Die drittniedrigsten Müllgebühren im Land

Hubert Röderer

Von Hubert Röderer

Do, 12. Juli 2018

Ortenaukreis

Der Eigenbetrieb Abfallwirtschaft des Ortenaukreises legte die Jahresbilanz für 2017 vor.

ORTENAU (hrö). Wenn Martin Roll die vergangenen Jahre vor den Ausschuss für Umwelt und Technik des Kreistags trat, um die Jahresbilanz vorzutragen, so wurde er stets geradezu mit Hymnen überschüttet. Das war in der jüngsten Sitzung am Dienstag kein Jota anders. Von "Kompliment" war die Rede (CDU-Sprecher Marco Steffens), gleich zweimal wurde "Danke!" gesagt (SPD-Mann Karlheinz Debacher und Grüne-Kollege Carsten Gabbert). Und Valentin Doll (Freie Wähler) äußerte ein dickes "Lob!"

In der Tat: Roll präsentier t als Geschäftsführer des Eigenbetriebs "Abfallwirtschaft Ortenaukreis" seit geraumer Zeit nur gute Zahlen – zuletzt so gute, dass es sich die Verwaltung sogar leisten konnte, ab 2017 eine Senkung der Hausmüllgebühren über alle Behältertypen hinweg um im Schnitt 5,5 Prozent anzukündigen. Der Kreistag gab grünes Licht. Zuletzt waren die Hausmüllgebühren acht Jahre davor erhöht worden.

Niedrige Müllgebühren
Der Preissenkung vorausgegangen war eine Gebührenkalkulation durch den Eigenbetrieb, die für den Hausmüll zuständige Abteilung im Landratsamt. Schnell war klar, dass das mengenabhängige Gebührensystem und das damit verbundene Angebot der 1994 eingeführten differenzierten Behälter-Palette, von 35 Litern bis 1,1 Kubikmetern, alternativlos sind. So bezahlt etwa ein 4-Personen-Haushalt im Jahr aktuell nicht 94 Euro, sondern drei Euro weniger – ein im Landesvergleich supergünstiger Preis. "Sehr erfreulich", sagte Landrat Scherer. Nur die Landkreise Rastatt (87) und Esslingen (90) liegen darunter, weit vorne hingegen die Städte Mannheim (230), Freiburg (226) und Konstanz (212 Euro). Emmendingen liegt bei 115 Euro, Freudenstadt bei 131 und Baden-Baden bei 143 Euro.

Deponien gut gefüllt
Das zur Verfügung stehende Volumen auf den Erdaushubdeponien im Ortenaukreis ist "endlich", weiß Martin Roll. Die freie Kapazität beträgt im Moment 1,4 Millionen Kubikmeter. Im Vorjahr wurden genau 467 000 Kubikmeter herangekarrt. In diesem Jahr fallen voraussichtlich sogar rund 500 000 Kubikmeter an, sechs Euro Gebühr pro Kubikmeter. "Würden wir nichts ändern, würden die freien Kapazitäten gerade noch zweieinhalb Jahre ausreichen", so Roll. Doch es wird sich was ändern: Für die Deponie in Niederschopfheim liegt vom Regierungspräsidium die Genehmigung für die Erweiterung bereits vor, für Achern-Maiwald, Kork und Zunweier wurde diese beantragt. Für Rammersweier und Ottenheim sowie den Lärmschutzwall Weier wurden die Ingenieursarbeiten beauftragt. Weitere Standorte werden auf eine Erweiterung hin geprüft. Für die inzwischen geschlossene Deponie Rust und die demnächst volle Deponie Kappel-Grafenhausen wird auf dem ZAK-Gelände eine Deponie mit einem Volumen von 750 000 Kubikmeter geplant.

Geringer Altpapiererlös
Über die Grüne Tonne eingesammeltes Altpapier brachte dem Kreis zuletzt keinen hohen Gewinn. Lag die Vergütung pro Tonne noch im August 2017 bei 151,20 Euro, so sank sie bis im Mai auf 72,40 Euro. Der Gewinn sank im selben Zeitraum von 45,32 auf 24,04 Euro. Im April sah es noch düsterer aus: Da lag der Gewinn sogar unter 20 Euro. "Wir können da nichts machen", sagt Roll, "die Altpapierpreise werden vom Markt bestimmt." Derzeit gebe es zu viel Altpapier. Dass viele Ortenauer Vereine ebenfalls Altpapier sammeln und dafür sogar noch einen Kreiszuschuss erhalten, sei "politischer Wille".