Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

16. Juni 2012

Die liebe, böse Verwandtschaft

Die erste Theater-AG der Gewerbeschulen erzielte mit ihrem selbst organisierten Stück in der Steinhalle einen großen Erfolg.

  1. Leben sie noch oder erben wir schon? Foto: Sylvia-Karina Jahn

EMMENDINGEN. Die Schauspieler sitzen in Startposition auf der Bühne oder an der Hallenwand und warten wie das Publikum in der Steinhalle auf den Beginn des Stückes "Leben sie noch? Oder erben wir schon?" Die Musik weist den Weg nach Frankreich, der Heimat Chantals, die mit ihrer Verlobung mit einem reichen Bayern für gehörigen Wirbel bei dessen Verwandtschaft sorgt. Genau den bringt die erste Theater-AG der Gewerbeschulen unterhaltsam und mit herrlich bösen Zuspitzungen fast schon satirisch auf die Bühne.

Statt Szenen gibt es in Barbara Peters’ Stück Klischees und genau die bedient diese Komödie nicht nur inhaltlich, die jungen Darsteller spielen sie großartig überspitzt heraus. Da ist der total unter dem Pantoffel stehende, nach Alkohol dürstende Ehemann (herrlich, wie Pascal Jessen unter der Last des Gepäcks, der Familie und später des Flascheninhalts schier zusammenbricht); sein e selbstbewusste, nie um eine Antwort verlegene, aalglatt-vornehme Amalie (Angela Haacke), die mit Schmeichelei probiert, das Erbe zu retten; die taffe Emanze Sigrun (Jana Sulzberger), die dann doch wie ein kleines Mädchen reagiert; der Macho (David Halouska), der keine Frau in Ruhe lässt, aber auch sonst gern zupackt; "die Dirk", die (oder den?) Fabian Greiner sehenswert spielt. Für die beiden gab’s allein aufgrund ihres Auftretens Applaus. Dann die Liebespaare: Schön schmachtend wie aus einer Courths-Mahler-Story entsprungen Carla Bihl als Sybille und Tim Trendle als leicht überforderter, nur dank mörderischer Unterstützung erfolgreicher Polizist Hugo Taschenbuch; und als herrlicher Kontrast, voll geil sozusagen, das moderne junge Paar Paul und Pauline (Johannes Hornung und Lena Bastian). Schließlich der greise Erbonkel Horst (man möchte Philipp Oesterle förmlich beim Aufstehen helfen) und seine Chantal (sehrrr französisch: Laura Gabel), die am Ende alle überraschen. Einen Extrablick wert sind Lorenz Allweyer als wissenschaftsversunkener, absolut weltfremder Professor Doktor Doktor und sein kaltblütig-sadistisches Töchterlein Püppi: Marleen Schubert spielt mit selbstverständlich-kindlicher Grausamkeit ("Zack und klapp, Rübe ab"). Genügend Sprengstoff also für den der Psychiatrie entkommenen Manni (Victor Hauser überzeugt mit Zwangsjacke ebenso wie mit seinem Sächseln und als Magier, letzteres besonders mit Hilfe von "Boombastix"). Da ist es schon fast logisch, wohin sich die gern wörtlich zu nehmende Mordswut der Möchtegernerben wendet. Kurz: Theatervergnügen pur, das von Nikolai Moritz sehr lebendig inszenierte Stück. Bleibt nur zu hoffen, dass sich für die Schulabgänger in der AG neue Theaterfans finden: Der Aufwand lohnt sich!

Werbung


Nächste Aufführung Open Air am Sonntag, 16 Uhr, Singarena der Leistungsschau


Autor: Sylvia-Karina Jahn