26. September 2009 00:53 Uhr
Schwarzwald-Soap
Die Fallers auf dem Westweg
Und läuft und läuft und läuft: Die Schwarzwald-Serie "Die Fallers" des SWR ist bei Folge 620 angekommen. Aktuell wird auf der Weißtannenhöhe bei Breitnau gedreht. Thema ist der Westweg.

- Dreharbeiten bei Breitnau: Die Fernsehfamilie Faller unterwegs auf dem Westweg. | Foto: Stephanie Schweigert
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Auf der Weißtannenhöhe bei Breitnau wird bereits für Folge 665 geprobt, die in einem Jahr ausgestrahlt wird, jetzt auch mit Johanna "Blümle" Faller, die mit ihrer Freundin Leni den Westweg bewandert und Hermann trifft. Wieder und wieder begrüßen sich die Darsteller probehalber, Johanna ruft "Brummel!", Leni sagt "Lass dich drigge, Hermann!", der Regisseur gibt Anweisungen. Um das Schauspiel scharen sich gut 30 Leute, Aufnahmeleiter, Beleuchter, Tonmänner, Maskenbildner, Requisiteur und Handwerker. Irgendwann ist alles im Kasten.
Außenaufnahmen sind eine komplizierte Kiste. Nur 30 Prozent der Faller-Szenen entstehen nicht im Studio in Baden-Baden. Dort dreht das Team durchschnittlich zehn Sendeminuten an einem Tag, draußen schafft es nur die Hälfte. Denn die ganze Ausrüstung muss mit Lastern angekarrt, auf- und wieder abgebaut werden. Am Waldrand bei Breitnau schleppt das Team Boxen, Scheinwerfer und Kameras für die nächste Einstellung einige Meter weiter, zieht Kabel durch den Wald, stellt das Zelt, in dessen Dunkel der Regisseur die Bilder der Kameras gleich kontrolliert, auf den echten Westweg. Auf dem laufen Wanderer verwundert Slalom, viele bleiben neugierig und sichtlich erfreut eine Weile stehen.
Drehorte wie die für die Westweg-Folgen sucht Szenenbildnerin Gertrud Esslinger anhand des Drehbuchs aus. Für sie muss es nicht immer der Originalschauplatz sein. "Wirkung geht vor Wirklichkeit", sagt die 51-Jährige, schließlich dreht man ja keinen Dokumentarfilm. Wichtiger ist, dass die Stimmung stimmt. Etwa der Ausblick: "Wir wollen natürlich die Sahnestückchen vom Schwarzwald zeigen." Gleichzeitig müssen die Orte auch mit Lastwagen voller Technik erreichbar sowie fern von Lärmquellen wie Baustellen sein.
Bei aller notwendigen künstlerischen Freiheit legt Gertrud Esslinger, die auch für Gestaltung zuständig ist, Wert auf Authentizität. Sie hat auch das Wegkreuz entworfen, das liebevoll mit alten Schindeln, bemoostem Schummel-Sandstein und weißem Vogelschiss ausgestattet ist. Der allerdings strahlt nun in der Sonne zu grell, und für die Aufnahmen wird etwas Dreck drüber gerieben.
Über den Westweg rückt eine Wandergruppe an, bleibt aber unschlüssig hinter den SWR-Lastern im Wald stehen. "Sie können schon noch durchgehen", sagt Aufnahmeleiter Daniel Geier. Also ab durchs Bild. "Richtige Menschen", sagt eine Wandersfrau im Vorbeigehen. "Der Liebling meiner Frau", ein Wandersmann zu Hermann-Darsteller Wolfgang Hepp, der freudig grüßen lässt. Bald ist die Einstellung geprobt, die Technik parat, die nächste Gruppe durchgewunken, die Schauspieler stehen auf Position. Alles fertig? Von wegen. Wieder kommen Wanderer. "Ja, sind wir hier auf dem Westweg, oder was?", scherzt Daniel Geier.
Der Fernwanderweg zwischen Pforzheim und Basel boomt, da ist sich Ursula Cantieni sicher. "Letztes Jahr bin ich ihn mit meinem Mann, also meinem richtigen Mann, zusammen gelaufen." Zu Hause bei Baden-Baden ging’s los und in elf Tagen über den Farrenkopf ("der ist hundsgemein"), die Kalte Herberge bis Lörrach. Unterwegs sei die Idee entstanden, Johanna und Leni auf die Piste zu schicken. Die Redaktion hat sie sofort aufgegriffen, erzählt Cantieni, und dass Wandern für sie immer ein Thema war. Sie stammt aus Graubünden, "da kriegt man’s mit der Muttermilch".
Das Thema scheint bestens zur bodenständigen TV-Serie zu passen. Einer der Zuschauer beim Dreh jedenfalls zieht das Schwarzwaldverein-Buch "Wandern rund um den Fallerhof" aus dem Rucksack, als er mit der Schauspielerin am Rande plaudert. Zwei andere sonnen sich auf der Bank, die das SWR-Team eigentlich nur für Hermanns Szene aufgestellt hat. Scheinwelt und Wirklichkeit sind wohl nicht so weit voneinander weg.
Autor: Simone Höhl




