Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

14. Juli 2012

Die große Verwandlung

Wie aus der Fohlenweide in Schutterwald mit gemeinsamer Anstrengung vieler Helfer ein Meisterschaftsdorf wird.

  1. Jochen Teufel aus Altenheim auf dem Springplatz. Foto: Alexandra Buss

  2. Constanze Borrmann im Dressurviereck. Foto: Alexandra Buss

  3. Entspannung im Grünen Foto: Bilder: Alexandra Buss (3)

REITEN. Seit Donnerstag steht in Schutterwald wie alle Jahre der Reitsport im Mittelpunkt. Die Landesmeisterschaft von Baden-Württemberg wird ausgetragen. 196 Reiter mit 320 Pferden haben rund 1000 Startplätze reserviert. 19 Titel im Springen, Dressur und Voltigieren werden vergeben. Bei der Organisation hat der Reiterverein Schutterwald 25 Jahre Erfahrung und verwandelt immer wieder seiner Reitanlage Fohlenweide in ein Meisterschaftsdorf.

Vor zehn Tagen träumte die Reitanlage auf der Fohlenweide noch vor sich hin. Die Rosen wurden beschnitten, Äste aufgesammelt, die Stürme von den Bäumen gerissen haben. Reiter putzten ihre Pferde oder trainierten auf dem Springplatz. Nur wer genau hinsah, entdeckte die ersten Anzeichen einer großen Verwandlung. Hochgestapelte Stühle vor der Reithalle und frisch gestrichene weiße Zäune kündeten an, dass sich in bald hunderte Reiter, Helfer und Zuschauer hier tummeln werden. Noch arbeiteten die Organisatoren im Hintergrund, koordinierten nicht nur die Wettkämpfe, sondern auch ein exklusives Rahmenprogramm mit der legendären Schutterwälder Pferdenacht am Samstagabend.

Werbung


"Oh nein!", stöhnte nicht nur Reiner Osswald, Vorsitzender des Reitervereins Schutterwald, als schon wieder ein Gewittersturm in der Nacht über Schutterwald hinwegbrauste und erneut Äste über die Reitanlage fliegen ließ.

Eine Woche vor dem Turnierbeginn ging es richtig los. In der Reithalle wurde nicht nur eine Zuschauertribüne aufgestellt, sondern auch die Beregnungsanlage abgebaut. Mit dieser Anlage wird die Halle komfortabel staubfrei gehalten. Ein besonderer Gesundheitsschutz für Reiter, Voltigierer und Pferde. "Unsere Halle ist für die hochklassigen Voltigiermannschaften mit der Beregnungsanlage nicht hoch genug. Die Sicherheit geht vor", erklärt Reiner Osswald. Menschliche Pyramiden und hohe Salti auf den Pferden gehören zum Repertoire der Mannschaften. Es kommen unter anderem die S-Gruppen der RV Leonberg und Nordheim, sowie von Pegasus Mühlacker. Die Besucher können nicht nur die akrobatischen Leistungen der besten Einzelvoltigierer des Landes der Junioren und Senioren erleben, sondern auch die amtierende Europameisterin im Doppelvoltigieren Theresa Bresch mit ihrem Doppelpartner Daniel Rein.

In den nächsten Tagen veränderte sich die Reitanlage fast stündlich. Das Wertungshäuschen strahlte mit der Sonne um die Wette. Die Festzelte wurden aufgebaut. Die Großen gleichen einem Tanzsaal. Biergarnituren, Tische und Stühle sowie Bedienungstheken fanden hier ihren Platz. Es entstand eine Genuss- und Flaniermeile, die von süß bis herzhaft für (fast) jeden Geschmack etwas bietet. "Wir wollen, dass sich unsere Gäste wohlfühlen", bestätigt Alexandra Kühne, Mitorganisatorin der Meisterschaften. Dafür scheuen sie keine Mühen.

Auf der Wiese nahe dem Baggersee wurden die Stallzelte aufgebaut. Mit Muskelkraft zogen die Helfer große Zeltplanen über das Gestänge. Trotz der anstrengenden Arbeit waren sie gut gelaunt, freuten sich auf die kommenden Turniertage. 320 Pferde haben in den zehn Stallzelten Platz. Das Ersteinstreu stellt der Reitverein Schutterwald. Heu und Stroh können für die Pferde nachgekauft werden. "Das Kraftfutter wird für die Pferde individuell zusammengestellt und von den Besitzern mitgebracht", erklärte Andreas Maile, Mitglied im Vorstand des RV Schutterwald, auf Nachfrage. Er koordinierte den Aufbau des Meisterschaftsdorfes.

"Wir Vereine unterstützen
uns bei den Festen"

Alexandra Kühne
Seit einer Woche werden auch die Reitplätze täglich bewässert. Der Spezialsand auf dem großen Springplatz verdichtet sich durch die regelmäßige Bewässerung. Wenn es regnet – was leider zu erwarten ist – läuft das Wasser ab, ohne dass sich große Pfützen bilden können.

Doch Hilfe kommt nicht nur von den Mitgliedern des Reiterverein Schutterwald. "Wir Vereine unterstützen uns bei den Festen", erzählt Alexandra Kühne. Zur Fasent hilft der Reiterverein bei der Pflumedrucker Narrenzunft. Mitglieder der Narrenzunft hängen jedes Jahr ihre Lichterkette auf der Reitanlage auf und bewirten am Bierstand während der Sommernachtsparty am Freitagabend. Der TTC Langhurst und die Schelmle Hexen helfen auch bei der Bewirtung.

Mittwochabend ist fast alles fertig und trotzdem wuseln noch viele Helfer auf der Reitanlage. Eine freudige Erwartungsspannung liegt in der Luft. Und schon die Jüngsten wissen, wann sie zum Arbeitsdienst eingeteilt sind. Alle wollen helfen, damit es wieder tolle Meisterschaftstage werden. Die verträumte Reitanlage hat sich in wenigen Tagen zu einem Meisterschaftsdorf herausgeputzt. Ganz so, als ob so eine Großveranstaltung fast alltäglich sei.

Autor: Ute Winkler