Die Feier der Musik als Elixier des Lebens

Barbara Ruda

Von Barbara Ruda

Mo, 23. Juli 2018

Lörrach

STIMMEN II: Songhoy Blues und Témé Tan bewegen den Park.

LÖRRACH (rud). Ein paar junge Männer tragen am Samstag um kurz vor acht Uhr einen aufgeblasenen pinkfarbenen Flamingo in Richtung Eingang des Rosenfelsparks. Und daran vorbei. Was hätten sie dort beim "Stimmen"-Konzert mit Songhoy Blues mit dem Gummiboot auch anstellen können? Zum Chillen lassen das Quartett aus Mali und vorher schon der belgische MC Témé Tan mit Vorfahren in der Demokratischen Republik Kongo den etwa 400 Zuhörern im lauschigen Ambiente keine Gelegenheit.

Unter den von den Bühnenscheinwerfern immer wieder mit roten oder blauen Farbtupfern verzierten alten Bäumen gibt sich die Menge in die treibenden Rhythmen des rocklastigen Desert-Blues hinein und wiegt sich darin. Manche trommeln auf den Holztischen, sehr viele tanzen, und zwar vom Kind bis zu den Grauhaarigen. Man sieht barfüßige Tänzerinnen, nicht barbusige wie am Vorabend, als ein paar Zuhörerinnen Woodstock-Feeling überkam. Das Publikum von Songhoy Blues ist im Schnitt ein ganzes Stück älter als das bei Alice Phoebe Lou, Besucher aus Afrika kann man an einer Hand abzählen. Ben Hyland und seine Ehefrau aus Brighton gewinnen den Wettbewerb der am weitesten angereisten Gäste, den Markus Muffler jeden Abend auslobt.

Am Ende des Auftritts feiert Bandleader Aliou Touré, dass die Menge so lange durchgehalten hat. Er selbst macht es vor, zeigt eine unwahrscheinliche Kondition dabei, die energetischen Klänge unablässig in weiche, fließende Körperbewegungen zu übersetzen. So ist es nicht Hildegard am ersten Rosenfelspark-Abend, die sich im Fliegen übt, sondern er. Touré breitet immer wieder die Arme aus und kreist über die Bühnenbretter. Es fehlt nicht viel – und er hebt ab.

Das passt dazu, dass Songhoy Blues mit ihrer Musik ein befreiendes Zeichen gegen die fanatischen islamischen Kämpfer anspielten, die vor ein paar Jahren in ihre Heimat Mali eingefallen waren und im Norden eine Gewaltherrschaft errichtet hatten. Musik verboten die Jihadisten als erstes. Bei der Party am Samstag wurde sie dagegen von allen als Lebenselixier gefeiert.

Eine Bildergalerie finden Sie unter http://mehr.bz/stim-songhoy