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20. Juli 2012

Die jüngste Artistin ist drei Jahre alt

Der Ettenheimer Circus Paletti probt derzeit für seine Auftritte in Endingen und Ringsheim vom 28. Juli bis 5. August.

  1. Artistisch – eine Gruppe des Circus Paletti bei den Vorbereitungen für die diesjährige Tournee. Foto: Sophie Passmann

ETTENHEIM. Hektisch ist es an diesem Sonntagmorgen in der Stadthalle. Es werden Turngeräte aufgebaut, in Handarbeit Pailletten auf Kostüme genäht, zwischen Einrädern und Sportmatten wärmen sich die ersten Artisten für ihre Nummer auf. Es ist Generalprobe des Circus Paletti und die Vorführungen müssen stehen. In knapp zwei Wochen geht es mit dem Programm auf Tour. Dieses Mal wird der Zirkus in Endingen und Ringsheim halten, heute ist die letzte Chance für die vielen Artisten, ihre Nummer fehlerfrei vorzuführen. Alois Godt, der den Zirkus vor 23 Jahren mitgründete, hat allerdings keine Bedenken. "Bis jetzt haben die Nummern spätestens auf der Bühne geklappt."

Trotzdem ist die Generalprobe für Alois Godt und die Regisseurinnen des Programms ein wichtiger Tag. "Wir können letzte Anregungen geben und kleine Verbesserungsvorschläge geben." Die Nummern allerdings erarbeiten die Auftretenden ganz alleine oder in der Gruppe. Erst bei den Hauptproben acht Wochen vor der Premiere findet sich die gesamte Truppe zusammen und sieht, mit welchen Darbietungen die Anderen im Jahr auftreten werden. Dann können noch einzelne Punkte geändert werden.

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Etwa 35 aktive Mitglieder stehen dieses Jahr bei den dreizehn Aufführungen in der Manege. Für einen alten Hasen im Zirkusgeschäft wie Alois Godt gehört die Hektik bei der Generalprobe schon dazu. Der 73-Jährige wird in diesem Jahr auf dem Hochseil im Zirkus auftreten, das ist schon fast Tradition. Die etwas jüngeren Artisten beim Circus Paletti wirken nervöser. So auch die neunjährige Sophia, die an diesem Morgen als Allererste ihre Nummer vor der Truppe vorführen muss. Sie präsentiert Artistik mit dem Gymnastikball, seit etwa zwei Jahren übt sie mit dem Gerät schon, doch das erste Mal ist sie beim Zirkus dabei. Während sie gemeinsam mit ihrem Vater noch einmal die Wippen und Rampen für ihre Nummer überprüft, wandelt sich die Hektik in der Halle in Sekundenschnelle in Konzentration um.

Das Regieteam bittet per Mikrofon um Ruhe für die erste Darbietung, die vielen Artisten in der Halle verstummen und schenken der aufgeregten Sophia ihre Aufmerksamkeit. Diese meistert die letzte Probe vor ihrem allerersten Auftritt in der Manege mit Bravour. Ohne einen Fehler führt sie ihre schwierige Nummer vor. Schnell holt sie sich neben einer Menge Lob noch letzte Tipps vom Regieteam ab. "Warte nach Deinen Figuren länger, damit die Leute genug Zeit haben, zu klatschen!"

Leon und Lukas sind zwar fast genauso alt wie Sophia, die beiden Diabolokünstler gehören allerdings schon seit langen Jahren zum Zirkus und kennen die Hektik in den Haupt- und Generalproben. Lukas’ Großvater Peter Frey war 1989 Mitbegründer vom Zirkus, der Achtjährige ist also Paletti-Artist in der dritten Generation. Gemeinsam mit seinem Freund Leon feilen sie im Vorraum der Stadthalle noch einmal an ihrer Nummer mit dem Diabolo, während die Einradgruppe daneben ein letztes Mal ihre Choreographie durchgeht. Dieses Jahr haben sie sich für das Thema "Piraten" entschieden. Auch wenn der Zirkus nur einmal im Jahr auftritt, üben die beiden ständig mit dem Diabolo. Etwa 20 Tricks können sie schon, es werden ständig mehr. "Wir wollen dem Publikum jedes Jahr etwas Neues zeigen."

Die Nachwuchskünstler freuen sich nicht nur auf die Auftritte, sondern auch auf die Zeit mit der Zirkustruppe. Es herrscht eine familiäre und ausgelassene Stimmung zwischen den vielen Künstler und Helfern an diesem Sonntagmorgen. Viele Mitglieder im Zirkus sind schon von Kindesbeinen an in der Truppe dabei. Dass sich der Zirkus in den nächsten Jahren um Nachwuchsartisten vermutlich keine Sorgen machen muss, sieht man auf den ersten Blick. Während die Kunstturnerinnen sich für ihre anspruchsvolle Nummer aufwärmen, bildet sich am Hallenrand die dazugehörige Krabbelgruppe. Die Kleinkinder schauen ihren Müttern bei Flick Flack und Salto zu und schnuppern selber die erste Zirkusluft. Beim Circus Paletti lautet die Devise: Früh übt sich. In diesem Jahr ist die jüngste Artistin gerade einmal drei Jahre alt.

Die Aufführungen: Endingen: Workshop am Samstag, 28. Juli, um 10 Uhr; Auftritte von Samstag bis Montag, 28. bis 30. Juli, jeweils 15 und 20 Uhr; Ringsheim: Workshop am Donnerstag, 2. August, um 14 Uhr, abends Auftritt um 20 Uhr; weitere Auftritte von Freitag bis Sonntag, 3. bis 5. August, 15 und 20 Uhr.

Weitere Informationen unter http://www.circus-paletti.de

Autor: Sophie Passmann