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01. September 2010 18:17 Uhr

Neuer Wein

Die Lese für den Neuen Süßen beginnt – Wetter setzt Winzern zu

Die Wetterkapriolen 2010 haben den Winzern Sorgenfalten in die Stirn getrieben: Doch bei optimalen Bedingungen hat jetzt am Kaiserstuhl und Tuniberg die Lese für den Neuen Süßen begonnen. Die Hauptlese wird indes wohl schwieriger werden.

  1. Foto: ddp

Im Badischen Winzerkeller wurden am Mittwoch rund 300 Bottiche mit Trauben der Sorte Solaris angeliefert. Die Winzer hoffen auf einen guten Herbst, ausschlaggebend ist das Wetter in den kommenden Wochen. Ende September wird voraussichtlich die Hauptlese beginnen.

85 Oechsle misst Wilfried Dörr mit seinem Spektrometer. "Damit bin ich sehr zufrieden", bekundet das Vorstandsmitglied der Breisacher Genossenschaftskellerei. Am ersten Lesetag wurden rund 150.000 Kilo Trauben der Sorte Solaris angeliefert, "ein eher kleiner Tag", sagt Dörr. Geerntet wurden sie für den "Neuen Süßen". Am kommenden Mittwoch sollen Müller-Thurgau und andere frühreife Sorten angeliefert werden, ebenfalls für "Neuen Süßen".

600.000 Flaschen Neuer Süßer

Etwas früher dran mit der Lese für den "Neuen Süßen" waren die Mitglieder der Burkheimer Stadtkapelle. Sie herbsteten bereits am Montagmorgen auf dem vereinseigenen Rebstück die Sorte Solaris. Es wurden 1000 Kilogramm mit 102 Grad Oechsle gelesen. Aus den Trauben wird Neuer Süßer gekeltert, der am Wochenende bei den Burkheimer Weintagen im Hof des Vereins zu einem Stück Zwiebelkuchen getrunken werden kann.

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Rund 600.000 Flaschen Neuen Süßen will der Badische Winzerkeller in diesem Jahr auf den Markt bringen, etwas weniger als 2009. "Müller-Thurgau ist mittlerweile knapp geworden, wir wollen diese Traubensorte eher zu Weißwein ausbauen", erläutert Dörr, der in der Genossenschaftskellerei für den Bereich Kellerwirtschaft zuständig ist. Schließlich gebe es für Federweißen, wie der Neue Süße auch genannt wird, viele Mitbewerber, doch der Badische Winzerkeller habe da eine sehr guten Ruf.

Optimale Bedingungen für einen guten Jahrgang

Dörr blickt zum blauen Himmel und freut sich. "Prächtiges Wetter, so brauchen wir es auch in den nächsten drei Wochen". 20 bis 25 Grad warme Tage und kühle Nächte, das seien optimale Bedingungen für gute Extraktwerte und Aroma. Auf Niederschläge können die Winzer hingegen verzichten, "davon hatten wir genügend", so Dörr.

Mit der Prognose für den Herbst 2010 tut er sich eher schwer. "Wir haben sehr große Unterschiede zwischen den einzelnen Lagen, das Blütewetter war teilweise sehr lang". Es sei zu starken Verrieselungen bei der Blüte gekommen. Die Traubenreife sei sehr unterschiedlich.

Witterung ist entscheidend

Dörr geht davon aus, dass sich die Erntemenge auf Vorjahresniveau bewegen wird, eventuell auch etwas darunter. Allerdings sei die Vorjahresmenge bereits unterdurchschnittlich gewesen. Was den Ertrag angeht, werde der Müller-Thurgau in diesem Jahr wohl der Gewinner sein, bei den weißen Burgundersorten rechne er hingegen mit einem niedrigeren Ertragsniveau, vielleicht sogar unter dem des Vorjahres. "Aber noch ist alles drin, entscheidend ist die Witterung in den nächsten Wochen".

Die Traubenernte werde rund zwei Wochen später stattfinden als in den vergangenen Jahren, schätzt Dörr. Darüber ist er nicht unglücklich, im Gegenteil: "Wie herbsten lieber im Oktober, dann sind die Trauben ausgereifter und die Temperaturen nicht mehr so hoch".

Unterschiedliche Traubenreife

"Wenn es in den kommenden acht Wochen so ist wie heute, dann wird es ein sehr guter Herbst", sagt auch Freiherr Johannes von Gleichenstein von dem gleichnamigen Oberrotweiler Weingut. Mengenmäßig werde es aber kein großer Herbst werden. Die Erntemenge werde rund 30 Prozent unter der eines normalen Jahres liegen, schätzt er. Da die Traubenreife sehr unterschiedlich ist, erwartet er eine "sehr schwierige Lese". "Man muss sehr selektioniert vorgehen", so von Gleichenstein.

Schon jetzt sei klar, dass die Ertragsunterschiede zwischen den einzelnen Sorten sehr groß ausfallen werden. Beim Müller-Thurgau rechne er mit einer fast normalen Menge, bei Weiß-, Grau- und Spätburgunder werde die Ernte hingegen eher gering sein. Bessere Erträge erwarte man hingegen bei den späteren Lagen, wo die Reben später geblüht haben.

Die Traubenreife ist diesmal sehr unterschiedlich

"Wir brauchen wieder Sonnenschein", sagt auch Rolf Hofschneider, Geschäftsführer der Winzergenossenschaft Oberbergen und Sprecher der Kaiserstühler Winzergenossenschaften. Bei Ruländer und weißem Burgunder werde man wohl nicht die Wunschmenge erzielen. Auch Hofschneider geht davon aus, dass bei den frühen Lagen die Menge geringer ausfällt, "die späten Lagen könnten die Gewinner sein", sagt er. Den Winzern wünscht er, "dass nicht alles miteinander reif wird".

Auch Hofschneider schwärmt vom derzeitigen Wetter. "Die kühlen Nächte kommen uns Winzern entgegen, Regen brauchen wir nicht, denn es ist genug Wasser im Boden". Im inneren Kaiserstuhl werde die Hauptlese um den 20. September herum beginnen, schätzt Hofschneider, vorausgesetzt, das Wetter spielt mit.

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Autor: Agnes Pohrt