Die heiße Phase beginnt

Jens Kitzler

Von Jens Kitzler

So, 13. Januar 2019

Freiburg

Der Sonntag Etwas spät, dafür mit breitem Bündnis beginnt auch der Wahlkampf pro Dietenbach.

Kommende Woche geht der Wahlkampf zum Bürgerentscheid Dietenbach in die heiße Phase. Während die Gegner des neuen Stadtteils schon länger aktiv sind, sammeln sich jetzt auch die Befürworter, vor allem in einer breiten Gemeinderats-Mehrheit. Auch die SPD kann mitmachen, denn ihre Mitgliederversammlung sprach sich gestern pro Dietenbach aus.

"Das hier ist der Wahlkampf-Auftakt, den bis auf eine Fraktion alle zusammen bestreiten", so eröffnete Grünen-Fraktionschefin Maria Viethen am Freitag eben jenen Auftakt. Die fehlende Fraktion war natürlich Freiburg Lebenswert/Für Freiburg, die einen neuen Stadtteil für Freiburg bekanntlich ablehnen. Grüne, CDU, FDP, SPD, die JPG-Fraktion, die Freien Wähler und die Unabhängigen Listen waren am großen Tisch vertreten und gaben ihre Statements ab.

"Wir brauchen vor allem Wohnungen für Leute mit niedrigem und mittleren Einkommen", erläuterte Viethen das Ziel der Planungen. Und natürlich wolle man das Spielfeld hier nicht irgendwelchen Investoren überlassen, das hätten auch die bisherigen Gemeinderatsentscheidungen bereits umrissen. "Wir legen fest, wer baut – und was gebaut wird." Natürlich beriefen sich alle Teilnehmer des Bündnisses auf die Quote für 50 Prozent geförderten Mietwohnungsbau, die der Gemeinderat Ende vergangenen Jahres bekräftigt hat, auch wenn ein Entscheid dazu ohnehin schon bestand. "Wir werden darauf bestehen, dass diese Auflagen jedem Bauträger ins Grundbuch geschrieben werden", so Michael Moos, Fraktionsvorstand der Unabhängigen Listen.

Um diesen Kern herum ergänzten die Fraktionen, was sie sich von dem neuen Stadtteil noch alles erhoffen. Ein gesunder Mix enthalte beispielsweise auch die Möglichkeit, Eigentum zu erwerben, sagt CDU-Stadträtin Carolin Jenkner. "Gerade junge Familien aus Freiburg sind daran oft sehr interessiert." Sascha Fiek (FDP) verwies darauf, dass ein geplanter Stadtteil fortschrittliche Optionen ermögliche, "Dietenbach Digital" heißt das Schlagwort. "Das kann der Startschuss für eine Smart-City sein."

Für kommenden Dienstag lädt das Bündnis Interessierte, vor allem aber andere Pro-Dietenbach-Mitstreiter zu einem Informationsabend um 19 Uhr ins Bürgerhaus Seepark ein. "Da wollen wir noch einmal erklären, was passiert – und weitere Unterstüzter gewinnen", sagt Carolin Jenkner. Früh dran ist die Initiative damit nicht, gerade mal etwas mehr als einen Monat ist es von dort bis zum Bürgerentscheid – die Dietenbach-Gegner sind schon länger unterwegs.

Auf der Pressekonferenz am Freitag hörte man darum einige der bislang seltenen Reaktionen auf die Argumente der Stadtteilgegner. "Eine Stadtentwicklung, die bald 900 Jahre dauert, hört jetzt nicht einfach auf", erklärte Michael Moos. Freiburgs Wachstum resultiere vor allem aus Eigendynamik, erklärte Johannes Gröger von den Freien Wählern.

Eine Zunahme der Single-Haushalte, immer mehr ältere Menschen, die noch lange nach dem Auszug der Kinder in ihren großen Räumlichkeiten verbleiben wollten, solche Faktoren führten zum erhöhten Flächenbedarf. "Wir hören immer, wer da noch alles nach Freiburg kommen will: Die Russen, die Chinesen, Reiche aus Hamburg", sagt Grünen-Fraktionsvize Gerhard Frey. "Aber es sind die Erzieherinnen aus den Kitas, die Krankenpfleger und die Handwerker, die hier eine Wohnung suchen." Das Wirtschaftswachstum der Stadt, die Arbeitsplätze ließen die Stadt wachsen, ergänzte Renate Buchen (SPD). Und nicht irgendwelche Leute, die hier herkämen, weil es hier so schön sei.

Buchens Fraktion weiß seit gestern, dass sie den Wahlkampf mit Unterstützung der Partei führen kann: Auf einer Mitgliederversammlung sprachen sich die Sozialdemokraten des Kreisverbands mit 59 Stimmen mehrheitlich für den neuen Stadtteil aus, bei zwei Nein-Stimmen und zwei Enthaltungen. In der Debatte sei klar geworden, dass neuer Flächenverbrauch niemandem leicht falle, erklärt der Kreisvorsitzende Julien Bender. "Aber wegen des Wohungsmangels ist der Stadtteil einfach dringend notwendig."
Veranstaltungen zum Bürgerentscheid: Pro Dietenbach Wahlkampfauftakt, Dienstag, 15. Januar, 19 Uhr im Bürgerhaus Seepark. Auftakt der gegnerischen Initiative "Rettet Dietenbach" am Mittwoch, 16. Januar, 19.30 Uhr in der Katholischen Akademie, Wintererstraße 1. Pro und Contra Dietenbach am Donnerstag, 17. Januar, 19.30 im Glashaus Rieselfeld.