Musik

Die Metal-Band "Pray for Redemption" ist legendär im Hochschwarzwald

Susanne Gilg

Von Susanne Gilg

Fr, 15. Dezember 2017 um 16:11 Uhr

Titisee-Neustadt

Mit einem Campingurlaub in Bregenz und einer Dose Hundefutter hat vor 20 Jahren alles angefangen. Jetzt hat die Metal-Band "Pray for Redemption" zum 20-Jährigen ein besonderes Musikvideo produziert.

Längst ist das satte Grün vor der Öhlermühle in der Schildwende dem Schnee gewichen, längst haben auch die Mitglieder der Hochschwarzwälder Metal-Band "Pray for Redemption" ihre hochgekrempelten Hemden gegen dicke Daunenjacken getauscht. Zu ihrem 20-jährigen Bestehen haben die Jungs im Sommer ein Musikvideo vor und in der historischen Mühle gedreht – jetzt ist es fertig, bei Minustemperaturen war Premiere.

Hundefutterdose als Namensgeber

Mit einem Campingurlaub in Bregenz und einer Dose Hundefutter hat alles angefangen. Es war im Sommer 1997, der erste Urlaub mit eigenen Autos, eigenen Mopeds. "Da haben wir festgestellt, dass wir alle Metal mögen", erinnert sich Gitarrist Frank Helmle. Und dann haben sie kurzerhand beschlossen, eine Band zu gründen. Dass er zwanzig Jahre später ziemlich versiert in die Saiten hauen würde, war damals lange nicht klar: "Die Krux an der Sache war, dass keiner von uns ein Instrument spielen konnte – nur Christian, der war ganz fit am Schlagzeug", fügt der 38-Jährige hinzu. So wurden die Instrumente verteilt, jeder lernte eins, Christian Kern aus Hinterzarten blieb beim Schlagzeug.



Fotos: So entsteht das Musikvideo der Band "Pray for Redemption" (Fotogalerie veröffentlicht am 15. Dezember 2017 auf badische-zeitung.de )

Auch der erste Name der Band hat seinen Ursprung in jenem Campingurlaub: "Der Name, der war eigentlich Mist, denn da gab’s im Supermarkt in Bregenz Hundefutter der Marke Rufus – und so haben wir uns kurzerhand für Rufus entschieden", erzählt Schlagzeuger Christian Kern, der in Eisenbach lebt. Unter dem Namen Rufus hat sich die Band auch über den Hochschwarzwald hinaus einen Namen gemacht, im Jahr 2000 ist aus der Urlaubsidee die erste CD entstanden. "Better than betray" – "Besser als Betrug" hieß der Titel. "Wir sind ziemlich legendär im Schwarzwald – auch heute noch", sagt Frank Helmle stolz.

Nicht immer positive Schlagzeilen

Die Schlagzeilen, die sie machten, waren dabei nicht immer positiv, wollte man ihnen in den Anfangszeiten doch eine Nähe zum rechten Rand andichten. "Wir hatten ein Plakat gemacht, das aus einem Futtersack bestand, das wir auf einem Hof gefunden hatten – da stand ein großes D drauf", erinnert sich Gitarrist Helmle. Am Abend sollte ein Auftritt im Thomasheim in Neustadt sein. "Da mussten wir zur Polizei und beim Pfarrgemeinderat Rede und Antwort stehen", ergänzt Sänger Mathias Fürderer, der neben der Öhlermühle in der Schildwende daheim ist.

"Wir haben dann echt viele Shows bekommen, haben im Jugendzentrum in Denzlingen gespielt und zum ersten Mal im Crash in Freiburg." Christian Kern, Schlagzeuger
"Das war blöd, wir haben uns nichts dabei gedacht, als wir dieses Plakat gestaltet haben", sagen die Bandmitglieder im Rückblick. Am Ende gab’s einen Artikel in der BZ, in dem die Jungs alles richtig stellten – und 350 Leute kamen zum Konzert ins Thomasheim.

Ihre ersten Shows waren auf Bikerpartys und Hoffesten im Hochschwarzwald. "Wir wollten auffallen – daher haben wir eine Bühnenshow mit Kettensägen gemacht", sagt Frank Helmle. Jeden einzelnen Pfennig haben sie in ihre Ausrüstung gesteckt, haben richtig hart trainiert, drei Mal in der Woche geprobt. "Wir haben dann echt viele Shows bekommen, haben im Jugendzentrum in Denzlingen gespielt und zum ersten Mal im Crash in Freiburg", sagt Schlagzeuger Christian Kern.

Ein Name mit Bedeutung musste her

Um die Jahrtausendwende, da haben sie Demo-Kassetten verschickt, um an Shows zu kommen. "Das war eine richtige Herausforderung – heute ist das durchs Internet viel leichter", sagt Frank Helmle. "Hier im Schwarzwald gab’s auch einfach keine Szene." Klinkenputzen war angesagt – was folgte, waren Konzerte in Freiburg, Stuttgart, Berlin, in Frankreich, in der Schweiz. Ihre Texte drehten sich zunächst um das, was Jungs mit Anfang 20 durchleben. "Erlösung war dabei immer ein Thema, denn wir sind ganz klar christlich beeinflusst", sagt Frank Helmle.

Ein Name mit Bedeutung musste her: "Pray for Redemption" – "Beten für die Erlösung". Zwischendrin gab’s auch mal ein Loch, das Bandprojekt ruhte. "Wir haben einfach nicht alles unter einen Hut bekommen, aber zu keinem Zeitpunkt war das Projekt abgehakt, wir waren immer in Kontakt", sagt Christian Kern. 2015 sind sie nach ihrer kreativen Pause wieder voll durchgestartet, haben Bassist Sebastian Jung und den zweiten Gitarristen Stefan Modrzejewski rekrutiert.

"Wir sind die harte Seite des Schwarzwalds, ganz ungesüßt."Frank Helmle, Gitarrist
Zum 20-jährigen Bestehen haben sie diesen Sommer ein Musikvideo produziert, Filmer Patrick Hitz aus Breitnau hat sie unterstützt. Im Video "Depths of Salvation" – Set ist die historische Öhlermühle – geht es neben harten Klängen um einen Vater, der seine Familie schlecht behandelt. Der Grundgedanke dahinter: "Kinder wachsen teilweise in so schlimmen Verhältnissen auf – in der Story geht es dann letztlich auch um Sündenvergebung", erklärt Bassist Sebastian Jung.

"Wir sind die harte Seite des Schwarzwalds, ganz ungesüßt", sagt Frank Helmle, Christian Kern fügt zum 20-Jährigen hinzu: "Wir sind mit unseren Texten erwachsen geworden." Und das Hundefutter ist ohnehin längst passé.

Fotos: So entsteht das Musikvideo der Band "Pray for Redemption" (Fotogalerie veröffentlicht am 15. Dezember 2017 auf badische-zeitung.de )