "Préludes" den Debussy’schen Kosmos weiter ausmisst – von der Legatokultur der "Brouillards" (Nebel) bis zur ungeheuren Kraftentfaltung des "Feux d’artifice" (Feuerwerk).

Auch der Klavierabend des Pianoduos Grau-Schumacher am Sonntagabend ist dramaturgisch geradezu komponiert. Direkte Bezüge zur Musik von Johann Sebastian Bach sind in den Werken von Schumann, Zimmermann und Busoni hörend zu entdecken. Bereits bei Robert Schumanns "Sechs Stücke in kanonischer Form" (Bearbeitung: Claude Debussy) stellen die beiden gegenübersitzenden Pianisten ihr einzigartiges Zusammenspiel unter Beweis. Alles wird von Andreas Grau und Götz Schumacher gemeinsam empfunden. Ein leichtes Kopfnicken – und schon klingen auch heikle Schlussakkorde wie aus einem Guss. Ihr Ausdruck ist so innig und nah am Lied, dass man bereits jetzt große Lust bekommt auf den Liederabend mit Christian Gerhaher und Gerold Huber, der die kommenden Badenweiler Musiktage mit Schumanns "Dichterliebe" am 1. Mai 2019 eröffnen wird. In Bachs Konzert für zwei Klaviere in C-Dur greifen die Rädchen perfekt ineinander, ohne dass die perfekt übergebenen Läufe je mechanisch klingen. Bernd Alois Zimmermanns "Monologe" sind zerrissen zwischen heftigem Donnergrollen und nostalgischen Momenten der Erinnerung. Das ist ungezähmte, zutiefst expressive Musik, für die Götz Schumacher auch mal beide Unterarme auf die Klaviatur krachen lässt. Ferrucio Busonis "Fantasia Contrappuntistica" nach der Pause ist ebenfalls ein echter Kraftakt, der nicht nur strenge Kontrapunktik, sondern auch gewaltige Klangausbrüche fordert. Aber auch diese komplexe Architektur arbeitet das Klavierduo feinsinnig heraus. Maurice Ravels Transkription von Claude Debussys Orchesterstück "Fêtes" aus den "Nocturnes" bildet die erste umjubelte Zugabe, ehe sich die beiden an einen Flügel setzen und mit Ravels "Le Jardin féerique" aus "Ma mère l"oye" mit lichter Tongebung einen Zaubergarten entstehen lassen, in dem man Wundersames erleben kann – wie bei den Badenweiler Musiktagen.

Nächste Badenweiler Musiktage: 1.–4. Mai 2019. http://www.badenweiler-musiktage.de