Die Granja sieht schweren Zeiten entgegen

Hrvoje Miloslavic

Von Hrvoje Miloslavic

Sa, 23. Juni 2018

Wehr

Kosten für die Instandsetzung einer Küche und von Schlafräumen des argentinischen Heims würden 10 000 Euro betragen / Unterstützung aus Wehr bleibt wichtig.

WEHR. Einen auch in persönlicher Hinsicht sehr hohen Verlust hat der Förderverein Granja El Ceibo zu beklagen. Verstorben ist in diesem Jahr der Gründer und Ehrenvorsitzende des Vereins, Carl-Erich Wiesner. Bei der jüngsten Hauptversammlung am Mittwoch versicherte die sichtlich berührte Vorsitzende Barbara Schanz den Mitgliedern, dass der Verein "in seinem Sinne weiterarbeiten wird".

Wie der vom stellvertretenden Vorsitzenden Richard Blatter verlesene Bericht Hans-Gerd Wiesners zur Lage der Granja im argentinischen Rafaela (Provinz Santa Fe) verdeutlichte, ist die Unterstützung aus Wehr für die Behinderteneinrichtung nötiger denn je.

Zum einen gibt die wirtschaftliche und soziale Situation in dem südamerikanischen Land Anlass zu großer Sorge: Inflation und Preissteigerungen, Drogenproblematik und Kriminalität in der 93 000 Einwohner zählenden Stadt und ein fast bankrotter Staat machen der Granja schwer zu schaffen. Zu allem Überfluss hat eine große Dürre mit Ernteausfällen die Region heimgesucht.

"Es sind die schwierigsten Zeiten, die wir je durchgemacht haben", so der dramatische Appell Wiesners an seine Förderer in Deutschland. Finanziell zu stemmen hat Wiesner auch die Folgen der neuen argentinischen Inklusionsgesetzgebung. Will die Granja noch in den Genuss der ohnehin spärlich und unregelmäßig fließenden Fördergelder des Staates kommen, ist eine Kategorisierung der Einrichtung nötig, die mit nicht unerheblichen Baumaßnahmen verbunden ist.

Die Kosten für die Instandsetzung einer Küche und von Schlafräumen bezifferte Wiesner auf rund 10 000 Euro. Derzeit erwirtschafte die Granja ein monatliches Defizit von rund 2000 Euro. "Bis Dezember kommen wir aber hin", ließ Wiesner den Förderverein wissen. Dem Einsatz Wiesners für Hilfsbedürftige und behinderte Menschen tut die schwierige Lage freilich keinen Abbruch.

In Zusammenarbeit mit der psychiatrischen Klinik Rafaelas haben die Kochkurse sogar eine Erweiterung im Sinne medizinisch-therapeutischer Maßnahmen erfahren. Als erfreulich festzuhalten ist außerdem, dass der Granja der Status einer Ausbildungsstätte zuerkannt worden ist, in der 24 angehende Schreiner demnächst ihre Berufsausbildung antreten können.

Bei aller Sorge sieht Wieser, der den Unterstützern in Wehr seinen großen Dank ausrichten ließ, "sehr hoffnungsvoll in die Zukunft". Besonders aber die positiven Reaktionen und Entwicklungen der Jugendlichen, die auf der Granja Hilfe suchten, zeigten, "wie sehr die Arbeit ihre Früchte trägt". Jugendliche, die bisher nur Gewalt erfahren hätten, würden "zu ganz anderen Menschen", betonte Wiesner in seinem Bericht. Des tatkräftigen Engagements von Seiten des Fördervereines kann sich die Granja jedenfalls gewiss sein. Schanz kündigte für dieses Jahr die Fortführung der Benefizveranstaltungen an.

Zu rechnen sei in den nächsten Tagen mit dem Eingang von Spendengeldern, die dem Einsatz der Sternsinger zu verdanken sind. Anzutreffen sein werden die Mitglieder des Fördervereines künftig auch auf dem Brennet-Areal vor dem Schmidt´s Markt in Bad Säckingen. Dieser hat dem Förderverein den Verkauf seiner Produkte auf dem Marktgelände gestattet.

Der Förderverein zählt 124 Mitglieder und unterstützt die Arbeit von Hans-Gerd Wiesner im argentinischen Rafaela, der dort eine Einrichtung für Menschen mit Behinderung gegründet hat. Informationen und Kontakt: Richard Blatter, 07762/1000. Infos unter: http://www.granja.de