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20. Juni 2012

"Die Jüngeren sind eine Herausforderung"

BZ-INTERVIEW mit Barbara Huber-Kramer, Leiterin der Maulburger Kindertageseinrichtung Neue Straße, über das Wachstum ihrer Einrichtung.

  1. Barbara Huber-Kramer, die Leiterin der fünfgruppigen Kindertageseinrichtung Neue Straße, und zwei ihrer Schützlinge. Foto: Robert Bergmann

MAULBURG. Ein Umbau nach dem anderen hält seit einigen Jahren die Kindertageseinrichtung Neue Straße in Atem. Mit großem Einsatz wurde Platz geschaffen für die Betreuung von Unter-Dreijährigen (U 3). BZ-Redakteur Robert Bergmann hat mit Leiterin Barbara Huber-Kramer über die Veränderungen gesprochen, die die Vergrößerung um zwei Krippengruppen für das Arbeitsklima in der Einrichtung mit sich bringt. Und er wollte wissen, warum nach wie vor so wenige Männer als Erzieher arbeiten.

BZ: Ihr Haus gehörte ja schon immer zu den nicht eben kleinen sozialen Einrichtungen im Ort. Seit kurzem aber ist es durch diverse Um- und Anbauten nochmals kräftig gewachsen.

Huber -Kramer: Es stimmt, die Kindertageseinrichtung Neue Straße hat sich seit meinen Anfängen vor 19 Jahren unglaublich vergrößert. Wir sind inzwischen eine fünfgruppige Einrichtung mit regelmäßig 93 zu betreuenden Kindern unterschiedlichsten Alters. Wobei der Ausbau, von dem Sie sprechen, ja bereits seit 2008 vorangetrieben wird. Vergangenes Jahr kamen dann noch der Einbau einer zweiten Ebene und diverse Umbauten im Untergeschoss hinzu. Jüngste Maßnahmen sind der Umbau der ehemaligen Hausmeisterwohnung sowie der kommende Woche beginnende Bau eines Außenbereichs für die Krippenkinder.

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BZ: Was hat dieses Wachstum für Konsequenzen auf das Miteinander in der Einrichtung?

Huber-Kramer: Für die Arbeitsatmosphäre ist besonders gravierend, dass die Vergrößerung des Kindergartens natürlich mit einem entsprechenden Ausbau des Personals einherging. Ich trage heute Verantwortung für 25 Mitarbeiterinnen, 18 davon allein als Erzieherinnen. Aus nur 10 bestand das Stammteam noch vor vier Jahren. Das ändert natürlich einiges, aber die Atmosphäre bei uns ist nach wie vor sehr gut und die Mitarbeiterinnen sind engagiert und motiviert.

BZ: Wo liegt Konfliktpotenzial durch die Vergrößerung des Teams?

Huber-Kramer: Die Mitarbeiterinnen müssen sich noch viel stärker als früher auf mich verlassen können. So lassen sich etwa die Informationen über den Umbauprozess nicht mehr einfach eins zu eins in Teambesprechungen transportieren, weil der Schichtbetrieb dafür viel zu komplex geworden ist. Auch sind durch die personelle Aufstockung neue Persönlichkeiten in den Betrieb eingetreten, deren Bedürfnisse berücksichtigt sein wollen. Ich selber habe weniger Zeit für den Einzelnen und muss für Gesprächstermine stärker als früher Prioritäten setzen, all das bringt natürlich Neuerungen mit sich. Das Thema Personalführung ist also mit dem Ausbau sehr viel wichtiger geworden. Wir wollen schließlich weiter alle gemeinsam an einem Strang ziehen. Für die Führungsaufgabe wünsche und benötige ich Unterstützung.

BZ: Welche Veränderungen bringt die seit 2008 bestehende so genannte U 3-Betreuung mit sich?

Huber-Kramer: Der U 3-Bereich mit seinen mittlerweile zwei Gruppen ist eine absolute Bereicherung fürs ganze Haus. Für uns Erzieherinnen sind die Jüngeren dabei durchaus auch eine Herausforderung. Kinder in diesem Alter machen völlig andere Entwicklungsschritte, die sorgfältig dokumentiert sein wollen. Wenn die Jungen und Mädchen mittlerweile fünf Jahre bei uns sind, hat das natürlich auch Auswirkungen auf die Konzeption. So können wir Kinder, die schon mit einem Jahr zu uns kommen, sehr viel intensiver pädagogisch begleiten. Wer so viele Jahre seines jungen Lebens hier verbringt, wird die Kindertageseinrichtung sicher ein Stück weit als seine Familie betrachten.

BZ: Und was haben Sie in der Vorbereitung auf die Krippenbetreuung nicht so absehen können?

Huber-Kramer: Wir haben zu Beginn sicher nicht richtig eingeschätzt, wie viel Mehrarbeit durch den U 3-Bereich auf uns zukommt. Kinder in diesem Alter können nicht sprechen, deshalb müssen wir, um die Eltern über die Entwicklung auf dem Laufenden zu halten, wirklich alles notieren, was sich beim Sprössling im Laufe eines Kindergartentages so alles getan hat. Das ist natürlich sehr zeitaufwendig. Wir haben eine Weile gebraucht, um unseren Anspruch auf eine möglichst umfassende Dokumentation auch wirklich zu erfüllen, ohne dass andere Aspekte unserer Arbeit darunter leiden.

BZ: Im Vergleich ist der Steegmattkindergarten in der Öffentlichkeit derzeit deutlich weniger präsent als Ihre Einrichtung. Ist die Zwei-Kindergarten-Konstellation in Maulburg ein Auslaufmodell?

Huber-Kramer: Nein, ganz sicher nicht. Wir sind zwar dadurch, dass wir ständig um- und ausbauen oder neues Personal einstellen, zur Zeit sehr im Gespräch, aber am Steegmatt-Kindergarten wird ebenso viel wertvolle und eigenständige Betreuungsarbeit geleistet, wie bei uns. Die Gemeinde war dabei vor einigen Monaten nach meinem Eindruck sehr gut beraten beiden Kindergärten ein klares Profil zu geben. Wir sind übrigens mit dem Steegmatt-Kindergarten durch eine enge Kooperation eng verbunden.

BZ: Vergangenes Jahr hatte die Kita mit personellen Engpässen zu kämpfen, zeitweilig musste sogar eine Gruppe geschlossen werden. Haben Sie diese Probleme mittlerweile im Griff?

Huber-Kramer: Wir haben im vergangenen Jahr mit gleich sechs Krankheitsfällen aufs Mal natürlich auch großes Pech gehabt. Mittlerweile haben wir bei den Springkräften aufgestockt und können für Krankheitsfälle zusätzlich noch auf drei Externe zurück greifen. So hoffen wir für den Fall der Fälle besser gerüstet zu sein, als damals.

BZ: Im Kindergartenbereich tut sich ja nach wie vor einiges. Der Erzieherinnen-beruf ist so anspruchsvoll wie nie zuvor. Und trotzdem meiden Männer nach wie vor die Ausbildung. Sehen Sie Möglichkeiten, da Abhilfe zu schaffen?

Huber-Kramer: Ich persönlich bedaure, es dass wir in der Neuen Straße keinen einzigen Mann im Team haben, mein Ideal wäre eine paritätische Mann/Frau-Besetzung in allen fünf Gruppen. Tatsächlich aber gibt es zur Zeit bei den pädagogischen Fachschulen oder in den Kindergärten nur sehr Bewerbungen von Männern für diesen so spannenden und ungeheuer vielfältigen Beruf. Klar ist: Solange ein Mann mit dem bescheidenen Gehalt, von dem ein Erzieher/eine Erzieherin nach wie vor leben muss, kaum eine Familie ernähren kann, wird sich an diesem Zustand auch nichts ändern.


ZUR PERSON: Barbara Huber-Kramer

(Jahrgang 1961) ist seit 1993 Leiterin der Kindertageseinrichtung Neue Straße. Die gebürtige Lörracherin hat ihre Ausbildung zur Erzieherin zwischen 1981 und 1983 an der Mathilde-Planck-Fachschule für Sozialpädagogik in Lörrach absolviert. Nach ihrem Anerkennungsjahr in der Lörracher Kindertagesstätte Guter Hirte arbeitete sie in dieser Einrichtung zwischen 1985 und 1993. Sie war dort stellvertretende Leiterin. In ihren Zeit als Erzieherin hat sich Huber-Kramer beständig fortgebildet. Zwischen 2000 und 2002 absolvierte sie ein berufsbegleitendes Studium Betriebswirtin für Krankenhaus/Sozialmanagement, im vergangenen Jahr kam eine Ausbildung als Wirtschaftmediatorin hinzu. Barbara Huber-Kramer ist verheiratet.  

Autor: rbr

Autor: rbr