Die Champions League der Musik

Georg Rudiger

Von Georg Rudiger

So, 10. Juni 2018

Klassik

Der Sonntag Das Freiburger Barockorchester wird 30 Jahre alt – das Ensemble ist weltweit bekannt.

Von der Musikhochschule in die Champions League der klassischen Musik. Das Freiburger Barockorchester wird 30 Jahre alt und feiert sein Jubiläum mit zwei besonderen Konzerten im Freiburger Konzerthaus mit Werken von Georg Philipp Telemann, Carl Philipp Emanuel Bach und Ludwig van Beethoven.

Die Streicher des Freiburger Barockorchesters spielen bis auf die beiden Cellisten im Stehen. Man spürt im Publikum die Energie, die von diesem Ensemble ausgeht. Der Streicherklang ist vielfältig und reicht von zerbrechlich bis rau und schneidend. Mit einem Kopfnicken gibt Kristian Bezuidenhout am Hammerflügel den Einsatz in Carl Philipp Emanuel Bachs Klavierkonzert Nr. 1 in C-Dur. Man wundert sich über die Intensität des Spiels, denn das Gehörte erklingt nicht im Konzert, sondern in einer öffentlichen Probe im Freiburger Ensemblehaus.

Und warum musiziert jede und jeder bei diesem Durchlauf mit solcher Leidenschaft? "Weil wir einfach nicht anders können. Zurücklehnen kann man sich bei uns nicht – auch nicht in der Probe", erklärt die Geigerin Petra Müllejans, die zu den Gründungsmitgliedern gehört. "Wegen dieses unbedingten Ausdruckswillens sind wir Musiker geworden! Wahrscheinlich waren wir schon als Kinder so und haben zum Glück dieses Ventil gefunden."

Geprobt wird für die Konzerte zum 30-jährigen Jubiläum. Zeit für einen Blick zurück in die legendenumrankten Anfänge des weltweit bekannten Ensembles. "Es gab wirklich die vielzitierte Silvesternacht 1985, als sich einige Studenten von Rainer Kussmaul und Ulrich Koch trafen, um auf Barockinstrumenten und Darmsaiten zu musizieren. Gottfried von der Goltz und ich kamen allerdings erst vier Monate später dazu. Natürlich waren wir tödlich beleidigt, dass wir zum ersten Treffen von den Ideengebern Christian Goosses und Regine Schröder nicht eingeladen wurden", erzählt Petra Müllejans lachend. Die langjährige künstlerische Leiterin des Orchesters, die ihr Amt, das sie gemeinsam mit Gottfried von der Goltz ausführte, im letzten Sommer an Kristian Bezuidenhout weitergab, erzählt von basisdemokratischen Strukturen, uferlosen Proben und einem großen Idealismus, der sich bis heute gehalten habe. "Die Anfangsjahre waren nicht leicht. Man wurde belächelt. Auch die Stadt Freiburg hatte zunächst kaum Interesse an dieser freien Formation. Finanziell musste sich jeder mit anderen Engagements oder Instrumentalunterricht über Wasser halten."

Dennoch ging es erstaunlich schnell bergauf mit dem neugierigen, vitalen Ensemble. Nach dem ersten öffentlichen Konzert unter dem Namen "Freiburger Barockorchester" am 8. November 1987 in der Burgheimer Kirche Lahr kam durch das Gründungsmitglied Thomas Hengelbrock schon ein Jahr später eine Zusammenarbeit mit dem RIAS-Kammerchor zustande.

Engagements beim wichtigen Alte-Musik-Festival Utrecht und dem Carl-Philipp-Emanuel-Bach-Wettbewerb in Hamburg machten die Freiburger überregional bekannt. Heute spielt das FBO 80 bis 100 Konzerte pro Saison und sitzt bei durchschnittlich zwei Opernproduktionen im Jahr im Orchestergraben. Die mit Preisen dekorierten CD-Aufnahmen und die internationalen Tourneen sorgen für weltweite Ausstrahlung. Als Gesellschafter sind die 27 Musiker selbst für den Erfolg des Orchesters verantwortlich. Sie können mitbestimmen und mitgestalten. Dienst nach Vorschrift gibt es nicht.

"Manches Mal vermisse ich aber auch die bedingungslose Hingabe der Anfangszeit. Wir haben damals so lange geprobt, bis wir alle zufrieden waren. Heute schauen doch einige genau auf die Uhr, wenn die vereinbarten sechs Stunden pro Tag zu Ende sind", sagt Müllejans. Eigentlich hat die Violinprofessorin schon im Sommer 2017 die Verantwortung als künstlerische Leiterin abgegeben. Beim Jubiläumskonzert ist sie noch ein letztes Mal mit Georg Philipp Telemanns e-Moll-Suite aus der "Tafelmusik" in dieser Funktion zu erleben. "Das ist sozusagen meine Verabschiedung vom Freiburger Publikum. Mein Nachfolger Kristian Bezuidenhout wird dann das Klavierkonzert von Carl Philipp Emanuel Bach interpretieren. Und Gottfried von der Goltz stellt seine Lesart der 9. Symphonie von Ludwig van Beethoven, die wir schon in Mexiko gespielt haben, zum ersten Mal dem Freiburger Publikum vor."
Konzerte zum Jubiläum am 13. und 14. Juni 2018 um 20 Uhr im Freiburger Konzerthaus. Infos unter http://www.barockorchester.de