Die Coolness für den Dreierpack

Matthias Kaufhold

Von Matthias Kaufhold

Mo, 27. August 2018

Landesliga Staffel 2

Trotz Kunstpausen erzielt Almin Mislimovic alle drei Weiler Treffer beim 3:1-Erfolg des Tabellenführers in Emmendingen.

FUSSBALL Landesliga: FC Emmendingen – SV Weil 1:3 (1:1). Es tröpfelte. Und das bei bissigen 13 Grad Celsius. Eine Horde Krähen verbreitete am Samstagabend in den Bäumen nahe des luftig gefüllten Elzstadions bei Daunenjacken-Wollpulli-mit-Schirm-Wetter Herbststimmung. Der Sommer scheint vorüber in Südbaden. Mit dem Temperatursturz steigt indes die Treffsicherheit von Almin Mislimovic. Der 25-jährige Angreifer des SV Weil erzielte alle drei Treffer beim 3:1-Auswärtserfolg in Emmendingen. Der SV Weil zementierte damit seine Tabellenführung.

30 Minuten lang hatten die Gäste die Sache vollständig im Griff. Das Weiler Pressing provozierte Emmendinger Ballverluste im Spielaufbau. Allerdings sprang bei der Vielzahl an klaren Möglichkeiten nur ein Treffer von Mislimovic heraus (24.). Die zweite Emmendinger Torchance nutzte Julian Engler zum Ausgleich (41.). Nach dem Wechsel verteidigte der FCE zunächst clever, Schlussmann Stefan Lohrer parierte Schüsse von Ridje Sprich und Tarek Aliane. Als Ousman Jasseh für die Gastgeber aus acht Metern freistehend das Weiler Tor verfehlte, lockte das die Blau-Weißen aus der Reserve: Mislimovic verwertete erst einen Schnittstellenpass von Justin Samardzic mit einem gekonnten Dribbling um Lohrer (78.) und schloss dann einen Konter zum 3:1-Endstand für Weil ab (86.).

Dieses 3:1 war großes Kino: Wie Mislimovic auf links kurz vor der Außenbahn in der eigenen Hälfte den Ball mit einer Ganzkörperdrehung eroberte und nach einem Doppelpass mit Nikola Obradovic gleich ins Zentrum auf Sprich passte, erinnerte an One-Touch-Fußball englischer Prägung. Sprich kreiselte einmal um sich selbst, sah den aufgerückten Samardzic, dessen Schuss- (oder Pass-)versuch der ins Zentrum gesprintete Mislimovic über die Linie drückte – stark.

Natürlich war der Goalgetter mit drei Treffern Mann des Spiels. Dabei tauchte der Wusel mit dem Kurzhaarschnitt, der schon in der Vorsaison mit 25 Toren bei 27 Einsätzen auf eine starke Quote kam, zwischendrin gerne mal ab, schlenderte wie ein Fußgänger an der Elz gemütlich übers Feld. Solche Kunstpausen räumen die Weiler dem aus Witten stammenden und in der Jugend für Schalke 04 spielenden Ruhrgebietskicker gerne ein, weil er vor dem Tor so abgebrüht trifft wie Robin Hood im Sherwood Forest. Mislimovic ist ein Instinktfußballer, der sich gerne von hinten an den Gegner heranpirscht und seine Passwege vorausahnt. "Da blitzen dann seine Straßenfußballkenntnisse auf", sagt Co-Trainer Heiko Günther.

Was Lars Voßler mit dem SC Freiburg zum Bundesliga-Auftakt nicht vergönnt war, schaffte Günther mit den Blau-Weißnen: ein Spiel als vorübergehend zum Chef beförderter Assistent zu gewinnen. "Tobi kann beruhigt ein Bier im Süden trinken", resümierte Günther nach dem vierten Sieg im vierten Ligaspiel. Am 1. September ist Trainer Tobias Bächle wieder zurück im Nonnenholz. Bis dahin ist auch die Rückkehr eines anderen Leistungsträgers zu erwarten: Yannik Weber befindet sich nach auskuriertem Schien- und Wadenbeinbruch wieder im Aufbautraining. Vielleicht ist die routinierte Leitstelle im offensiven Mittelfeld bereits am kommenden Samstag im Heimspiel gegen den Freiburger FC II wieder ein Thema. "Er kann in unser Spiel noch etwas Ruhe reinbringen", hat Günther erkannt. "Ab und zu war’s zu hektisch."

Wohl wahr. Die unübersehbare individuelle Klasse von Sprich, Mislimovic und Co. verschwindet phasenweise hinter einem plötzlich auftretenden Phlegma, das einem spielerisch unterlegenen Gegner wie dem FC Emmendingen wieder Räume ermöglicht. Spielerische Konstanz über 90 Minuten reinzubringen, dürfte der Ansatz für die kommenden Wochen sein. Man habe es am Samstag unnötig spannend gemacht, bekannte Günther. Glücklicherweise habe Emmendingen die Mittel für den erfolgreichen finalen Pass gefehlt, sodass die Nachlässigkeiten in der eigenen Defensive nicht bestraft wurden. Auch mit den schwierigen Platzverhältnissen habe seine Mannschaft erst mal klarkommen müssen. "doch man sieht, dass wir uns den Gegebenheiten anpassen können", so der Co-Trainer.

SV Weil: Theobald; Knab (81. Mundinger), Leon. Riede, Do Le, Lauber; Ismajli (63. Aliane), Groß, Obradovic, Justin Samardzic (87. Males), Mislimovic, Sprich. Tore: 0:1 Mislimovic (24.), 1:1 Engler (41.), 1:2, 1:3 beide Mislimovic (78., 86.). Schiedsrichter: Mac-Nelly (Konstanz). Zuschauer: 130.