Die gesetzte Zielzeit liegt schon jetzt in greifbarer Nähe

Kathrin Blum

Von Kathrin Blum

Mo, 17. Dezember 2018

Freiburg

BZ-SERIE AUF, LAUF! (2): BZ-Redakteurin Kathrin Blum bereitet sich auf Halbmarathon vor und war für eine Leistungsdiagnose bei Laufcoach Thomas Klingenberger.

FREIBURG. BZ-Redakteurin Kathrin Blum trainiert für den Halbmarathon im Frühjahr – und erzählt alle zwei Wochen, wie es läuft mit dem Laufen.

Ich gestehe: Dass jetzt zwei, drei Freiburger mitlesen, trägt nicht gerade zur Entspannung bei. Aber es motiviert. Sogar so sehr, dass ich es wage, zum Leistungsdiagnostiker zu gehen. Die Marathon-Macher von der FWTM empfehlen Thomas Klingenberger. Der 39-jährige Sportwissenschaftler nimmt jedes Jahr ein paar tausend Kilometer unter seine Laufschuhe – und mehr als 100 Läufer unter seine Fittiche, um sie zu Höchstleistungen zu führen. Ob meine Akte in seinem Leistungszentrum in vier Monaten mit dem Vermerk "gescheitert" in die Schublade wandert?

Zwei Stunden vor dem Treffen darf ich nichts mehr essen und nur noch Wasser trinken. Ich soll meine Laufsachen mitbringen. Und ein Handtuch. "Sie werden ins Schwitzen kommen", kündigt er an. Nach diesem Telefonat ist mir ein bisschen mulmig. Was erwartet er wohl? Werde ich mich hoffnungslos blamieren? So wie damals im Sportunterricht der Oberstufe, als ich beim Kugelstoßen mit meinem Ergebnis bei den Notenpunkten im Minusbereich lag? Am nächsten Tag bin ich so aufgeregt, dass ich kurz überlege, den Termin abzusagen. Ich entscheide mich fürs Mutigsein, warne Herrn Klingenberger aber per E-Mail vor. Er antwortet prompt. Dass ein wenig Nervosität normal, aber alles halb so wild sei.

In seiner Praxis bietet er gleich das Du an. "Schließlich machen wir gleich Sport zusammen." Vor dem Test weiht er in die Geheimnisse der Superkompensation ein, erklärt, warum zwischen zwei Trainingseinheiten keine Woche vergehen sollte (ertappt!), einmal trainieren wöchentlich ohnehin viel zu wenig ist (autsch!) und was ich sonst noch falsch mache (alles!). Aber gut, darum bin ich hier.

Dann schickt er mich aufs Laufband. Jeder, der schon einmal auf einem solchen gejoggt ist, weiß, wie man sich beim ersten Mal anstellt. Und ja – ich bin eine Frischluftläuferin, die das Laufband ausschließlich von den fünf Minuten kennt, die man auf selbigem läuft, wenn man im Fachgeschäft Sportschuhe kauft. Ob meines Gestakses bin ich peinlich berührt. Was Thomas Klingenberger nicht verborgen bleibt, schließlich hat er unter anderem meinen Puls im Blick ("ich kann in dich hineinschauen"). Auch als ich die wunderhübsche Maske aufsetze, die meine Sauerstoffaufnahme messen soll, macht der Puls einen Satz nach oben. Der Leistungsdiagnostiker lächelt nachsichtig. Oder ist es eher ein fieses Grinsen?

Als Klingenberger das Tempo erhöht, geht es noch ganz gut. Ich kann mich während des Staksens unterhalten und schaffe es sogar, den Puls des Sportwissenschaftlers zu beschleunigen ("es wäre auch gesünder für mich, wenn du ein bisschen weiter vorne auf dem Laufband laufen würdest"). Die dritte Stufe bringt mich schon etwas ins Schwitzen. Bei der vierten Stufe und gut zwölf Stundenkilometern Tempo werde ich das Bild in meinem Kopf nicht los, wie es mich rückwärts vom Laufband schmiert. Doch der Coach hat Erbarmen und erlöst mich, bevor es so weit ist.

Anschließend spricht er vor dem Hintergrund der Testergebnisse über die Verbesserung der Fettverbrennung, den Kohlenhydratstoffwechsel sowie Trainingsbereiche. Und dann sagt er noch Dinge, die mir ein breites Grinsen ins Gesicht meißeln, das ich den ganzen Tag nicht mehr loswerde. Etwa, dass meine Ergebnisse ganz ordentlich sind, meine gesetzte Halbmarathon-Zielzeit schon jetzt in greifbarer Nähe liegt und ich sie möglicherweise sogar unterbieten kann. Und er sagt tatsächlich, dass ich Talent habe für die Ausdauersportart Laufen. Ich, Talent und Sport in einem Satz: Danke, Thomas Klingenberger. Ach und liebe Oberstufensportlehrerin Maxi König: Bitte lesen Sie das.