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10. November 2015

Die Bestattungsriten im Islam und im Christentum

Christlich-islamische Verein bespricht interessantes Thema.

  1. Imam Mustafa Düzenli Foto: Gabriele Rasenberger

  2. Armin Strenzl Foto: Rasenberger

  3. Abdelhamid Baiou Foto: Gabriele Rasenberger

RHEINFELDEN. Zum Thema "Bestattungsriten im Islam und im Christentum" lud am Donnerstagabend der christlich-islamische Verein ein. Etwas mehr als 20 Interessierte fanden sich hierzu ein. Einige auch aus beruflichen Gründen, wie Jörg Moritz-Reinbach, der Religionslehrer ist, oder Marcel Linder, der ein Bestattungsinstitut hat. "Man wird mit diesem Thema konfrontiert", so Linder. Und da es auf der einen Seite schon seit zehn Jahren eine muslimisches Gräberfeld auf dem Rheinfelder Friedhof gibt, auf der anderen Seite durch die vielen Flüchtlinge der letzten Zeit vermehrt Muslime in Deutschland leben, wird auch die Bevölkerung mit diesem Thema konfrontiert.

Armin Strenzl, Pfarrer der altkatholischen Gemeinde, referierte zunächst über die Riten des Christentums. Da es hier jedoch etliche Konfessionen und Freikirchen gibt, konzentrierte es sich auf die Riten der Altkatholiken, der römisch-katholischen Kirche und der evangelischen Landeskirche von Baden. Er gab einen Überblick von der Feier der Friedhofskapelle bis zur anschießenden Bestattung oder Beisetzung. Die Unterschiede der beiden Begriffe erklärte er auch: Bei einer Beisetzung handelt es sich um das Begräbnis einer Urne, eine Bestattung ist das Begräbnis im Sarg. Strenzl machte darauf aufmerksam, dass es inzwischen in allen drei Konfessionen erlaubt ist, sich auch verbrennen zu lassen.

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Auch eine Laie kann ein Begräbnis leiten

Auf spätere Nachfrage von Muslimen nach Unterschieden erklärte er, dass sich die Riten der Konfessionen sehr ähneln, es gebe ein paar Kleinigkeiten, die verschieden sind. So gebe es bei der evangelischen Kirche kein Weihwasser und keinen Weihrauch. Ansonsten sei der Ablauf eines Begräbnisses immer der Gleiche. Es müsse nicht immer ein Geistlicher sein, der ein Begräbnis leitet, auch Laien dürfen dies übernehmen.

Im Islam ist das genauso. Abdelhamid Baioui erklärte kurz, wie es bei den Muslimen zugeht. Dabei holte er sich immer wieder Unterstützung von Mustafa Düzenli, dem Imam der muslimischen Gemeinde, der unter den Gästen war. Hier fängt es schon damit an, dass Sterbende mit Gebeten begleitet werden. Ist dann jemand gestorben, werden Augen und Mund geschlossen. Es folgt eine rituelle Waschung in einem dafür geeignetem Raum. Dann werden die Verstobenen in Leinentücher gehüllt, das Gesicht soll jedoch frei bleiben. Beerdigt werde so schnell wie möglich. Beim Leichenzug wird der Körper von so viel Menschen wie möglich getragen, auch wenn es nur ein kleines Stück Weg ist, denn man tut dem Verstorbenen damit etwas Gutes.

Wo es erlaubt ist, wird der Leib ohne Sarg beerdigt. Das Gesicht ist dabei immer nach Mekka ausgerichtet. Ein wesentlicher Unterschied zum christlichen Begräbnis ist, dass es nur Männer sein dürfen, die beim Leichenzug und der anschließenden Beerdigung dabei sein dürfen. Wenn Frauen aus anderen Religionen dies nicht wissen und einem Toten die Ehre erweisen wollen, werden diese höflich darauf hingewiesen, zu warten, bis das Begräbnis vorbei ist. Anders herum laufen Muslime beim Leichenzug jeder Religion mit, den sie auf den Weg sehen, denn somit erweisen sie dem Verstorbenen die Ehre. Unterschiedlich sind auch die Gräber. Während im Christentum oft geschmückt wird, wird bei Muslimen das Grab so schlicht wie möglich gehalten.

Beide anwesenden Religionen profitierten voneinander, haben Neues gelernt, auch die Geistlichen der Religionen. Peter Breitenstein, Bestatter aus dem Raum Waldshut, formulierte es so: "Ich habe einen Bezug bekommen, was im Islam wichtig ist." Einige Muslime hatten den Eindruck, dass die Beerdigung im Christentum strukturierter ist, bei den Muslimen gefühlsbetonter. Zum Schluss wurde noch zum multireligiösen Gebet am 22. November um 17 Uhr in die Adelbergkirche eingeladen.

Autor: Gabriele Rasenberger