Die halten immer still

Claudia Füßler

Von Claudia Füßler

Sa, 12. Mai 2018

Neues für Kinder

Zu Besuch bei einer Tierpräparatorin, die Tiere für Museen und für die Wissenschaftler haltbar macht.

Die Augen glitzern dunkel und das Gefieder sieht aus wie frisch geputzt. Gleich wird sie wegfliegen, die Eule, wenn sie merkt, dass sich jemand nähert. Doch sie bleibt still auf ihrem Ast hocken. Denn sie ist tot. Dass sie dabei dennoch so lebendig aussieht, dafür ist Daniela Reininghaus verantwortlich. Sie arbeitet als sogenannte Präparatorin am Freiburger Museum Natur und Mensch.

"Die Aufgabe eines Tierpräparators ist es, ein totes Tier haltbar zu machen, so dass die Menschen es danach noch anschauen und von ihm lernen können", erklärt Daniela Reininghaus. Manche Tiere werden nur in wissenschaftlichen Sammlungen aufbewahrt, damit Forscher sie untersuchen und dokumentieren können. Diese Exemplare bekommen zum Beispiel keine Glasaugen, denn hier kommt es nicht auf Schönheit an. Die Tiere jedoch, die Besucher in einem Museum sehen können, werden besonders schön hergerichtet. Schließlich kann man da ganz nah herangehen und jedes Detail bestaunen: Wie groß sind die Zähne des Dachses? In welchen Farben schillert die Haut des Leguans?

Bevor es so weit ist, muss Daniela Reininghaus erst einmal ziemlich viel arbeiten. Jedes Tierpräparat beginnt mit einem toten Tier. Das ist entweder an Altersschwäche oder durch einen Unfall gestorben. Als Erstes kommt es in die Tiefkühltruhe. Das macht das Bearbeiten später leichter, da die Körperflüssigkeiten der Tiere dann fester, eben durchgefroren, sind. Zuerst wird das Tier von der Haut befreit, die sollte möglichst an einem Stück bleiben. Dann werden alle Muskeln und Gefäße entfernt. Sie werden später durch künstliche Materialien ersetzt. Auch Gehirn und Augen werden entfernt. Die großen Knochen wie die der Arme und Beine werden meist gesäubert und wieder in das Präparat eingebaut. "So bleiben auch die Größenverhältnisse des Tieres gut erhalten, ohne dass wir diese extra abmessen und nachbasteln müssen", sagt Daniela Reininghaus. Es wird auch versucht, den echten Schädel für das Präparat zu verwenden. So wirkt das Tier besonders natürlich.

Schwierig sind Tiere, die kein Fell oder Gefieder haben. "Diese verzeihen dem Präparator fast keine Fehler", sagt Daniela Reininghaus. Das heißt: Man sieht hinterher alles. Bei Vögeln ist ein falscher Schnitt meist kein Problem, da hängen hinterher die Federn drüber. Wobei es auch hier Unterschiede gibt: "Bei einem Huhn darf durchaus mal was schief gehen, aber eine Taube zum Beispiel hat viel weniger und kürzere Federn und zudem eine wahnsinnig dünne Haut, da muss ich sehr vorsichtig sein", erklärt Daniela Reininghaus. Am liebsten macht sie Eulen für die Ewigkeit haltbar: "Die haben ein ganz weiches Gefieder, gleichzeitig sind sie so robust und schön. Ich bin immer wieder begeistert davon, was die Natur alles kann." Die Augen für ihre Eule bestellt Daniela Reininghaus im Augenkatalog der Vögel Mitteleuropas. Rot? Braun? Hellblau? Rund? Oval? Hier finden sich für jeden Vogel die passenden Glasaugen, und auch für alle anderen Tiere gibt es solche Kataloge.

Neben all der handwerklichen Arbeit nutzen Daniela Reininghaus und ihre Kollegen auch häufig das Internet: "Auf Bildern und in Videos sehen wir, wie die Tiere sich bewegen, welche Körperhaltung sie haben. Nur so können wir sie so echt wie möglich nachbilden." Würde sie zum Beispiel die Füße der Eule, die auf dem Ast sitzt, unter der Hüfte platzieren, wäre das falsch: "Die Eule hätte dann die Haltung von einem Huhn."