Die Leiden des Kriegs

Susanne Ramm-Weber

Von Susanne Ramm-Weber

Mo, 03. Juli 2017

Kultur

Barockes in Ettenheim.

ETTENHEIM. Am Mittwochabend waren der Countertenor Fritz Vitzthum und das Capricornus Consort Basel mit einem rein barocken Programm zu Gast Ettenheimer Musiksommer im Bürgersaal des Ettenheimer Rathauses. Die Komponisten sind mit Ausnahme von Heinrich Schütz (1586 – 1672) weniger bekannt. In den vorgetragenen "Himmels-Liedern" geht es um Leiden der Kriegszeit während des Dreißigjährigen Krieges.

Entsprechend eindringlich ist die Musik. Schon gleich zu Beginn mit dem Lied "Unser Leben ist mit vieler Not umgeben: Kommt ihr Stunden" von Philipp Heinrich Erlebach (1657 – 1714) lässt sich erahnen, dass es ein großartiger Liederabend wird. Das Capricornus Consort Basel begleitet zurückhaltend und bietet dem Sänger sein Fundament. Die Stimme klingt kaum künstlich, wie oft bei Countertenören. Bei Fritz Vitzthum liegt sie im Mezzo-Sopran-Bereich, in der Höhe warmen Klang ist sie erstaunlich voluminös. Die Verzierungen barocker Art nimmt der Sänger leicht und schlank, die Tongebung ist groß. Anstoß zu diesem Programm waren zwei Lieder von Johann Hildebrand (1614 – 1684) aus der Sammlung "Kriegs-Angst-Seuffzer", die 1645 in Leipzig erschienen ist. Beide Lieder haben große Schlichtheit und zugleich höchste Emotion, die voller Emphase vorgetragen wird. Die Schlichtheit liegt auch im Text, der eine sehr direkte einfache Sprache spricht: "Ach Gott! Wir haben’s nicht gewußt, was Krieg vor eine Plage ist. [...] Denn da gehet Gut weg, da gehet Mut weg, da gehet Blut weg, da gehet alles weg. "

Einige Stücke, von Johann Rosenmüller (1617 – 1684), Friedrich Wilhelm Zachow (1663 – 1712) und Philipp Heinrich Erlebach bleiben instrumental. Das Consort mit Péter Barczi, Éva Borhi (Barockviolinen) Daniel Rosin (Barockcello), Julian Behr (Theorbe) und David Blunden (Orgel) spielt anfangs gedämpft, dann mit Hingabe und schönen Akzentuierungen, häufig sind erste und zweite Geigenstimme kanonisch angelegt, die langsamen Sätze verzierungsreich. Die Triosonate von Zachow hat einen schwungvollen Charakter, leicht im Abgang und schließlich heiter und spritzig. Die Sonata Terza von Erlebach wirkt getragen ruhig, die Stimmen liegen dicht beieinander, dann wird es bewegter. Der Zusammenklang des Ensembles ist harmonisch und gut aufeinander abgestimmt,.

Das Programm endet mit zwei Liedern von Johann Krieger und noch einmal Philipp Erlebach, wieder tröstlicher, zart, sanft, berührend, dann froher. Der Applaus ist überschwänglich und wird mit einer Zugabe von Johann Augustin Kobelius belohnt.